Am 6. November 2012 wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten.

Isabell Hillmann am 11.10.2012

Freiwillige vor! – Volunteers im US-Wahlkampf

Es ist der teuerste Präsidentschaftswahlkampf in der Geschichte der USA. Demokraten und Republikaner investieren mehr als zwei Milliarden Dollar in ihre Kampagnen, um den eigenen Kandidaten ins Weiße Haus zu bringen. Trotzdem funktionieren manche Dinge im US-Wahlkampf auch ohne Geld. Scharen von Volunteers, ehrenamtlichen Helfern, arbeiten an der Parteibasis für den Wahlsieg.

Bei den Demokraten im New Yorker Stadtteil Manhattan herrscht reges Treiben. Das Wahlkampf-Büro auf der Upper West Side zwischen der 102. und 103. Straße liegt ein bisschen versteckt hinter einem großen Gerüst. Plakate und Sticker weisen den Weg zum Eingang. Schreibtische füllen den Raum, Menschen sitzen an Telefonen und arbeiten sich durch lange Listen mit Telefonnummern. Auf anderen Tischen liegen Buttons, Magneten und Aufkleber.

Cynthia Doty ist ein ”democratic district leader” und somit für die Koordination der Arbeiten im Büro zuständig.Cynthia Doty ist ein ”democratic district leader” und somit für die Koordination der Arbeiten im Büro zuständig. (© Kristin Kielon)
Cynthia Doty steht hinter dem Schreibtisch und ordnet ihre Unterlagen. Die Demokratin leitet das Büro der Wahlkampfkampagne für Präsident Obama und Vize-Präsident Biden in Manhattan. "Alle vier Jahre zur Wahl tun sich die beiden Kampagnenbüros in New York zusammen", sagt Cynthia Doty. Sie ist eine von vielen ehrenamtlichen Helfern der Demokratischen Partei, die sich im Wahlkampf engagieren. Seit über 20 Jahren organisieren sich auf diese Art Menschen, um sich für die demokratischen Präsidentschaftskandidaten stark zu machen. Volunteering heißt das in den USA. Mitmachen darf jeder und genauso setzt sich das Team von Doty auch zusammen. "Ich habe ein bunte Mischung aus Helfern hier aus dem Stadtteil Manhattan: Vom Geschäftsmann, über Migranten bis hin zu Obdachlosen."

New York for Obama

Vor lauter Arbeit wurde die offizielle Eröffnung des neuen Wahlkampfbüros ganz vergessen und muss jetzt nachgeholt werden.Vor lauter Arbeit wurde die offizielle Eröffnung des neuen Wahlkampfbüros ganz vergessen und muss jetzt nachgeholt werden. (© Johannes Schiller)
Mit dem neuen Büro – dem Obama/Biden Campaign Center – wollen die Demokraten Präsenz auf der Straße zeigen. Es ist größer als im Wahlkampf vor vier Jahren. "Damals hatten wir über 1.500 Volunteers. Wir brauchen in diesem Jahr mindestens genauso viele freiwillige Helfer, deswegen benötigen wir den Platz", sagt Cynthia Doty. Der gesamte Staat New York gilt als Hochburg der Demokraten. Die Freiwilligen arbeiten also nicht so sehr für den Wahlkampf vor der eigenen Haustüre, sie unterstützen vor allem die Kampagnen in den Swing States. Das sind jene Bundesstaaten, in denen noch nicht klar ist, ob Demokraten oder Republikaner im November die Stimmenmehrheit holen. Es gebe Patenschaften zwischen verschiedenen Staaten und Regionen, erklärt Wahlkampfmanagerin Cynthia Doty. ”New York und New Jersey unterstützen Pennsylvania. Chicago und Illinois wiederum Ohio.”

Manhattan macht Wahlkampf in Pennsylvania

Freiwillige Helfer werden im Wahlkampfbüro immer gebraucht – zum Beispiel um per Telefon für den eigenen Kandidaten zu werben.Freiwillige Helfer werden im Wahlkampfbüro immer gebraucht – zum Beispiel um per Telefon für den eigenen Kandidaten zu werben.
Die Unterstützung kann ganz unterschiedlich aussehen. Zum einen gibt es so genannte Phone-Banks. Das sind Veranstaltungen, bei denen sich ehrenamtliche Wahlkämpfer im Büro treffen und Wähler anrufen, die noch unentschlossen sind. Sie sollen überzeugt werden, zur Wahl zu gehen und ihre Stimme für Obama abzugeben. Außerdem fahren die Volunteers in die Nachbarstaaten und gehen von Tür zu Tür, um mit den Menschen persönlich zu sprechen.

Das Büro in Manhattan ist auch deswegen wichtig, weil die Staaten an der Ostküste am Wahltag eine herausragende Rolle spielen können. Wenn die Wahllokale in New York am Abend des 6. November schließen, bleiben sie an der Westküste – zum Beispiel in Los Angeles – drei weitere Stunden geöffnet. In Alaska noch länger. Grund ist die Weite der Vereinigten Staaten, die sich über mehrere Zeitzonen erstrecken. Anders als in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern dürfen in den USA Hochrechnungen aus den östlichen Staaten schon veröffentlicht werden, während andernorts noch gewählt werden kann. Diese Tatsache versucht Wahlkampfmanagerin Cynthia Doty für die Demokraten zu nutzen. ”Die Menschen in den östlichen Staaten, wie zum Bespiel New York oder New Jersey sollen möglichst früh wählen gehen, weil das vor allem die unentschiedenen Wähler in westlichen Staaten durchaus noch bei ihrer Entscheidung beeinflussen kann.” Unter Experten ist allerdings umstritten, ob dieser Effekt funktioniert.

Präsenz auf dem Bürgersteig

Für den Raum New York betreiben die Wahlkampfhelfer vor allem das sogenannte Tabeling. Cynthia Doty sagt, das sei kein Begriff, der im Wörterbuch stehe. Tabeling bezeichnet die Stände auf den Straßen mit Stickern und Buttons. Hier können nicht nur Werbeartikel erworben werden, viel wichtiger ist die Möglichkeit, sich für die Wahl registrieren zu lassen. Gerade dabei ist Doty zufolge die Arbeit der Helfer besonders wichtig. ”Unsere Ehrenamtlichen sprechen mit den Menschen, die an unseren Tischen vorbei gehen. Sie helfen ihnen bei der Registrierung oder überzeugen sie durch Spenden - zum Beispiel mit dem Kauf eines T-Shirts - die demokratische Kampagne zu unterstützen.” Es komme auch vor, dass aus den angesprochenen Passanten neue ehrenamtliche Helfer würden, sagt die Wahlkampfmanagerin. ”Das ist sehr wichtig für uns.”

Aber auch aus einem anderen Grund braucht das Wahlkampfbüro in Manhattan die Verkaufs- und Infostände auf dem Bürgersteig. Zum reinen Selbsterhalt. Um die Rechnungen zahlen zu können, müsse man möglichst viele Buttons verkaufen, sagt Cynthia Doty. ”Je nach Button spenden die Menschen 3 bis 5 Dollar.” Das Büro steht finanziell auf eigenen Beinen, Idealismus pur, denn Geld aus der mächtigen Parteizentrale der Demokraten gibt es nicht.


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