Dossierbild: USA (Freiheitsstatue)

11.10.2008 | Von:
Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl

Die Reagan-Jahre: Zurück zum "alten Glanz"

Sowjetunion als "Reich des Bösen"

Mit der Stationierung neuer Mittelstreckenraketen diesseits und jenseits des „Eisernen Vorhangs“ begann der so genannte Zweite Kalte Krieg. Als Reaktion auf die sowjetischen Vorstöße veranlasste Reagan in seiner ersten Amtszeit ein massives Aufrüstungsprogramm. Das Rüstungsbudget wurde 1981/82 um 15 Prozent auf 233 Milliarden US-Dollar erhöht. Das Fünfjahres-Programm für 1982 bis 1986 sah für die Verteidigung Gesamtausgaben in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar vor.

Mit Appellen an den amerikanischen Patriotismus, dem Versprechen, die Größe und Überlegenheit der USA wiederherzustellen und offenen Drohungen an die Adresse Moskaus gab Präsident Reagan dem Kalten Krieg damals einen dramatischen, unversöhnlich klingenden Akzent. Seine Rede vor fundamentalistischen Christen in Orlando/Florida im März 1983, in der er die Sowjetunion in apokalyptischer Metaphorik als "Reich des Bösen" bezeichnete, erregte weltweit Aufsehen und Besorgnis.

Massive Unterstützung antikommunistischer Widerstandsbewegungen

Doch die amerikanische Regierung bekämpfte damals die Sowjetunion nicht nur direkt, sondern mit der so genannten Reagan-Doktrin auch in den kommunistischen Satellitenstaaten der Dritten Welt, indem sie anti-kommunistische Widerstandsbewegungen unterstützte. Zwischen 1981 und 1989 übernahmen die USA die Ausbildung, Bezahlung und Bewaffnung antikommunistischer Kämpfer, u.a. in Angola, Mosambik, Kambodscha, Afghanistan und Nicaragua. In El Salvador versorgte Washington die Regierung mit verdeckter Militär- und Wirtschaftshilfe in einem brutalen Bürgerkrieg gegen linksgerichtete Guerillas. Auch die militärische Unterstützung, die über den pakistanischen Geheimdienst an die afghanischen Widerstandskämpfer gegen die Sowjetunion gelangte, wurde in dieser Zeit ausgebaut.

Insgesamt flossen rund zwei Milliarden US-Dollar an die Mudjahedin. Damit finanzierten die USA damals letztlich auch Osama bin Ladens Aufstieg zur charismatischen Führerpersönlichkeit und den Aufbau der Terrororganisation "Al Qaida". Die innenpolitisch umstrittenste Umsetzung der Reagan-Doktrin betraf Nicaragua. Dort unterstützte der US-Geheimdienst CIA Contra-Rebellen im bewaffneten Kampf gegen die Regierung in Managua.

Förderung des wirtschaftlichen Wettbewerbs

Reagans Bestreben, die in den 1970er Jahren erlittenen Rückschläge wettzumachen, beschränkte sich nicht allein auf die massive Aufrüstung der USA sowie Waffenlieferungen an Freund und Feind. Ebenso beabsichtigte er, die Schlüsselrolle der Vereinigten Staaten im Weltwirtschafts- und -währungssystem zurück zu gewinnen.

Die USA standen dabei in einer langen Tradition wettbewerbsfördernder Politik. Ihre Antitrust-Gesetzgebung reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Eines der Hauptanliegen dieser Politik war, eine möglichst große Anzahl von Firmen in einer Industrie zu erhalten, um einen effizienten Wettbewerb zu gewährleisten. Reagans Wirtschaftspolitik entsprach dieser Tradition. Ziel seiner Maßnahmen zur Deregulierung war es, die Kosten für amerikanische Industrieprodukte zu senken, um diese auf den Weltmärkten und dem heimischen Markt gegenüber der Konkurrenz ausländischer Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen.

Forschungsgelder vor allem für Rüstungsprogramme

Ein wichtiges Instrument dieser Politik waren Subventionen, vor allem in Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Rahmen des nationalen Aufrüstungsprogramms. Die Regierungsgelder kamen in Reagans Amtszeit insbesondere der Computer- sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie zugute. So haben nach einem Bericht der EG-Kommission Boeing und McDonnell Douglas von 1976 bis 1990 insgesamt mindestens 14,4 Milliarden US-Dollar an öffentlichen Mitteln erhalten, die überwiegend aus den Forschungs- und Entwicklungsbudgets des amerikanischen Verteidigungsministeriums und der NASA stammten. Hinzu kamen Steuerbegünstigungen, so dass sich damals die indirekten Finanzhilfen auf über 17 Milliarden US-Dollar beliefen.

Diese Politik hinterließ verheerende Spuren im amerikanischen Staatshaushalt. Insgesamt stieg die Schuldenlast des Bundes von 914 Milliarden US-Dollar im Jahr 1980 auf 2,6 Billionen US-Dollar im Jahr 1988 an. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Anteil der Schulden am Bruttosozialprodukt von 35 auf 65 Prozent. Reagan hinterließ damit am Ende seiner Amtszeit ein hoch problematisches Erbe, das die amerikanische Wirtschaftspolitik der 1990er Jahre maßgeblich beschäftigen und letztlich zum Wahlsieg Bill Clintons beitragen sollte.

US-Präsident Ronald Reagan und der Generalsekräter der kommunistischen Partei der Sowjetunion Michail Gorbatschow bei einem Treffen in Genf, 1985.Ronald Reagan und Michail Gorbatschow bei einem Treffen in Genf, 1985. (© Wikimedia, Public Domain)

Überwindung des Kalten Kriegs vor Ende der Präsidentschaft

Während die erste Amtszeit Reagans durch eine Verhärtung und Eskalation des Ost-West-Konflikts gekennzeichnet war, zeichnete sich die zweite Amtszeit durch eine Politik aus, die zum Abbau von Spannungen und schließlich zur Überwindung des Kalten Kriegs führte. Reagan wollte am Ende seiner politischen Karriere beweisen, dass er nicht nur Kalter Krieger, sondern auch Friedensstifter sein konnte. Bei den ersten beiden Treffen Reagans mit dem neuen Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, die 1985 in Genf und 1986 in Reykjavik stattfanden, näherten sich beide Seiten in der Rüstungsfrage an.

Ende 1987 verständigten sich die beiden Staatsmänner in Washington auf die so genannte doppelte Null-Lösung. Das Abkommen sah vor, die im Kerngebiet Europas stationierten atomaren Kurz- und Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 300 bis 3.400 Meilen zu eliminieren und keine weiteren davon herzustellen. Dieser Beschluss wurde von den europäischen NATO-Ländern mitgetragen. Zusammen mit der Ankündigung der einseitigen Reduzierung sowjetischer Streitkräfte waren damit noch vor Reagans Ausscheiden aus dem Präsidentenamt im Januar 1989 günstige Voraussetzungen geschaffen, das strategische wie konventionelle Wettrüsten zu beenden.

"Mr. Gorbatschow, tear down this wall!"

Den Deutschen ist Ronald Reagan durch seine berühmte Rede am Brandenburger Tor im Sommer 1987 in Erinnerung geblieben. Damals standen die Sowjetunion und ganz Osteuropa schon im Zeichen von Gorbatschows Reformpolitik, von Glasnost und Perestroika. Vor diesem Hintergrund entschied sich der US-Präsident damals nicht für eine Rede der Klage oder Anklage, sondern für eine Botschaft der Hoffnung und des Triumphes. An dem geschichtsträchtigen Ort in der Mitte Europas forderte Reagan den sowjetischen Staatspräsidenten auf: "Come here to this gate! Mr. Gorbatschow, open this gate! Mr. Gorbatschow, tear down this wall!" ("Kommen Sie zu diesem Tor! Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!")