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Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.

4.2.2009 | Von:
Dipl.-Biol. Friedrich Wulf

Lösungsansätze zum Erhalt der Artenvielfalt

Das meiste bleibt noch zu tun

Zu beinahe jedem Problem, das im Zusammenhang mit der Erhaltung der biologischen Vielfalt steht, wurden von der COP bereits Beschlüsse gefasst. Dennoch weisen 13 von 15 Indikatoren zur Entwicklung der Biodiversität einen negativen Trend auf. Die biologische Vielfalt und die Intaktheit der Ökosysteme nehmen weiter ab, während die Bedrohungen weiter zunehmen(2).

Zum einen liegt dies natürlich an der mangelnden Umsetzung, wobei man anerkennen muss, dass mittlerweile ca. 140 Vertragsstaaten über nationale Biodiversitätsstrategien oder Aktionspläne verfügen. Doch bereits aus der mangelnden Entschlossenheit und Deutlichkeit der Arbeitsprogramme und Beschlüsse ist die weitere Abnahme zu verstehen.

So beschränkt sich das Landwirtschaftsprogramm auf Empfehlungen und erst 2008 wurde in Bonn beschlossen, die Stickstoffeinträge zu verringern. Auch das Access and Benefit Sharing ist bisher unverbindlich. Das Waldprogramm klammert weiterhin die Erhaltung der Urwälder, eine Rückverfolgung der Holzherkünfte und den Anbau gentechnisch veränderter Bäume aus. In vielen Schutzgebieten werden Schutzmaßnahmen immer noch schlecht umgesetzt und die Stimmen der lokalen Bevölkerung nicht einbezogen. Die Mittel zur Umsetzung reichen nicht aus; die von der Bundesregierung zugesagten 500 Mio. Euro pro Jahr sind nur ein Sechzigstel des tatsächlichen Bedarfs – andere Länder müssen mitziehen. Noch immer liefern biodiversitätsfeindliche Subventionen die falschen Anreize. Die rechtlichen und ökonomischen Instrumente vermögen es bisher nicht, die Aktivitäten der Wirtschaft in nachhaltige Bahnen zu lenken.

Dennoch ist die CBD das einzige umfassende globale Übereinkommen, um die biologische Vielfalt zu retten. Allein der Informationsaustausch und die geführten Debatten bedeuten schon einen riesigen Schritt vorwärts. Die CBD sollte sowohl finanziell als auch im Bezug zu anderen globalen Prozessen und Organisationen (z.B. G8, WTO, UNFCCC) gestärkt werden, um erfolgreicher zu sein. Dazu ist auch wichtig, Mehrheitsentscheidungen einzuführen.

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Für Deutschland hat die Bundesregierung in Umsetzung der CBD nach drei Anläufen im November 2007 eine 178 Seiten starke nationale Strategie zur biologischen Vielfalt verabschiedet(3). Kern ist eine nach Lebensräumen und Wirkfaktoren gegliederte konkrete Vision, deren Einzelziele bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (2010/2015/2020) erreicht werden sollen. In den Kapiteln "Innovation und Beschäftigung" sowie "Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit" wird dargestellt, dass der Erhalt der Biodiversität Arbeitsplätze schaffen und erhalten kann. An der Müritz etwa entstanden durch die Ausweisung des Nationalparks 630 Arbeitsplätze.

Leitziel der nationalen Strategie ist es, den EU-Ratsbeschluss von Göteborg 2001 umzusetzen und bis 2010 den Verlust der Arten- und Lebensraumvielfalt zu stoppen. Danach soll eine Trendumkehr eingeleitet werden. Die Arten der roten Listen sollen sich bis 2020 um je einen Gefährdungsgrad erholt haben. Arten, für die Deutschland weltweit eine besondere Verantwortung trägt, stehen dabei im Vordergrund. Dazu sollen:
  • bis 2020 wieder mehr Flächen sich selbst überlassen werden (Prozessschutz), davon 2 Prozent der gesamten Fläche Deutschlands, 5 Prozent der Wälder und 10 Prozent der bundeseigenen Waldflächen
  • die Rückhalteflächen der Flussauen wieder um 10 Prozent vergrößert werden; für Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft soll bis 2010 eine gute fachliche Praxis mit konkreten Standards eingeführt bzw. überprüft und angepasst werden. Der Stoffeintrag durch Pestizide und Düngemittel soll reduziert werden, der Stickstoffeintrag etwa von über 100 auf 80 kg/ha*a. Der Biotopverbund soll verwirklicht und die Verringerung unzerschnittener verkehrsarmer Räume soll gestoppt werden. Luchs, Bär und Wolf sollen in Deutschland wieder heimisch werden.
  • der Einfluss auf die biologische Vielfalt von Drittländern soll reduziert werden, indem nach 2010 keine illegal geschlagenen Hölzer importiert werden können und der Anteil nachhaltig und sozialverträglich produzierter Produkte bis 2020 auf 25 Prozent erhöht wird. Bei der Kreditvergabe soll zunehmend die Biodiversität berücksichtigt werden.
So begrüßenswert und teilweise weitreichend diese Schritte sind, die Vorhaben müssen ausgeweitet werden, da sonst das 2010-Ziel nicht erreicht werden kann. Die Belastung durch Dünger und Pestizide muss weiter gesenkt und eine größere Zahl Agrarumweltmaßnahmen finanziert werden. Darüber hinaus gilt, Biotope auch über bereits bestehende Straßen hinweg zu vernetzen. Dennoch hat diese nationale Strategie weltweit eine Vorreiterrolle und man sollte sie nun vor allem zügig umsetzen – zum Beispiel im Naturschutzteil des Umweltgesetzbuchs. Alle, die die biologische Vielfalt nutzen, sind aufgerufen, dazu beizutragen.


Literatur

(1) Globale Strategie zur Erhaltung der Pflanzen - Übersetzung der englischen Originalfassung von April 2002. - http://www.bgci.org/policy/gspc/

(2) Die Lage der biologischen Vielfalt - 2. Globaler Ausblick. Deutsche Fassung von "Global Biodiversity Outlook 2", S. 14 - http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/global_biodiversity_outlook2.pdf

(3) http://www.bmu.de/naturschutz_biologische_vielfalt/downloads/publ/40534.php

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