Skyline von Schanghai

24.8.2006 | Von:

Dhaka

Das Zentrum Bangladeschs

Leben

Soziale Situation
44 Prozent der Haushalte Dhakas leben unter der Armutsgrenze. Die Lebenserwartung liegt für Frauen bei knapp 61 und für Männer bei knapp 62 Jahren. Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren liegt bei 9,6 Prozent. Diese Zahl gilt in etwa auch für die anderen Städte Bangladeschs. Im Vergleich: In Berlin liegt diese Rate bei 0,1 Prozent. 60 Prozent der Frauen und Männer in Dhaka können lesen und schreiben.

Barbier am StrassenrandBarbier am Strassenrand (© Sonja Ernst)
Wohnen
Schon ab den 1960er Jahren entstanden erste informelle Siedlungen in und um Dhaka. Ab den 1970er Jahren nahm der Bevölkerungsdruck auf Dhaka enorm zu. Auf innenstädtischen Brachflächen und am Stadtrand entstanden weitere Siedlungen in eigener Regie, spontan und selbstorganisiert. Auch Wohnviertel für die Mittel- und Oberschicht entstanden ohne städtisches Gesamtkonzept. Heute leben rund 30 bis 40 Prozent der Menschen Dhakas in Slums und ihre Zahl wächst. Die Elendsviertel ziehen sich durch die gesamte Stadt. Und die Menschen in den Slums sind immer wieder bedroht durch Zwangsräumungen. Ebenso führen kleine Feuer in den dicht besiedelten Slums schnell zu katastrophalen Folgen.

Infrastruktur
Laut UN hatten im Jahr 2003 rund 99 Prozent der Menschen in Dhaka Zugang zu Wasser im Umkreis von maximal 200 Metern. 60 Prozent der Häuser und anderer Wohneinheiten waren an die Wasserversorgung und 22 Prozent an die Kanalisation angeschlossen. 90 Prozent hatten Zugang zu Elektrizität und 7 Prozent einen Telefonanschluss. In großen Teilen Dhakas kommt es immer wieder zu Wasser- und Stromausfällen.

Der private Wasserkonsum lag 2003 im Durchschnitt bei 160 Litern pro Person am Tag. Im Vergleich: In Berlin liegt der private Wasserkonsum bei täglich rund 180 Litern. Doch in Dhaka gibt es große Unterschiede betreffend der einzelnen Stadtteile. In den Elendsvierteln ist der Wasserverbrauch meist sehr viel geringer. Noch dazu müssen die Bewohnerinnen und Bewohner in den Slums teils Wasser von privaten Käufern zu horrenden Preisen erwerben, da sie keinen direkten Zugang zu Wasser haben.

Religion und Sprache
Die Bevölkerung Dhakas ist relativ homogen. Der Großteil der Einwohnerinnen und Einwohner sind Bengalen und gehören dem Islam an, die meisten von ihnen sind Sunniten. Es gibt eine hinduistische Minderheit von knapp 10 Prozent. Ebenso eine geringe Anzahl von Buddhisten und Christen. Es herrscht die Amtssprache Bangla, Bengalisch, vor. Anders als beispielsweise in indischen Großstädten ist Englisch nicht so sehr verbreitet und bleibt vor allem auf die gut ausgebildeten Schichten begrenzt. Dies ist teils auch auf die Unabhängigkeitsbewegung des Landes zurückzuführen, deren vereinentes Moment unter anderem das Bangla war.

Mini-Taxis in DhakaMini-Taxis in Dhaka (© Chris Jules)
Verkehr
Im Durchschnitt brauchen die Menschen in Dhaka 45 Minuten, um eine einfache Strecke zu ihrer Arbeitsstelle zurückzulegen. Knapp 5 Prozent benutzen ihr Auto, um zur Arbeit zu gelangen, knapp 10 Prozent fahren mit dem Bus. Doch die Zahl der privaten PKWs nimmt rasant zu. 86 Prozent der Menschen benutzen laut Statistik andere Verkehrsmittel, überwiegend Rikschas sowie Baby-Taxis, also dreirädrige Mini-Taxis. In Dhaka gibt es rund 80.000 offiziell registrierte Rikschas, aber die tatsächliche Zahl wird auf über 400.000 geschätzt. Das Zentrum Dhakas ist durch Stau und chaotische Verkehrszustände geprägt.

Quellen:
Financing Urban Shelter, Global Report On Human Settlements 2005, herausgegeben von: United Nations Human Settlements Programme, 2005.
The Challenge of Slums, Global Report On Human Settlements 2003, herausgegeben von: United Nations Human Settlements Programme, 2003.


Links

Webportal Dhaka City Corporation

Statistisches Bundesamt Bangladesch

The Daily Star (englischsprachige Zeitung)

Netz e.V. Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit in Bangladesch

Informationsportal südasien.info


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