Skyline von Schanghai

19.10.2006 | Von:

Jakarta

Millionenmetropole – acht Meter über NN

Hintergrund


Fast jedes Jahr zur Regenzeit, in den ersten Monaten des Jahres, heißt es "Land unter" in der Megastadt Jakarta. Die Dutzend Flüsse und Kanäle, die die Stadt durchziehen und ins Meer münden, treten dann über ihre Ufer. Teils sind die Überschwemmungen der natürlichen Lage der Metropole verschuldet, teils einer verfehlten städtischen Entwicklung, die auf rasches Wachstum setzt. Im Zentrum der Stadt geht der Bau von Straßen, Bürotürmen und Shopping Malls unvermindert weiter. Fast sind alle Flächen versiegelt, so dass das Regenwasser kaum versickern kann. Noch dazu fehlt es an öffentlichen Investitionen in das Abwassersystem der Stadt oder in künstliche Stauseen.

Überschwemmungen treffen zuerst die Armen.Die Überschwemmungen treffen zuerst die Armen. (© Martin Jenkins)
Das rasche Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte hat die städtische Infrastruktur an ihre Grenzen gebracht. Mit der Unabhängigkeit Indonesiens 1945 erlebte Jakarta einen wahren Boom. In nur 40 Jahren vervierfachte sich die Bevölkerung von 1,45 Millionen in 1950 auf 7,65 Millionen in 1990. Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren schritt die Industrialisierung in und an den Rändern Jakartas stetig voran: Eine Nahrungs- und Getränkemittel- wie auch arbeitsintensive Industrien im Bereich Textilien, Gummi, Möbel etc. entstanden. Das hohe Wirtschaftswachstum machte Indonesien zu einem der "kleinen Tigerstaaten" Asiens, und Jakarta wurde zum Symbol dieser wirtschaftlichen Dynamik.

Jakarta, der glorreiche Sieg
Die historischen Ursprünge der Stadt reichen bis zu 500 Jahre zurück. Ende des 15. Jahrhunderts entstand Sunda Kelapa als Hafen des hinduistischen Königreichs Pajajaran. Einige Jahre später landeten die Portugiesen mit Schiffen in der Bucht von Jakarta und es entwickelte sich ein reger Handel mit dem Hindu-Königreich. 1527 wurde die Stadt von dem muslimischen Prinz Fatahillah erstürmt. Er gab der Stadt den Namen Jayakarta: "glorreicher Sieg". Das Jahr 1527 gilt als Gründungsdatum des modernen Jakarta.

1619 nahm die Niederländische Ostindien-Kompanie die Hafenstadt ein und errichtete dort ihren Stützpunkt. Jayakarta wurde in Batavia umbenannt, nach dem Vorbild niederländischer Städte angelegt und mit einem Kanalsystem durchzogen. Die Stadt wurde zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum des heutigen Indonesiens und zu einem wichtigen Umschlagplatz Asiens. Bis heute sind viele Bauten aus der niederländischen Kolonialzeit erhalten, darunter das frühere Rathaus, Wohnhäuser wie auch Lagerhallen. Vom "alten Batavia" aus entwickelte sich die Stadt landeinwärts nach Süden.

1942 nahm Japan im Verlauf des Zweiten Weltkriegs Indonesien ein und beendete die Kolonialherrschaft der Niederlande. In Anlehnung an seinen alten Namen wurde Batavia in Jakarta umbenannt. Doch das Ende der Kolonialzeit bedeutete für die Menschen in der Stadt und im Rest des Landes den Beginn einer weiteren Besatzungszeit, diesmal unter japanischem Joch. Erst 1945, mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erklärte Indonesien seine Souveränität und wurde 1949 von den Niederlanden unabhängig – mit Jakarta als Hauptstadt.

Geschäftsviertel in JakartaGeschäftsviertel in Jakarta (© S. Setiabudi)
Kampungs zwischen moderner Hochhausarchitektur
Heute erinnert das Nationaldenkmal Monas mit seinem 135 Meter hohen Obelisken im Zentrum der Stadt an den Kampf um die Unabhängigkeit. In der Nähe wälzt sich der tagtägliche Verkehr über die Jalan Sudirman und Jalan Thamrin, die zentralen Verkehrsadern. Links und rechts schießen die Wolkenkratzer in die Höhe, hier finden sich Büro-, Geschäfts- und Bankenviertel mit ihrer modernen Hochhausarchitektur. Unter anderem das WISMA 46, das höchste Gebäude Jakartas: 50 Stockwerke, 262 Meter Höhe. Doch im nahen Stadtteil Kemayoran baut man zurzeit sogar am höchsten Gebäude der Welt. Der "Jakarta Tower" soll 2010 fertiggestellt und mit 558 Metern dann Weltspitze sein. Mit dem Bau hatte man bereits 1997 begonnen, doch die asiatische Finanzkrise suchte 1998 auch Indonesien heim und beendete das Projekt – vorerst. 2004 wurden die Baupläne wiederbelebt.

Elendsviertel in JakartaElendsviertel in Jakarta (© Bert Hoetmer)
Der "Jakarta Tower", so hatte es Jakartas Governeur Subiyoso 2004 versprochen, solle der Stolz der Stadt und des Landes werden. Doch die wachsende Zahl an Büro- und Wohntürmen führt auch zur Verdrängung der Bevölkerung aus dem Zentrum. Jakarta ist durchzogen von so genannten Kampungs. Diese dorfähnlichen Siedlungen sind ärmere Stadtgebiete aber nicht immer gleichbedeutend mit Slums. Teils leben dort auch Famlilien mit mittleren Einkommen. Schätzungsweise 20 bis 25 Prozent der Menschen Jakartas leben in Kampungs. Doch die zunehmende Siedlungsdichte im Zentrum der Stadt macht den Boden zu einem teuren Gut, und die Verdrängung der Kampung-Bevölkerung schreitet voran. Laut UN-Habitat wurden zwischen 2000 und 2005 rund 63.000 Menschen vertrieben und weitere etwa 1,5 Millionen Menschen sind in naher Zukunft von Zwangsräumungen bedroht. Im Schatten von Prestigprojekten wie dem Jakarta Tower bleibt die Frage nach ausreichend Wohnraum jedoch unbeantwortet.


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