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Vorurteile

13.1.2006 | Von:

Polenbilder in Deutschland seit 1945

Chancen der Überwindung von Ressentiments

Für die langfristige Überwindung von Vorurteilen, Unkenntnis oder Gleichgültigkeit der jungen Generationen in Deutschland und Polen wurden auf beiden Seiten wichtige Voraussetzungen geschaffen. Eine davon ist die am 6. September 1991 in Frankfurt an der Oder eröffnete Europa-Universität Viadrina, anknüpfend an die Tradition der ersten Brandenburgischen Oder-Universität, die in ihrer mehr als 300-jährigen Geschichte Begegnungsstätte von Ost und West war. Die an der deutsch-polnischen Grenze gelegene, international ausgerichtete Viadrina will einen Beitrag zur europäischen Integration leisten. Etwa ein Drittel der Studierenden kommt aus Polen.

Inzwischen ist mit dem Collegium Polonicum in Slubice auch am polnischen Oderufer eine Dependance der Viadrina und der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen entstanden. Es widmet sich ebenfalls multikulturellen, europabezogenen Problembereichen. Auch die Internationale Jugendbegegnungsstätte Kreisau (Krzyzowa) mit ihren breit gefächerten Projektangeboten bietet zahlreichen deutsch-polnischen Jugendgruppen und Schulklassen den Rahmen für ein gegenseitiges Kennenlernen.

Es gibt eine weitere hoffnungsvolle Perspektive für eine neue, unverzerrte gegenseitige Wahrnehmung und damit für eine langfristige positive Entwicklung der deutsch-polnischen Verständigung: 1993 wurde nach dem Vorbild des Deutsch-Französischen Jugendwerks das Deutsch-Polnische Jugendwerk gegründet. Dies hatten Polen und Deutschland im Partnerschaftsvertrag verankert. Das Büro des Jugendwerkes in Warschau ist für Schüleraustausch, Lehrerfortbildung, sportliche Jugendbildung, Sprachförderung und internationale Programme zuständig, während ein zweites Büro in Potsdam den Jugendaustausch von Jugendverbänden und Organisationen, kulturelle und kirchliche Zusammenarbeit und kommunale Programme organisiert.

Die deutsch-polnischen Schulbuchgespräche werden fortgesetzt und bleiben auch künftig ein wesentlicher Bestandteil des Kulturdialogs zwischen Deutschen und Polen.

Die direkte Erfahrung im Kontakt mit den anderen, das Kennenlernen der Lebenssituation und der Alltagsprobleme des Nachbarn sind das sicherste Mittel, Falschbilder zu korrigieren und Interesse, Verständnis und Sympathie zu entwickeln.

Im Herbst 2005 wurden die Jubiläen der kirchlichen Versöhnungsinitiativen von 1965 begangen und damit Chancen zur Wiederanknüpfung an jene Ideen geboten. Im September 2005 gedachten die katholischen Bischöfe Deutschlands mit ihren polnischen Amtskollegen des 40. Jahrestags der Versöhnungsbotschaft der polnischen Bischöfe vom 1. Oktober 1965. Die damaligen Versuche eines Brückenschlags könnten neue Impulse für die deutsch-polnischen Beziehungen freisetzen.