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19.10.2006 | Von:

Manila

Stadt aus Städten

Hintergrund

Blick über Manila11 Millionen Menschen leben in Metro Manila. (© Joachim Fried)
"The country´s premier", so nennt sich Makati auf seiner offiziellen Internetseite: Das Wirtschafts- und Finanzzentrum von Metro Manila wirbt mit exzellenten Dienstleistungen und verspricht einen komfortablen und unbesorgten Lebenswandel. Makati ist die reichste Stadt der Philippinen. Auf rund 29 Quadratkilometer breitet sich das moderne Zentrum mit seiner Hochhausarchitektur aus. Die 17 Städte und Stadtgemeinden in Metro Manila bilden zwar einen gemeinsamen urbanen Raum, doch die Städte erfüllen – Stadtvierteln gleich – unterschiedliche Funktionen. In Marikina haben zahlreiche Industrieunternehmen ihre Produktionsstätten. Quezon City hingegen präsentiert sich auf seiner offiziellen Webseite als "the best-managed city in the Philippines". Das Parlament der Philippinen hat dort seinen Sitz, und mit 161 Quadratkilometern ist Quezon die größte Stadt in Metro Manila.

Die Bevölkerung von Metro Manila hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verfünffacht. Mit der zunehmenden Industrialisierung wuchs die Bevölkerung Anfang der 1970er Jahre um fast sieben Prozent jährlich. Die Stadt boomte nach einem raschen Wiederaufbau nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Manila Stadt, Herz der heutigen Metropole, lag 1945 zunächst in Schutt und Asche. Tausende Zivilisten verloren während des Kampfes um die Stadt ihr Leben. Dem schnellen Aufbau folgte ein rasantes Wachstum der Bevölkerung. Seitens der Politik wurde Manila die primäre Rolle bei der Entwicklung des ganzen Landes zugedacht: Dies war ein Rückgriff auf die Geschichte von Metro Manila.

"Intramuros" war den Spaniern vorbehalten
Manila Stadt hat eine der längsten Kolonialgeschichten. Mitte des 16. Jahrhunderts landeten die Spanier an der Küste der Insel Luzon. Sie fanden zwei Siedlungen, von denen eine den Namen Maynilad trug. Eine Zusammensetzung aus may, "hier gibt es", und der Blume Nilad, einer Mangrovenpflanze, die zahlreich an der Mündung des Pasig blühte. Die spanische Kolonialmacht ließ am Meer die Festungsstadt "Intramuros" errichten, auf einer Fläche von einem Quadratkilometer. In Intramuros selbst durften nur die Spanier wohnen. 1571 wurde Manila zur Hauptstadt des Archipels und zum politischen Zentrum. Der Aufstieg zur zentralen Handels- und Hafenstadt begann. Die Kolonialherren formten Manila nach spanischem Vorbild: Der Grundriss glich einem Schachbrett und im Herzen der Stadt wurde ein zentraler Platz mit den wichtigsten administrativen Gebäuden angelegt – die Plaza.

Als Folge des spanisch-amerikanischen Krieges Ende des 19. Jahrhunderts lösten die USA Spanien als Kolonialmacht ab. 1904 besuchte der amerikanische Architekt und Stadtplaner Daniel Burnham Manila. Er entwickelte einen Gesamtplan für die Stadt, der mehr Parks und Freizeitmöglichkeiten vorsah. Zugleich wurde der Ausbau des Straßennetzes beschlossen. Zunehmend gewannen neben der Festungsstadt Intramuros neue Wohnviertel an Bedeutung, so zum Beispiel Ermita oder Malate, Stadtteile von Manila Stadt.

1942 wurde Manila von japanischen Truppen besetzt. In einem erbitterten Kampf um die Stadt befreiten US-Truppen im Februar 1945 Manila. Im Jahr darauf wurden die Philippinen unabhängig, zunächst mit Quezon City als Hauptstadt. Doch 1975 wurde Manila Stadt erneut zur Hauptstadt.

Neue Standards des urbanen Lebens – Bonifacio Global City
Mit Ende der 1940er Jahren entstanden die ersten "gated communities" nach amerikanischem Vorbild. Heute leben etwa zehn Prozent der Menschen von Metro Manila in solchen geschützten Wohngebieten. Zunehmend funktionieren die Viertel nicht mehr nur als Trennung der Reichen von den Armen, sondern auch als Schutz vor Gewalt und Kriminalität. So entstehen "resort towns" mit Wohntürmen, die Sicherheit rund um die Uhr versprechen. Seit Anfang der 1990er Jahre entsteht in Taguig Stadt, südlich von Makati, ein neues Zentrum für Arbeit und Leben: die "Bonifacio Global City". Zuletzt Stützpunkt der philippinischen Armee entsteht hier "a city that works" mit stabiler Stromversorgung und sauberem Trinkwasser. Eine Stadt also mit einer funktionierenden Infrastruktur, wie sie in anderen Stadtvierteln teils fehlt. "Bonifacio Global City" verspricht mit seiner modernen Hochhausarchitektur einen "neuen Standard des urbanen Lebens".

Der Smokey Mountain
In dem aufstrebenden Manila leben zugleich schätzungsweise 35 Prozent der Menschen in Elendsvierteln, fast vier Millionen Menschen. 11 Prozent der Slumbewohnerinnen und -bewohner haben ihre Hütten an gefährlichen Stellen errichtet. An Flussufern, an Gleisen oder am Abhang von Mülldeponien.

So wurde der Smokey Mountain, ein Müllberg direkt am Hafen, in den 1980er Jahren zu einem unrühmlichen Wahrzeichen Metro Manilas. Mehr als 20.000 Menschen lebten am und vom Smokey Mountain. Anfang der 1990er Jahre wurde das "Smokey Mountain Development and Reclamation Project" aufgelegt. Die Deponie sollte saniert werden und für die Familien sollte neuer Wohnraum entstehen. Doch 1995 räumten bewaffnete Kommandos das Slum: Die Hütten wurden niedergerissen, die Familien vertrieben. In den kommenden Jahren wurde der Smokey Mountain zwar abgetragen. Das neu gewonnene Land am Hafen wurde gewinnbringend verkauft, doch die versprochenen Wohnblocks wurden nie fertig gestellt. Die Familie zogen weiter. Und viele gingen nach Payatas, zur Mülldeponie in Quezon City. Dort stürzte im Sommer 2000 nach heftigen Monsunregen der riesige Müllberg in sich ein und begrub mehr als 200 Menschen unter sich.


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