Am 6. November 2012 wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten.

Hans Jakob Rausch am 28.09.2012

100 Prozent Demokrat: Idealist in Amerika

Der Wahlkampf kommt in die heiße Phase und die Kandidaten buhlen um die Gunst der Wechselwähler. Sie entscheiden, wer Präsident wird. Darüber wird oft vergessen, dass es die überzeugten Anhänger sind, die die Mehrheit der Wähler ausmachen. Sie bilden die Basis. Einer von ihnen ist der Uni-Professor Austin Babrow aus Ohio. Er wählt die Demokraten - seit 40 Jahren. Und doch will er eigentlich ein ganz anderes Amerika...

Austin Babrow ist Professor an der School of Communication Studies an der Universität Ohio in Athens. Er sagt: „Ich könnte mir niemals vorstellen, einen anderen Kandidaten als Obama zu wählen.“Austin Babrow ist Professor an der School of Communication Studies an der Universität Ohio in Athens. Er sagt: „Ich könnte mir niemals vorstellen, einen anderen Kandidaten als Obama zu wählen.“ (© H.J. Rausch)

Austin Babrow sitzt in einem Klappstuhl vor seinem Haus. Auf seinem Schoß ein Laptop. Sein Hund liegt neben ihm, ab und zu tätschelt Babrow seinen Kopf. Die Stimmung ist idyllisch: Auf dem kleinen Beet vor dem Haus blühen Blumen, Bienen schwirren umher und die tief stehende Sonne taucht die Szene in ein warmes, rotes Licht. Babrow wohnt einige Meilen außerhalb der kleinen Stadt Athens im Bundesstaat Ohio an einer kleinen Landstraße. Das Haus haben er und seine Frau gemeinsam entworfen. Jetzt lebt er hier mit ihr und seinen zwei Kindern.

Babrow (58) ist Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Ohio in Athens. Die tägliche Fahrt von etwa zwanzig Minuten in die Stadt nimmt er gerne in Kauf. Sein Haus sei für ihn Rückzugsort und Arbeitszimmer zugleich. Während Babrow so erzählt, hat man den Eindruck, als sei hier draußen alles in Ordnung und dieser Professor mit seinem Leben und der Welt zufrieden.

Auf die richtige Richtung kommt es an

Aber es ist Wahlkampf in den USA und Austin Babrow hat Angst. Angst, dass sich das Land in die falsche Richtung bewegen könnte. „Wenn Mitt Romney die Wahl gewinnt, dann wird es für die Millionäre in diesem Land großartig laufen. Aber der Rest der Bevölkerung ist dann verdammt!“ Babrow hält kurz inne. Nicht weil er überrascht ist über das, was er sagt. Es wirkt vielmehr, als suche er nach einer fundierten Begründung. Dann fährt er ruhig fort: Noch nie sei der Abstand zwischen Arm und Reich so groß gewesen wie derzeit. Und er werde sich noch weiter vergrößern, wenn die Republikaner diesmal gewinnen. „Romneys Plan, die Steuern für Gutverdiener zu senken — das ist ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Das vergrößert nur die Ungerechtigkeit in diesem Land.“

Austin Babrow ist vermutlich das, was man in Deutschland einen Linken nennen würde. Und das ist ungewöhnlich in einem Land, in dem sogar die Liberalen nach deutschen Maßstäben konservativ sind. Er selbst bezeichnet sich hingegen als sozial-liberal. Er will einen Staat, der sich einmischt und die Gesellschaft voranbringt, den Schwachen hilft und allgemeine Bedingungen für Gerechtigkeit schafft. Manche konservative Republikaner würden ihn deshalb wohl als Kommunisten beschimpfen. Babrow weiß das. Und er bedauert das aggressive Klima.

„Früher gab es mal einen liberalen Flügel in der Republikanischen Partei. Heute werden sogar liberale Demokraten als Idioten beschimpft. Die Republikaner driften immer weiter in die extreme rechte Ecke ab“, sagt Babrow. Und das gelte auch für Mitt Romney. Allerdings weniger, weil es die Überzeugung des Republikaners ist. „Er ist ein Heuchler, der bei den Vorwahlen alles erzählt hat, bloß um in seiner Partei erfolgreich zu sein.“

Die politische Mitte wählen

Dass Austin Babrow seine Stimme Barack Obama geben wird, sei deshalb für ihn selbstverständlich. Obwohl auch er von der Arbeit des Präsidenten enttäuscht ist. Der große Wandel, den sich so viele nach der Wahl 2008 erhofft hätten — er sei nicht eingetreten. „Vor allem in der Umweltpolitik hat sich wenig getan. Obama fördert weiterhin die Nutzung von Kohle und Erdöl. Das hat katastrophale Folgen.“ Aber er sei eben ein Politiker der Mitte, fügt Babrow hinzu. Da sei es nun einmal nötig, Kompromisse zu schließen. Was er denn ändern würde, wenn er selbst Präsident sei?

Seine Stimme wird jetzt energisch. Amerika müsse endlich aufhören zu behaupten, es sei das beste Land der Welt. Das sei Unsinn. „Wir müssen endlich anfangen, mit der Welt zu kooperieren, statt nur Befehle zu erteilen.“ Warum er dann Obama wähle? Babrow hält kurz inne. Er überlegt wieder. Dann sagt er etwas, dass man so von einem idealistischen Linken wohl nicht erwarten würde: „Manche sagen, wer sich für das kleinere Übel entscheide, wähle immer noch den Teufel. Ich glaube, das ist falsch.“ In so einem Moment wirkt Austin Babrow dann doch sehr pragmatisch.


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