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Vorurteile

13.1.2006 | Von:

"Fremde" in den Medien

Schlagwort "Ausländerkriminalität"

Untersuchungen haben ergeben, dass die Zahl der fremdenfeindlichen Straftaten immer dann anstieg, wenn das Thema "Asylmissbrauch" im Zentrum des öffentlichen Interesses stand. Die Medien haben darauf nicht nur reagiert, sondern als Mittler zwischen Politik und Bevölkerung, aber vor allem als Gestalter des Diskurses agiert und damit das Massenbewusstsein beeinflusst.

Nach der Grundgesetzänderung des Asylrechts 1993 verlor das Thema Zuwanderung zeitweise an Bedeutung und wurde durch die Problematisierung einer organisierten Kriminalität mit Schlagworten wie "Russen-Mafia" abgelöst. Die "Asylantenflut" wurde durch Kriminalitätszuschreibungen und den vermeintlichen Missbrauch des Sozialstaates ersetzt. Politiker und Presse entwarfen Bedrohungsszenarien, in deren Mittelpunkt die "Ausländerkriminalität" stand. Berichte über ausländische Syndikate und Drogenkartelle, Schutzgelderpressung, Schieberbanden und Mädchenhandel beeinflussen noch immer das Bild der Ausländer in Deutschland. Dies zeigte sich erneut im Zusammenhang mit der Visa-Affäre 2004/2005, als die Presse mit der umstrittenen liberalen Visa-Vergabe an Ukrainer den Eindruck erweckte, ukrainische Kriminelle und Schwarzarbeiter würden massenweise das Land überfluten und die Zwangsprostitution hätte dramatisch zugenommen. Statistiken zeigen, dass Schwarzarbeit mehrheitlich von Inländern geleistet wird und die eine Million Ukrainer, die in den Jahren 1998 bis 2004 Deutschland besuchten, weder in der Kriminalstatistik noch bei der Prostitution relevant in Erscheinung traten.

Eine im Jahr 2003 durchgeführte Untersuchung des WDR-Fernsehprogramms macht deutlich, dass es gegenüber den 1990er Jahren durchaus positive Veränderungen gibt. In den letzten Jahren haben Beiträge zugenommen, in denen Personen mit migrantischem Hintergrund ohne einen direkten Zusammenhang mit einem Migrationsthema präsent sind, also eine Normalität des Zusammenlebens verschiedener Ethnien widerspiegeln. Positive bzw. sachlich neutrale Darstellungen überwiegen, wobei auch ein kritisches Problembewusstsein seinen Platz hat.

Die Folgen des 11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in New York und Washington im September 2001 wurden der islamistische Terror schnell auf "den Islam" reduziert und Muslime, die in Deutschland leben, mit den Anschlägen in Verbindung gebracht. Der Spiegel stilisierte die Anschläge zum "Krieg der Welten" (15. Oktober 2001), also zum Krieg der islamischen gegen die westliche Welt. Das Spiegel-Dossier vom 1. Juli 2003 "Islam: Allahs blutiges Land" entwarf in ähnlicher Weise ein Feindbild von "dem Islam". Zwar sind die Warnungen vor einer Bedrohung durch eine kleine Gruppe militanter islamistischer Terroristen nachvollziehbar - eine Gleichsetzung von Islam und Terror entspricht jedoch nicht der Realität. Es ist zu befürchten, dass solche Pauschalisierungen das Verhältnis zu Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland mit migrantischem muslimischem Hintergrund belasten werden.