Am 6. November 2012 wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten.

Uni-Campus: Wo bitte geht es hier zum Wahlkampf?

Seit Samstag, 22. September 2012, sind wir in den Vereinigten Staaten von Amerika unterwegs. Unsere erste Station: Die Ohio University in Athens. Lesen Sie hier, was für eine Rolle Ohio im Rennen um das Weiße Haus spielt und wie der Wahlkampf auf dem Campus präsent ist.

Kulturschock

Unsere ersten Tage in den Vereinigten Staaten von Amerika sind vorbei. Den Kulturschock haben wir inzwischen einigermaßen überwunden, auch wenn uns die Ausmaße dieser Nation immer noch faszinieren. Viele Erwartungen wurden übertroffen: Die Anzahl der Fast Food-Restaurants ist größer als erwartet und bei der Einreise am Flughafen werden Reisende stärker durch die Mangel gedreht, als gedacht. Andere Dinge sind dagegen nicht so, wie wir vermutet hatten: Vor allem der Wahlkampf um das Präsidentenamt.

Gleich bei unserer Ankunft am Flughafen Newark (Großraum New York City), noch vor der Passkontrolle, flimmerten in Fernsehern Spots, die das TV-Duell zwischen Amtsinhaber Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney bewarben. Aber seit wir auf dem Campus der Ohio University in der Kleinstadt Athens sind, fallen Plakate, Fähnchen und tapfere Wahlkämpfer auf den Straßen vor allem durch ihre Abwesenheit auf. Athens besteht eigentlich nur aus dem Campus der Ohio University. Rund 28.000 Menschen leben dort - ein Großteil sind Studenten.

Werbung für die Wahl

Warum werben die beiden Parteien kaum für ihren Kandidaten? Welche Rolle spielt die Ernüchterung nach knapp vier Jahren Obama, die weniger „Change“ gebracht haben, als erhofft? Es gebe andere Gründe, meint Mary T. Rogus. Sie unterrichtet an der E.W. Scripps School of Journalism der Ohio University. Rogus sagt: "Der Kreis Athens ist so blau wie kein anderer im ganzen Staat Ohio. Das heißt in einem von den registrierten Wählern her eher republikanischen Staat gibt es in Athens bei weitem mehr demokratische Wähler als Republikaner.“ Die Uni-Stadt Athens ist also sichereres Land für die Demokraten, weswegen die Republikaner kaum vor Ort werben.

Die meisten Ohio-“Bobcats“ stehen weiter zu Präsident Barack Obama.Die meisten Ohio-“Bobcats“ stehen weiter zu Präsident Barack Obama. (© H.J. Rausch)
Das heißt allerdings nicht, dass die Republikaner nicht versuchen, auch in Athens ein paar Stimmen zu gewinnen. „Vor kurzem war Mitt Romneys Sohn, Chris, in Athens, um für seinen Vater zu werben. Zu der Veranstaltung kamen etwa 150 Leute“, sagt Rogus. Aber auch Vizepräsident Joe Biden von den Demokraten war am selben Tag in der Stadt unterwegs. „Da waren die Tickets sofort vergriffen. Rund 1500 Leute wollten ihn sehen, das hat den Rahmen des Veranstaltungsorts fast gesprengt.“ Vor allem Studenten stehen weiter zu Barack Obama. Beide Parteien haben Gruppen an der Universität, doch sind auch hier die Demokraten deutlich populärer im Vergleich zu den Republikanern.


Vor der Wahl heisst es: Registrieren lassen

Deswegen arbeiten wie schon bei früheren Wahlen auch in 2012 wieder Studenten als Freiwillige für die Demokraten und sind auf dem Campus unterwegs. Vor dem zentralen Treffpunkt der Universität, dem Baker Center, haben sie einen Stand aufgebaut und bieten den Studenten die Möglichkeit, sich für die Wahl zu registrieren. Denn ohne Registrierung kann in den USA nicht gewählt werden. Die Volunteers beantworten Fragen, helfen beim Ausfüllen des Formulars und schicken sie anschließend für die Studenten ab. Natürlich wollen sie vor allem Stimmen für Barack Obama sichern. Aber Brigid Iverson, eine der Volunteers, sieht die Sache grundsätzlicher. „Ob man Demokrat oder Republikaner ist, ist egal. Die Hauptsache ist, dass man sich registriert und seine Stimme abgibt", sagt Iverson.
Brigid Iverson (m.) und ihre Freunde helfen Studenten, sich für die US-Wahl zu registrieren.Brigid Iverson (m.) und ihre Freunde helfen Studenten, sich für die US-Wahl zu registrieren. (© A. Eichhorn)

Auch wenn Athens ein sicherer Wahlkreis für die Demokraten ist, heißt das nicht, dass der Rest Ohios nicht umkämpft ist. Der Staat ist ein sogenannter „Swing State“. Das heißt, er ist einer der wenigen Staaten in den USA, der das eine mal eher demokratisch und das nächste mal republikanisch wählt. Mary T. Rogus erklärt, wie groß die Rolle der 18 Wahlmänner Ohios ist: „Es ist fast sicher, dass derjenige der Ohio gewinnt, die Präsidentschaft gewinnt. Noch kein Republikaner ist bis jetzt Präsident geworden, ohne Ohio zu gewinnen. Bei den Demokraten hat es glaube ich nur einer geschafft.“

Deswegen kämpfen sowohl Romney als auch Obama verbissen um die Vorherrschaft in Ohio. Beide besuchen den Staat und werden mehreren Universitäten einen Besuch abstatten. Kevin Grieves, ebenfalls von der E.W. Scripps School of Journalism, sieht zurzeit ein Kopf an Kopf-Rennen. "Noch ist schwer zu sagen, wer gewinnen wird, weil es noch ein paar Wochen bis zur Wahl sind und außerdem die Debatten noch anstehen, also kann sich noch einiges verändern. Momentan scheint Obama aber ein bisschen vorne zu liegen.“

Aber die ganz heisse Phase des US-Präsidentschaftswahlkampfes beginnt in diesen Tagen erst. Gut möglich, dass bald auch die Wahlwerbung auf dem Campus vieler Hochschulen noch zunehmen wird.




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