Am 6. November 2012 wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten.

Karolin Dörner am 02.10.2012

US-Wahlkampf: Von Obama-Pizza bis Romney-Kaffee

2,5 Milliarden Dollar kosten die Wahlkampagnen von Demokraten und Republikanern zusammen. Wohin fließt dieses Geld? Anders als in Deutschland wird in den USA vor allem auf Fernseh- und Internetwerbung gesetzt. Was aber passiert abseits der elektronischen Welt? Eine Spurensuche.

Bevor ich in die USA kam, hatte ich ein Bild im Kopf: Wahlwerbung, die stellte ich mir vor wie monatelange Straßenparaden mit Luftballons, Bannern, Plakaten und Konfetti. Als Untermalung spielt eine Marching Band, die den Kopf des jeweiligen Kandidaten auf der Uniform trägt. Die Zuschauer zeigten sich berührt und begeistert. Kurz: Ich stellte es mir pompös vor, riesengroß und einfach extrem. Das Bild, das ich aus dem Fernsehen von den Conventions (Parteitagen) kannte, übertrug ich auf den gesamten amerikanischen Wahlkampf.

Plakatwände Fehlanzeige

Wahlplakat an einer StraßenlaterneWahlplakat an einer Straßenlaterne (© H.J. Rausch)
Aber: Falsch gedacht. Die Straßen sind leer. Keine Wahlplakate, keine Banner, kein Konfetti, nichts. Die Wahlwerbung scheint sich nur im Fernsehen abzuspielen. Ich musste suchen, aber zunächst suchte ich an der falschen Stelle. Als Deutsche war ich große Wahlplakate gewöhnt. Mit Gesichtern des jeweiligen Kandidaten und dem Namen der Parteien. In den USA gibt es solche Plakate nicht. Wenn es schon Plakate sind, dann sind sie winzig klein, sehr selten und tragen meist nur Namenszüge. Einziges Wiedererkennungsmerkmal ist die Farbe der jeweiligen Partei. Die Plakate stehen meist in privaten Vorgärten, hängen hinter Fenstern von Einfamilienhäusern oder sind an Straßenlaternen fixiert.

Die meisten Wahlplakate sind auf privaten Grundstücken zu finden.Die meisten Wahlplakate sind auf privaten Grundstücken zu finden. (© H.J. Rausch)
Ulf Jensen Röller, ZDF-Korrespondent im Studio Washington D.C., hat eine Erklärung dafür. „Straßenwerbung wie bei uns gibt es nicht. Ich glaube, das ist den Parteien oder Obama und Romney zu popelig. Wir machen putzig Plakate, die Amerikaner machen große Werbespots fürs Fernsehen.“ Für Spots und Auftritte geben die Parteien Unmengen an Geld aus. Dieses Jahr werden die Ausgaben zusammen auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt. Zum Vergleich: So viel kostet ungefähr die aktuelle Mars-Mission Curiosity. Neben der aufwendigen Werbung der Parteien läuft auf der Straße eher ein privat motivierter Wahlkampf ab. So gibt es unglaublich viele Merchandising-Artikel, mit denen sich die Amerikaner schmücken können: Hier ein Obama-T-Shirt, da eine Romney-Cappie.

Wahlkampf skurril

In Souvenir-Shops kann man alle möglichen Merchandise-Artikel zu den Demokraten oder Republikanern finden.In Souvenir-Shops kann man alle möglichen Merchandise-Artikel zu den Demokraten oder Republikanern finden. (© Magdalena Dick)
Auf der hinteren Stoßstange mancher Autos finden sich die so genannten Bumper-Sticker: Aufkleber, mit Namen der Kandidaten oder kurzen Slogans. In den Washingtoner Souvenir-Shops kann ich mir eine Barack- oder Michelle-Tasse kaufen. Ich könnte meiner Oma eine Romney-Postkarte aus den USA schicken oder Wackelkopf-Figuren der beiden Präsidentschaftskandidaten erwerben. Wenn mir das noch nicht genug ist, kann ich eine örtliche Pizzeria aufsuchen und zwischen der Pizza „meat Romney“ oder „Barack ObaMeat“ wählen. Eine Ecke weiter beteiligt sich eine Bar am Wahlkampf. Soll es heute der rote Republikaner-Drink sein? Oder entscheide ich mich doch für den blauen Demokraten? Zumindest bei der Pizza ist es einfach: Es handelt sich um identische Produkte. Egal ob es das Obama- oder das Romney-Etikett trägt.


In einer Pizzeria in Athens (Ohio) können sich Gäste zwischen Pizza „meat Romney“ oder „Barack ObaMeat“ entscheiden.Bildergalerie Wahlwerbung in den USA (© H.J. Rausch)


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