Skyline von Schanghai

8.5.2007 | Von:
Eckhart Ribbeck

Rasches Wachstum, schwache Planung, städtische Armut

Wer steuert die Stadtentwicklung in Megastädten?

Eine Gesamtplanung ist kaum möglich

Ein Mindestmaß an übergreifender Planung ist in jeder Megastadt notwendig, um zumindest die Grundversorgung in den Bereichen Verkehr, Wasser und Energie zu sichern. Sieht man von solchen "Zweckverbänden" einmal ab, gibt es aber selbst unter den reichen Metropolen nur wenige Beispiele, wo man eine "integrierte Gesamtplanung" praktiziert. Große Städte sind in der Regel politisch fragmentiert, zu komplex und zu dynamisch, um die Entwicklung ganzheitlich zu steuern. Noch schwieriger ist dies in den schnell wachsenden Südmetropolen, wo schwache Institutionen, fehlende Investitionskraft und eine unbeständige Lokalpolitik die Stadtplanung behindern. Auch stellen die meisten Megastädte keine politisch-administrative Einheit dar, sondern sind in Teilbereiche zersplittert, so besteht z.B. Mexiko-Stadt aus einer dominierenden Kernstadt (Distrito Federal) und über 20 Randgemeinden (municípios conurbados), wo teilweise andere Planungs- und Bauregeln, Steuern und Umweltgesetze gelten. Das Wachstum der meisten Megastädte folgt eher einem unübersichtlichen und opportunistischen Kräftespiel als einer langfristigen und zielgerichteten Planung. Die fehlende öffentliche Investitionskraft hindert die meisten Städte daran, die städtische Infrastruktur dem Wachstum entsprechend auszubauen, deshalb treiben private "land developers", so genannte Stadtentwickler, die städtische Expansion voran, ebenso wie der informelle Bodenmarkt, der oft im großen Stil und gut organisiert agiert.

Natürlich gibt es laut lokaler und internationaler Ebene zahlreiche Anstrengungen, um die Planungsschwäche der Megastädte zu überwinden und diesen die Chance einer "zukunftsfähigen Stadtentwicklung" zu geben. In der aktuellen Fachdiskussion stehen Forderungen nach einer "guten" Stadtpolitik, einem effizienten Stadt-Management, nach Wirtschaftsförderung, Armutsbekämpfung und Umweltschutz hoch im Kurs. Mehrere große UN-Programme – z.B. das UN-Habitat-Programm City Development Strategy (CDS) zur Stadtentwicklung sowie das Urban Management Programm (UMP) zum Stadtmanagement – bemühen sich in zahlreichen Städten, die Regierungs- und Planungsfähigkeit zu stärken. Ebenso gibt es internationale Städte- und Forscher-Netzwerke, die eine reiche Dokumentation von "best practices", den besten Methoden, zusammengetragen haben. Ob dies ausreicht, um die strukturelle Armut in vielen Ländern und Städten zu überwinden, ist allerdings eine offene Frage.


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