Am 6. November 2012 wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten.

Karolin Dörner am 09.10.2012

Land der Extreme: superreich bis obdachlos

Die USA gehören zu den reichsten Nationen der Welt. Aber die Spannbreite zwischen Arm und Reich ist riesig. Auf der einen Seite gibt es Milliardäre wie Microsoft-Gründer Bill Gates. Andererseits können manche US-Bürger nicht einmal ihre Lebensmittel bezahlen. Eine Stadt, in der die zwei Welten besonders heftig aufeinander prallen, ist die Hauptstadt Washington, D.C.

In unmittelbarer Umgebung des Kapitols in Washington DC steht das Obdachlosenheim.In unmittelbarer Umgebung des Kapitols in Washington DC steht das Obdachlosenheim. (© H.J. Rausch)
Es ist Mittag, die Sonne scheint auf das Kapitol, den Sitz beider US-Kammern. Im Schatten dahinter liegt das Luxushotel „Hyatt Regency“. Dort reihen sich etwa 50 Menschen in eine Schlange. Es gibt Pizza aus Pappschachteln. Jeder, der sich anstellt, bekommt ein Stück Pizza und einen Becher Limonade. Die Menschen, die in der Schlange warten, sehen abgekämpft aus. Sie wohnen fast alle in dem Haus, das direkt hinter dem Luxus-Hotel steht. Ein Homeless Shelter, ein Obdachlosenheim. Viele Bewohner waren durch die Wirtschaftskrise arbeitslos geworden. Andere haben zwar einen Job, können sich aber die horrenden Mieten in Washington nicht leisten. Sie sind gezwungen, im Obdachlosenheim zu wohnen.

Harte Arbeit für den „American Dream“

Edward wohnt seit zwei Jahren in dem Heim. Er will Koch auf einem Kreuzfahrtschiff werden.Edward wohnt seit zwei Jahren in dem Heim. Er will Koch auf einem Kreuzfahrtschiff werden. (© H.J. Rausch)
Edward wohnt bereits seit zwei Jahren in dem Heim. Sein gesamtes Geld steckt er in seine Ausbildung zum Koch. Sogar einen Kredit hat er dafür aufgenommen. Sobald er Arbeit hat, will er ihn zurückzahlen. Sein Traum: ein Arbeitsplatz als Koch auf einem Kreuzfahrtschiff. Er ist überzeugt, dass er seinen Plan in die Tat umsetzen wird, denn: Wer hart arbeitet, der wird auch erfolgreich sein. Vom Obdachlosen zum erfolgreichen Luxuskoch – so heißt Edwards Variante des „American Dream“. Zurzeit reicht sein Geld aber gerade für die Ausbildung. Um überleben zu können, ist er in das Obdachlosenheim gezogen. „Ich kann nirgendwo anders hingehen, denn ich habe niemanden, der mich unterstützt. Vor allem meine Familie kann mir nicht helfen. Also wohne ich jetzt hier“, sagt Edward.

Klarer Sieger im Homeless Shelter

James Hill wohnt ebenfalls seit zwei Jahren in dem Heim. Bei der Präsidentschaftswahl will er wieder für Obama stimmen.James Hill wohnt ebenfalls seit zwei Jahren in dem Heim. Bei der Präsidentschaftswahl will er wieder für Obama stimmen. (© H.J. Rausch)
In einer Sache sind sich die Bewohner des Heimes einig: Sie werden Amtsinhaber Barack Obama von den Demokraten wieder wählen. So ist es auch bei James Hill, der ebenfalls seit zwei Jahren in dem Heim wohnt. „Ich wähle Obama nicht, weil er der erste schwarze Präsident ist. Ich glaube, er versucht wirklich etwas zu verändern“, sagt Hill. Präsident zu sein, sei eben kein einfacher Job, entgegnet er Menschen, die Obamas erste Amtszeit für eine Enttäuschung halten.

Große Verehrung für Präsident Obama

Auch die anderen Bewohner verehren den Präsidenten. Sie beeindruckt die Tatsache, dass sich Obama hochgearbeitet hat. Aus einfachen Verhältnissen an die Spitze des Landes.
Kim wohnt seit vier Jahren im Obdachlosenheim. Sie hält die Reichensteuer für sinnvoll.Kim wohnt seit vier Jahren im Obdachlosenheim. Sie hält die Reichensteuer für sinnvoll. (© H.J. Rausch)
Obama wisse, was es heiße, hart für sein Geld zu arbeiten – das ist der Tenor unter den Heimbewohnern. Dass Barack Obama eine Reichensteuer einführen will, das ist unter ihnen dagegen strittig. James Hill ist der Meinung, die Reichen sollen selbst entscheiden, was sie geben wollen. „Nicht alles“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Sonst werden sie ja selbst obdachlos.“ Dass sie etwas abgeben, sei aber unbedingt nötig. Dagegen ist Kim, eine weitere Bewohnerin des Heimes, für klare Regeln bei der Reichensteuer. „Die Reichen verdienen mehr, also sollten sie auch mehr bezahlen. In diesem Land ist es unglücklicherweise immer so gewesen, dass die Reichen sogar weniger zahlen“, sagt sie. Kim glaubt, dass die US-Parlamentarier keine solche Steuer einführen wollten, weil sie selbst zu den Reichen zählten.


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Kommentare anderer Nutzer

Ulli K | 17.10.2012 um 22:15 [Antworten]

Land der Gegensätze: Aussage nicht erfüllt

Sorry, liebe Autorin,
aber der Text entspricht nicht der Überschrift: wie groß ist die Gruppe der "Reichen", wo ist der Maßstab? Gleiches gilt für die "Armen": wie hoch ist der Bevölkerungsanteil gerade in Washington DC? Da gibt es Gegenden in den USA, wo es keine Pizza gibt ... In Washington, gerade im Bereich Capitol Hill, ist Armut im amerikanischen Sinn kaum zu entdecken. Von Dulles aus gesendet, auf dem Rückflug nach zwei Wochen Washington.


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