Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

30.3.2009 | Von:
Dr. H.-Peter Neitzke

Elektromagnetische Felder - Mobilfunk

Gesundheitsrisiken durch die Felder des Mobilfunks

Bisher gibt es nur sehr wenige Untersuchungen des Gesundheitszustandes der Bevölkerung in der Umgebung von Mobilfunkbasisstationen. Einzelne Studien deuten darauf hin, dass Anwohner von Mobilfunksendeanlagen möglicherweise häufiger an unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwäche leiden. Auch einzelne Laboruntersuchungen ergaben eine Zunahme von Symptomen wie Erregung, Verspannung und Angstgefühl, wenn die Probanden elektromagnetischen Feldern ausgesetzt waren, wie sie beim Mobilfunk verwendet werden.

In den Laboruntersuchungen wurde allerdings mit Intensitäten gearbeitet, wie sie beim Telefonieren mit dem Mobiltelefon auftreten. Diese liegen deutlich über denen, die nach den derzeit geltenden Grenzwerten für Anwohner von Mobilfunksendeanlagen zulässig sind. Das gilt auch für die meisten Untersuchungen der Einflüsse der Felder auf Gehirnfunktionen. Dabei wurden in einzelnen Fällen Veränderungen der Hirnpotenziale sowie Beeinflussungen der kognitiven Leistungsfähigkeit festgestellt.

Da Mobiltelefone in Körpernähe wesentlich höhere Felder verursachen als Mobilfunksendeanlagen, wurde das Krebsrisiko bisher vor allem bei Nutzern von Mobiltelefonen untersucht. In epidemiologischen Studien wird das Auftreten von Hirntumoren bei regelmäßigen Nutzern von Mobiltelefonen mit dem Auftreten bei Personen verglichen, die Mobiltelefone nie oder selten benutzen. In der Mehrzahl der Studien war das Hirntumorrisiko (siehe unten) für Personen, die Mobiltelefone seit weniger als fünf Jahren benutzt hatten, nicht erhöht.

Für Langzeitnutzer wurden dagegen in einigen Untersuchungen erhöhte Risiken für bestimmte Hirntumorerkrankungen festgestellt. Diese Ergebnisse sind aber noch mit großen statistischen Unsicherheiten behaftet, da es bisher nur wenige Personen gibt, die seit mehr als zehn Jahren intensiv mobil telefonieren. Wenn es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und dem Hirntumorrisiko gibt, dürfte sich dieser erst in einigen Jahren deutlicher zeigen: Hirntumoren haben oft Latenzzeiten von mehr als 20 Jahren, Mobiltelefone sind aber erst seit den 1990er Jahren weit verbreitet.

Eine Erklärung für die in Experimenten und epidemiologischen Studien beobachteten gesundheitlichen Auswirkungen gibt es bisher nicht. Es ist zwar wissenschaftlich eindeutig belegt, dass hochfrequente elektromagnetische Felder hoher Intensität zu Erwärmungen des Gewebes führen und dass dies gesundheitsschädlich sein kann. Welche biophysikalischen Mechanismen jedoch für die Effekte verantwortlich sind, die bei Untersuchungen am Menschen, an Versuchstieren, isolierten Organen und Zellkulturen bei deutlich niedrigeren Intensitäten beobachtet wurden, ist bisher nicht bekannt. Trotz Tausender von Untersuchungen ist auch noch nicht abschätzbar,

  • welches Risiko mit Dauerbelastungen über viele Jahre verbunden ist,
  • welche Auswirkungen die Felder auf den heranwachsenden Organismus haben, der auf viele andere Umwelteinflüsse empfindlicher reagiert als der ausgewachsene, und
  • wie die Felder des Mobilfunks im Zusammenspiel mit anderen Umwelteinflüssen wirken.

Schutz vor den Risiken des Mobilfunks

Wissenschaftlich ist unstrittig, dass hochfrequente elektromagnetische Felder ab einer gewissen Intensität gesundheitsschädlich sind, weil das Gewebe zu stark erwärmt wird. Deshalb wurden die gesetzlichen Grenzwerte in Deutschland und vielen anderen Ländern so festgesetzt, dass diese (thermische) Wirkung sicher verhindert wird. Die vorliegenden wissenschaftlichen Befunde zeigen jedoch, dass Hochfrequenzstrahlung auch unterhalb der thermischen Schwellen biologisch wirksam ist. In einigen Ländern und Regionen gelten deshalb deutlich niedrigere Vorsorgewerte. Von Umwelt- und Verbraucherverbänden, Bürgerinitiativen und einigen Wissenschaftlern werden auch für Deutschland niedrigere Grenzwerte gefordert, über die Höhe ist man allerdings nicht einig.

Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass alles daran gesetzt werden muss, die elektromagnetischen Belastungen der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Dies gilt besonders angesichts der weiteren Zunahme der elektromagnetischen Strahlung durch den Mobilfunk, aber auch durch viele andere neue Informations- und Kommunikationstechniken (wie schnurlose Telefone, WLAN, Bluetooth). Weitere Argumente sind die deutlichen Hinweise auf erhöhte Gesundheitsrisiken sowie die nach wie vor bestehenden Forschungslücken.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


einfach POLITIK: aktuell

Fahrverbote für Diesel

Die Abgase von vielen Diesel-Autos sind noch viel schmutziger, als man bisher gedacht hat. In Hamburg gibt es deshalb Fahrverbote für ältere Diesel-Autos. Vielleicht bald auch in anderen Städten.

Mehr lesen

Dossier

Klimawandel

Globale Erwärmung und Klimawandel: diese beiden Worte sind in aller Munde. Wie konnte es überhaupt zum Klimawandel kommen? Und reichen die Bemühungen im Kampf gegen die globale Erwärmung aus?

Mehr lesen

Dossier

Bioethik

Wann beginnt das Leben? Was genau ist die Würde des Menschen? Gibt es ein Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende? Und welchen moralischen Status haben Tiere? Die Bioethik setzt sich mit grundsätzlichen Fragen des Seins auseinander. Sie liefert Antworten für die politischen Entscheidungen der Gegenwart. Aber wirft auch neue Fragen und Probleme auf.

Mehr lesen

Spezial

"Plastic Planet"

"Nach der Stein-, der Bronze- und der Eisenzeit haben wir jetzt die Plastikzeit" - mit diesem Zitat beginnt eine Reise des österreichischen Regisseurs Werner Boote von den 1960er-Jahren, als Plastik immer mehr verbreitet wurde, bis in die heutige Zeit. Heute sind wir von Plastik umgeben.

Mehr lesen

Publikation zum Thema

Haben Tiere Rechte?

Haben Tiere Rechte?

Angesichts eines gewachsenen Verantwortungsbewusstseins gegenüber (Nutz-)Tieren beschäftigt sich das Buch aus interdisziplinärer Sicht mit unterschiedlichen Aspekten des gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnisses. Es enthält Analysen, beschreibt Herausforderungen und eröffnet neue Perspektiven.Weiter...

Zum Shop