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Afrika

5.12.2005 | Von:

Vorkoloniale politische Organisationsformen

Vorkoloniale politische Organisationsformen

Im vorkolonialen Afrika gab es ganz unterschiedliche politische Herrschaftsformen. Diese gründeten jeweils auf verschiedenen Wirtschaftsweisen und Gesellschaftsformen, zu denen jeweils auch besondere Weltsichten und Religionen gehörten. Die gesellschaftlichen und herrschaftlichen Strukturen hatten dabei nichts spezifisch "Afrikanisches", sondern waren in ihren wesentlichen Zügen auch in anderen Weltregionen zu finden.

Doch gibt es über die vorkolonialen Herrschaftsformen in Afrika eine grundlegende Kontroverse. Die einen vertreten die These, daß es im vorkolonialen Afrika überall Häuptlinge und Könige gegeben hat, die nahezu unbeschränkt über ihre Untertanen verfügen konnten. Andere behaupten, daß im vorkolonialen Afrika gerade keine absolute Herrschaft zu finden war. Die Herrscher hätten vielmehr zum Wohle des Volkes regieren müssen. Sie waren keine Alleinherrscher, sondern alle Entscheidungen mußten einvernehmlich, etwa mit den Klanältesten getroffen werden. Falls sie sich nicht an das einvernehmliche Entscheidungsverfahren (Konsens) hielten, drohte ihnen die Absetzung oder – in besonderen Fällen – sogar der Giftmord.

Dieser Widerspruch ist eklatant. Vereinfacht formuliert soll auf der einen Seite die vorkoloniale Herrschaft autoritär bis despotisch, auf der anderen Seite konsensorientiert und kollegial, im Kern demokratisch gewesen sein. Die Streitlinien verlaufen dabei nicht gradlinig, sondern sie gehen quer durch die Reihen; sowohl Afrikaner als auch Europäer streiten sich untereinander darüber. Die Kontroverse hat auch einen politischen Hintergrund. Die einen wollen begründen, daß die Afrikaner aufgrund ihrer Geschichte, die nur durch den europäischen Kolonialismus autoritär verdreht worden sei, vorzüglich zur Demokratie geschaffen seien. Die anderen wollen die lange vorherrschenden autoritären Herrschaftsformen legitimieren, als gäbe es fast schicksalhaft für Afrikanerinnen und Afrikaner keine andere Wahl.


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