Dossierbild Afrika – Länder und Regionen

27.5.2009 | Von:
Gero Erdmann
Stefan Mair

Südliches Afrika: Wirtschaftspotenziale und soziale Herausforderungen

Mosambik

Von Stefan Mair

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts galt Mosambik als eines der wenigen Erfolgsmodelle Afrikas. Dies ist überraschend angesichts der Lage, in der sich die ehemalige portugiesische Kolonie Anfang der 1990er Jahre befand. Nach 16 Jahren blutigen Bürgerkriegs zwischen der sozialistischen und folgerichtig von der Sowjetunion unterstützten Regierungspartei Frelimo (Mosambikanische Befreiungsfront) und der von Südafrika geförderten, pro-westlichen Renamo (Nationaler Widerstand Mosambiks) waren die Wirtschaft und Infrastruktur des Landes weitgehend zerstört und die Gesellschaft durch die exzessive Brutalität der Kriegführung weitgehend traumatisiert. Dennoch war es den Vereinten Nationen, unterstützt von kirchlichen Gruppen, 1992 gelungen, nicht nur ein Friedensabkommen zwischen Frelimo und Renamo zu vermitteln, sondern es auch umzusetzen. UN-Friedenstruppen stabilisierten das Land, 1994 wurden Wahlen abgehalten, die die Frelimo gewann. Die Renamo fügte sich, wie auch bei den folgenden Wahlen, in die Rolle der Oppositionspartei. Diese Entscheidung wurde sicherlich dadurch erleichtert, dass der Führer der Renamo nicht über eigene Einkommensquellen verfügte, um seinen Krieg auch ohne Unterstützung von außen fortsetzen zu können.

Mosambik gilt aber nicht nur wegen dieser politischen Beilegung des Bürgerkriegs als Erfolgsmodell, sondern auch aufgrund der Wiedereingliederung der Rebellen in die Gesellschaft. Die Renamo hatte zum Großteil Kinder als Kämpfer rekrutiert, die zu außergewöhnlich brutaler Gewaltanwendung getrieben wurden. Ihre Wiederaufnahme in Dorfgemeinschaften erfolgte insbesondere durch traditionelle Aussöhnungsrituale. Der dritte Aspekt des Erfolgsmodells Mosambik ist der wirtschaftliche Aufschwung, der nach dem Ende des Bürgerkriegs begann. Er ist vor allem zwei Ursachen zu verdanken: zum einen dem massiven Zustrom von Entwicklungshilfe. In dem Jahrzehnt nach dem Bürgerkrieg lag der Anteil der Entwicklungshilfe an den Staatseinnahmen bei circa zwei Dritteln - einer Quote, die sich auch in den Folgejahren kaum abschwächte. Zum anderen wurde der mosambikanische Wirtschaftsaufschwung von den Investitionen überwiegend südafrikanischer Unternehmer in die Landwirtschaft und den Tourismussektor des Landes getragen.

So beachtlich die Erfolge des Landes seit dem Ende des Bürgerkrieges sind, so brüchig ist der Grund, auf dem sie stehen. Die Wirtschaft Mosambiks ist im hohen Maße außenabhängig und noch weit von einem sich selbst tragenden Wachstum entfernt. Beunruhigend ist insbesondere, dass es der Regierung bisher kaum gelungen ist, ihre Abhängigkeit von Entwicklungshilfegeldern zu verringern. Aber auch die gesellschaftlichen und politischen Gegensätze zwischen dem Norden und Süden Mosambiks, zwischen ländlicher Peripherie und küstennahem städtischem Zentrum, zwischen ethnischen Gruppierungen und zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsparteien sind bei weitem noch nicht überwunden. Hinzu kommt, dass der Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre die Kluft zwischen Arm und Reich eher vergrößert als gemildert hat. Schließlich übt seit den Wahlen 2004 mit Armando Guebuza ein neuer Präsident die Macht aus, der weniger danach strebt, die demokratischen Errungenschaften und bürgerlichen Freiheiten auszubauen, sondern eher danach, den Einfluss der Regierungspartei zu festigen und zu erweitern. Dies kann sich letztendlich auch negativ auf die wirtschaftliche Erholung Mosambiks auswirken. Die Entwicklung des Landes seit 1992 kann sicherlich - gemessen an den Ausgangsbedingungen - als Erfolgsgeschichte gewertet werden; dies sollte jedoch nicht daran hindern, gegenläufige Trends aufmerksam zu beobachten.


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Rund 885 Millionen Menschen leben in 54 afrikanischen Staaten. Auf dem Kontinent gibt es über 3.000 Bevölkerungsgruppen und mehr als 2.000 Sprachen. Das Dossier präsentiert Afrika gestern und heute und beleuchtet die Perspektiven zukünftiger Entwicklungen.

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