Afrika

21.5.2005 | Von:

Bedeutung Afrikas für Deutschland

Afrikanische Erwartungen

Diese Verantwortung gründet sich auch auf die Hoffnungen und die Erwartungen, die afrikanische Staaten mit einem Engagement Deutschlands auf dem Kontinent verbinden. Deren Ausgangspunkt ist aus afrikanischer Sicht die überaus große Bedeutung Deutschlands für den afrikanischen Kontinent. Dies war schon zu Zeiten Bismarcks der Fall. Eben jener Politiker, der den Stellenwert Afrikas für Deutschland gering schätzte, hatte als Veranstalter und Mittler der Berliner Konferenz 1884/85 wie nur wenige andere Staatsmänner entscheidenden Einfluß auf die Gestaltung der heutigen Grenzen Afrikas.

In der Gegenwart ist das Interesse Afrikas an Deutschland überwiegend wirtschaft-lich und entwicklungspolitisch motiviert. Deutschland befindet sich für fast alle afrikanischen Staaten in der Gruppe der drei wichtigsten Handelspartner. Für diese Staaten ist Deutschland zudem einer der drei wichtigsten Geber von Entwicklungshilfe. Neben diesen harten Fakten werden die Bemühungen afrikanischer Regierungen um Deutschland noch von einer anderen Überlegung geleitet. Deutschland ist nur in ganz wenigen Ländern Afrikas mit einer kolonialen Vergangenheit belastet, die nach wie vor die Beziehungen zwischen ehemaligen Kolonien und ihren Mutterländern trübt oder zumindest den Aufbau einer gleichberechtigten Partnerschaft erschwert. Deutschland gilt auch der Verfolgung einer von strategischen Interessen geleiteten Machtpolitik als unverdächtig – wie sie dagegen den USA und Frankreich von Afrikanern unterstellt wird. Ein verstärktes deutsches Engagement ist deshalb in den meisten afrikanischen Ländern als ein Gegengewicht zum Einfluß der ehemaligen Kolonialmächte und der USA erwünscht.

Allerdings übersteigen diese Erwartun- gen bei weitem das, was von deutscher Seite erbracht werden mag und kann. Völlig unrealistisch sind die immer wieder geäußerten Einschätzungen afrikanischer Regierungen, Deutschland sei willens und in der Lage, den Platz der Sowjetunion im regionalen Machtspiel einzunehmen. Deutschland wird mit seinen wichtigsten Verbündeten USA, Frankreich und Großbritannien niemals einen Konflikt über nachrangige außenpolitische Fragen wie die Afrikapolitik riskieren. Dabei gab es in der Vergangenheit vor allem mit Frankreich durchaus Meinungsverschiedenheiten. Frankreich betrachtete das frankophone Afrika als seinen "Hinterhof". Auf dessen Kontrolle basierte im wesentlichen sein Weltmachtanspruch. Es reagierte mithin höchst empfindlich auf wie immer geartete Einflußnahme anderer Industrieländer auf diese Region. Deutschland nahm darauf Rücksicht und konzentrierte deshalb seine Afrikapolitik im wesentlichen auf das anglophone Afrika, wo weder die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien noch die Supermacht USA eine absolute Vorrangstellung beanspruchten.


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