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Skyline von Schanghai

14.11.2007 | Von:
Christian Neuhaus
Stefan Carsten
Thomas Waschke

Wie geht es weiter mit der Stadt?

Mobilität und Automatisierung, Gated Communities und gefühlte Sicherheit – wie sieht die urbane Zukunft aus?

Denkbar ist vieles, aber die Frage lautet: Automatisierung wozu?

bpb: Künftig ist eine stärkere Automatisierung von Städten denkbar. Welche Prozesse der Automatisierung sind im Verkehr denkbar? Geht es bald per Autopiloten durch die Stadt?

Waschke: Denkbar ist sehr viel aus heutiger Sicht und technologisch könnte man viel mehr tun, wenn es denn gewollt wäre. Die Situation ist diese, dass der Mensch, das was er in der Stadt tut, sehr individuell tun möchte. Sei es motorisiert oder auch zu Fuß. Wenn man nun Verkehr als automatisiertes System betrachtet, dann lässt das immer außen vor, dass der Mensch eine wesentliche Rolle spielt und seine Entscheidungen sehr spontan treffen will. Das Bild des rational handelnden Menschen ist Gott sein Dank eine Fiktion. Technisch ist natürlich eine komplette Automatisierung der Stadt denkbar, aber es wird sie nicht geben. Was wir erleben ist eine menschengerechte Technik, die Erleichterung bietet.

bpb: Wie sieht es in anderen städtischen Bereichen aus. Nehmen wir zum Beispiel die Müllabfuhr. Ist dort ein Mehr an Automatisierung denkbar?

Waschke: Wenn man in die Vergangenheit geht, ist man überrascht, was es an Systemen in der Stadt schon gab. Natürlich nicht elektronisch, aber technisch unterstützt. Es gab unterirdische Rohrleitungen, die mit Überdruck funktionierten und Post oder auch Müll beförderten. All das gab es schon. Aber die Frage ist auch, wie viel Technik will man sich leisten? Technik bedeutet nicht von vorne herein eine günstigere Lösung.

Carsten: Ergänzend muss man auch die Frage stellen: Wem gehört die Stadt? Die Politik hat begrenzte Möglichkeiten, was den Finanzrahmen aber auch die Machtbefugnise betrifft. Die Metropole Tokio beispielsweise verteilt sich über acht Präfekturen. Oder aber der Bürgermeister von London hat rund 25 quasi Sub-Bürgermeister. Wer kann also welchen Einfluss nehmen? Ebenso haben die Bürgerinnen und Bürger nur begrenzte Möglichkeiten, große Technologisierungs-Projekte anzustoßen. Und zuletzt ist noch die Wirtschaft zu nennen. Hier müsste sich ein Unternehmen sehr stark mit nur einer Stadt assoziieren, um solch ein Pilotprojekt zu starten. Doch große Unternehmen agieren in verschiedenen Städten. Die Frage ist also tatsächlich: Findet man einen gemeinsamen Konsens für solche Automatisierungsprozesse? Und da bin ich eher skeptisch.

Neuhaus: Es gibt noch eine entscheidende Frage, nämlich: Automatisierung wozu? Es gibt zwar Technologiebegeisterte und auch Anbieter von Automatisierungstechnologie. Aber Automatisierung muss eine Funktion erfüllen. Da wo es im städtischen Alltag wirklich kneift, wo es Engpässe und Probleme gibt, kann man über eine Automatisierung nachdenken. Aber es muss einen Grund dafür geben.

Waschke: Wenn sie über die Zukunft der Städte nachdenken und wissen, dass die Hälfte der Weltbevölkerung bereits in Städten lebt. Dann ist auch die Frage entscheidend, wie viel Energie setzen wir eigentlich ein und wie ist das Thema Umwelt in der Zukunft zu bewerten. Damit tritt die Frage der Automatisierung noch weiter in den Hintergrund. Wenn wir über die Vision einer Stadt in der Zukunft nachdenken, dann ergibt sich auch das Bild einer CO2-armen oder energie-minimierten Stadt. Das heißt wiederum, welche technische Intelligenz setzt man für dieses Ziel ein. Aber auch hier bleibt die Frage, wozu das ganze, die einzig richtige. Als ferne Vision geht es natürlich um den Umgang mit Ressourcen. Das ist ein zentrales Thema, das uns auch in der Forschungsgruppe bewegt. Aber auch hier geht es darum, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und zwar mit seinem Verhalten in Städten. Das ist für uns die entscheidende Leitmaxime, weshalb wir uns mit Zukunft und Technik in der Stadt überhaupt beschäftigen.

Das Interview führte Sonja Ernst


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