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IzpB 335/2018: Indien

19.1.2018 | Von:
Joachim Betz

Indiens Medienlandschaft

Fernsehen

Das Fernsehen kam recht zögerlich nach Indien und verdankte seinen Start zunächst der Überlassung entsprechender Ausrüstung durch Philips, die vom All India Radio 1959 zur ersten Ausstrahlung genutzt wurde. Premierminister Nehru hielt Fernsehen für entbehrlichen Luxus. Es dauerte lange, bis täglich ein einstündiges Programm ausgestrahlt wurde. Werbung im Fernsehen war zunächst verboten, eine erste Fabrik für die Herstellung von Fernsehgeräten gab es erst 1969.

Indira Gandhi verstand das Fernsehen dagegen als geeignetes Instrument zur Bildung und Beeinflussung der Massen. Während ihrer Regierungszeit wurden Stationen in ganz Indien eingerichtet, das Fernsehen vom Rundfunk getrennt, ab 1976 auch Werbung erlaubt. Zum Massenmedium wurde das Fernsehen aber erst in den 1980er-Jahren. Dazu trugen die Errichtung eines Netzwerkes von satellitengestützter Transmission, der breitere Raum für Unterhaltungssendungen im Programm und seine Kommerzialisierung sowie die Einführung des Farbfernsehens bei. Die straffe staatliche Kontrolle blieb aber bestehen.

Privates Fernsehen entstand erst 1991 im halblegalen Rahmen, da Television rechtlich noch immer staatliches Monopol war. Star TV mit Sitz in Hongkong begann Sendungen im Gefolge des Golfkrieges auszustrahlen, die über die massiv einsetzende Verbreitung von Satellitenschüsseln empfangen werden konnten. Diese Schüsseln wurden von Privatunternehmern gekauft und gegen Gebühr mit Haushalten verbunden. Damit verlor die Regierung die Kontrolle über das Medium, intervenierte aber aus Angst vor negativen Reaktionen ausländischer Investoren nicht. Die privaten Fernsehgesellschaften sind danach rasch groß geworden und haben sich internationalisiert. So verfügt zum Beispiel Zee TV über 17 internationale und 25 nationale Kanäle. Die privaten Programme werden auch von vielen Auslandsindern gesehen. Indien ist nun nicht mehr nur eine Nation, die mediale Botschaften von anderswo empfängt, es ist der drittgrößte TV-Markt weltweit geworden. Kein globaler Sender kann diesen Markt ignorieren. Die BBC hat 2007 ein spezielles Programm für Indien aufgelegt, Australiens ABC bereits 2006.

Um sich der Konkurrenz der privaten Anbieter zu erwehren, veranlasste die Regierung den staatlichen Fernsehsender (Doordarshan), der bislang im Wesentlichen als staatliches Propagandainstrument gedient hatte, zusätzlich fünf Unterhaltungskanäle einzurichten. Diesen war freilich kaum Erfolg beschieden. Im Jahr 1997 erhielt der staatliche Sender auch mehr Autonomie. Doordarshan wird seither finanziell kürzer gehalten, der Sender soll sich – über vermehrte Werbeeinnahmen – nun auch am Markt bewähren.

Alle Sender sind in starkem Maß von Werbung abhängig geworden. Das gilt besonders für die privaten Ableger, weil der größte Teil der TV-Gebühren von den Kabelanbietern absorbiert wird, die aber – mangels Registrierung – oft gar nicht wissen, wie viele Kunden sie wirklich haben. Kulturkritisch wird in Indien vermerkt, dass diese Abhängigkeit von den Einschaltquoten die Programmqualität nachhaltig verschlechtert habe; ständig habe sich der Anteil von Seifenopern, Quizsendungen und Realityshows erhöht.

Film

Der erste Film wurde in Indien 1896 aufgeführt, drei Jahre später war die erste eigene Produktion fertig. Die indische Filmindustrie hatte lange Zeit einen schwierigen Stand, weil sie bis 1998 nicht den Status einer Wirtschaftsbranche zugesprochen bekam und ihre Produktion daher auch nicht mit Bankkrediten finanzieren konnte. Zudem unterlagen Filme der Zensur, die – wie im Fall der Presse – bereits zur Kolonialzeit bestand und von der Regierung des unabhängigen Indien fortgesetzt wurde. Die durchaus nicht billigen Filme wurden deshalb häufig im Halbdunkel der Geldwäsche, später durch Filmvertriebe finanziert. Davon profitierten aber nur die als erfolgsträchtig angesehenen Streifen. Für als gut befundene Filme gab es zum Teil staatliche Subventionen.

Stars sind der wichtigste Produktionsfaktor indischer Filme und verschlingen etwa die Hälfte der Gestehungskosten. Heutzutage ist es in finanzieller Hinsicht einfacher, Filme in Indien zu produzieren, da eine Beteiligung für privates Kapital zunehmend attraktiv geworden ist. Gründe dafür sind die internationale Verbreitung der Filme, zunehmende Koproduktionen mit ausländischen Filmgesellschaften und steigende Einnahmen aus dem Verkauf dieser Filme (insbesondere in die USA, nach Kanada, Großbritannien und in den Nahen Osten) sowie aus dem Verkauf von Kabel- und Satellitenrechten.

Indien ist mit heute ca. 800 Filmen pro Jahr der größte Filmproduzent der Welt geworden. Der Kinobesuch in Indien ist das Freizeitvergnügen Nr. 1; jeden Tag schauen sich etwa 15 Millionen Besucher einen Kinofilm an, obwohl die Eintrittskarten nicht mehr sonderlich preiswert sind. Es gibt im ganzen Land etwa 13.000 Kinos.

Vorführungen beginnen mit einem staatlich gesponserten Dokumentarfilm, den Hauptteil bilden lange, mit Gesangs-, Kampf- und Tanzeinlagen versehene, oft melodramatische Streifen mit klarer moralischer Botschaft und ohne übertrieben stringente Handlung. Die indische Filmzensur sorgte lange Zeit dafür, dass direkte erotische Darstellungen ausblieben, nur wenig kaschierte Szenen haben Eingang gefunden. Den musikalischen Einlagen kommt entscheidende Bedeutung für den Erfolg eines Filmes zu. Soundtracks sind schon ein bis zwei Monate vor Erscheinen verfügbar und stellen eine wichtige Einnahmequelle der Filmindustrie dar.
Neben diesen traditionellen Hindi-Filmen gibt es Produktionen, die stärker an der Realität orientiert sind und es auch in westlichen Ländern zu Erfolg gebracht haben (etwa "Salaam Bombay" von 1988 oder "Slumdog Millionär" von 2008).

Der Anteil der aus Hollywood gezeigten Produktionen in Indien ist mit zehn Prozent sehr gering, deutlich geringer als in China, wenn auch langsam ansteigend. Markterfolg haben nur amerikanische Actionfilme; Dramen und Filmkomödien aus den USA tun sich in Indien ausgesprochen schwer. Ein erhebliches Problem für die indische Filmindustrie war und ist die Produktpiraterie, also die schnelle Kopie urheberrechtlich geschützter Filme. Sie hat auch mit den vergleichsweise hohen Eintrittspreisen und Sätzen der indischen Vergnügungssteuern zu tun, ist allerdings zuletzt durch die rasche Produktion von DVDs etwas zurückgegangen.