izpb USA

20.3.2014 | Von:
Stormy-Annika Mildner
Julia Howald

Die US-amerikanische Wirtschaft

Ausblick

Gemessen an Indikatoren wie BIP, Pro-Kopf-Einkommen, Handel und ausländischen Direktinvestitionen liegen die USA in etwa gleichauf mit der EU. Bei anderen Indikatoren wie der Bedeutung des Dollars und dem Vertrauen der Märkte in die wirtschaftliche Entwicklung haben sie nach wie vor die Nase vorn. Auch die Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft in den kommenden Jahren sind grundsätzlich gut.
Doch der Vorsprung der USA in der Weltwirtschaft schmilzt kontinuierlich. Herausgefordert wird sie nicht allein durch die Aufholjagd der großen Schwellenländer, allen voran China, sondern auch durch die zahlreichen hausgemachten Probleme. Die USA haben mit gravierenden Defiziten in der Infrastruktur und dem Bildungswesen zu kämpfen. Diese Herausforderungen werden nur mit entschlossenem politischem Handeln zu meistern sein. Doch die Regierung ist zunehmend handlungsunfähig. Seit den Zwischenwahlen des Kongresses im November 2010 sind nicht nur alle größeren Reformvorhaben im Parlament gescheitert. Der Graben zwischen den beiden Parteien scheint kaum noch überbrückbar.

In der Wirtschaftspolik prallen zwei sehr unterschiedliche Ordnungsvorstellungen aufeinander. Die Republikaner sind der Meinung, dass niedrige Steuern, ein Abbau staatlicher Regulierungen und ein ausgeglichener Staatshaushalt die besten Voraussetzungen für hohes Wirtschaftswachstum sind. Die Demokraten hingegen gestehen dem Staat eine größere Rolle bei Regulierung und Stimulierung der Wirtschaft zu und setzen sich für eine höhere Besteuerung der Reichen und mehr Umverteilung ein. Die auseinander strebenden Standpunkte allein erklären den Reformstau indes nicht. Hinzu kommen eine wachsende Polarisierung und parteipolitische Blockbildung, die teilweise strukturelle Ursachen haben.

Von selbst wird sich das System wohl eher nicht reformieren. Viel hängt daher vom Wähler ab. Die Zustimmungsraten für den Kongress haben mittlerweile einen historischen Tiefstand erreicht. Sollte es den Demokraten bei den nächsten Kongresswahlen im November 2014 gelingen, das Repräsentantenhaus zurückzuerobern und ihren Vorsprung im Senat auszubauen, könnte Präsident Obama einen neuen Versuch starten, seine Reformagenda umzusetzen. Wahrscheinlich ist dies indes nicht.
The Economy (© Chappatte in "Le Temps", Geneva – www.globecartoon.com)