Am 6. November 2012 wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten.

Julius Heeke am 28.09.2012

100 Prozent Republikaner: Weniger Staat

Viele US-Amerikaner wissen sehr genau, wo sie politisch stehen: Blau oder Rot, demokratisch oder republikanisch. Sie stehen ihrer Partei bereits seit Jahrzehnten bei. 30 Jahre sind es bei John Webster Smith. Er ist überzeugter Republikaner – und mag so überhaupt nicht dem Klischee enstprechen.

John Webster Smith, Professor an der Universität Ohio, und überzeugter Republikaner. Zu Präsident Obama würde er gerne sagen: „Es ist ok für mich, wenn du dein Leben ruinierst, aber ruinier nicht meines oder das meiner Kinder!“John Webster Smith, Professor an der Universität Ohio, und überzeugter Republikaner. Zu Präsident Obama würde er gerne sagen: „Es ist ok für mich, wenn du dein Leben ruinierst, aber ruinier nicht meines oder das meiner Kinder!“ (© H. J. Rausch)

Raum 112, School of Communication Studies. John Webster Smith sitzt am Schreibtisch und tippt in seine Schreibmaschine. In Braille-Schrift, denn Smith ist blind. Er trägt eine schwarze Sonnenbrille und könnte fast als Ray Charles-Double durchgehen, er ist allerdings viel kräftiger als der US-Musiker.

„Es war ein langer Tag, jetzt gehe ich zu meiner Lieblingsbar um meine Lieblingskellnerin zu treffen“, sagt John Webster Smith. Die Rede ist von der Union-Bar ums Eck und die Kellnerin Noelle ist eine Freundin der Familie. Er verlässt den Raum, schaltet das Licht aus und tastet sich mit seinem weißen Blindenstock den Weg nach draußen. Dabei trifft er zahlreiche Studenten und Kollegen mit denen er angeregt plaudert. Wenn er spricht, tut er es laut und dehnt die Vokale ins Unendliche. Dazu ein starker Südstaatenakzent. Smith hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Er ist beliebt bei den Studenten, auch weil er sie stets zum Lachen bringt.

Man wählt ein Programm

Über Politik spricht er allerdings selten, vor allem nicht mit seiner Frau, denn sie wählt die Demokraten. Die wenigsten seiner Kollegen wissen, dass er die Republikaner wählt und das bereits seit 30 Jahren. Die Frage ob Demokraten oder Republikaner, ist für ihn dabei vor allem eine programmatische Frage. Politik sollte sich nicht zu stark einmischen. Und damit kommen für ihn nur die Republikaner infrage. „Sie suchen ja auch nicht nach Entschuldigungen dafür, Geld verdienen zu wollen. Geld kriegen wollen doch alle! Also, ich zumindest.“

Mitt Romney hält er für besser als Barack Obama, denn der republikanische Präsidentschaftsbewerber würde in den ohnehin schwierigen Zeiten weniger Schaden anrichten. Wenn er allerdings von Romney spricht, nennt er ihn nie beim Namen. Für ihn ist er nur „der Kandidat“.

Krankenversicherung kontrovers

Bei den großen Wahlkampfthemen ist er direkter. Die von Obama eingeführte allgemeine Krankenversicherung (National Healthcare) zum Beispiel, bezeichnet er als eines der katastrophalsten Dinge, das je in den USA passieren konnte. „Keiner kann die Auswirkungen erahnen, etwa auf die Wirtschaft, und sie belasten die Bürger nur wieder mit neuen Steuern.“ Stattdessen wünscht sich Smith Steuerkürzungen für alle. Der Staat solle die aus seiner Sicht zu hohen Steuern vernünftiger einsetzen. „Und wenn er es schon nicht tut, will ich das Geld wenigstens für mich haben, damit ich tun kann, was ich für richtig halte.“

In Freiheit leben

Für ihn geht es bei der Wahl nicht um Personen sondern ums Prinzip. Mit Präsident Obama würde er auch nie ein Bier trinken wollen, schon allein weil er nicht wüsste, worüber er mit ihm reden sollte. „Hätte ich die Chance ihn zu sprechen, würde ich ihm nur eins sagen: Es ist ok für mich, wenn du dein Leben ruinierst, aber ruinier nicht meines oder das meiner Kinder!“ Auf die Frage, was er tun würde, wenn er Präsident wäre, fängt er laut an zu lachen. Er würde den Amerikanern aus dem Weg gehen und möglichst alle staatlichen Regulierungen abschaffen, damit jeder die Freiheit habe, sein Leben so zu leben, wie er wolle. Darauf nimmt er einen tiefen Schluck und ruft verschmitzt: „Und ich würde Ginger Ale und Jameson für alle bestellen!“ Der Ernst, der beim Thema Politik kurz bei ihm aufgeblitzt war, ist wieder verschwunden.


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