Vorurteile

13.1.2006 | Von:

Rassistische Vorurteile

Einstellungen der Bevölkerungsmehrheit

Die Akzeptanz einer multiethnischen Gesellschaft ist in Deutschland noch wenig verbreitet. Dabei leben hier heute Schwarze Deutsche bereits in der fünften Generation. Ende des 19. Jahrhunderts wanderten Afrikaner aus den deutschen Kolonien ein. Nach dem Ersten Weltkrieg waren Schwarze Soldaten unter den französische Besatzungstruppen im Rheinland, was viele Deutsche damals als "Schmach für die Ehre und Würde des deutschen Volkes und der weißen Rasse" empfanden. Deren Kinder mit einheimischen Frauen wurden als "Rheinlandbastarde" diskriminiert und von den Nationalsozialisten gemäß ihrem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" (1933) zu Hunderten zwangssterilisiert. Die nach 1945 geborenen "Besatzungskinder" wurden, vor allem wenn sie aus Beziehungen von Schwarzen Soldaten mit deutschen Frauen hervorgingen, von Politik, Wissenschaft und Erziehung als ein "soziales Problem" definiert. Zu Recht wurde befürchtet, die noch von der rassistischen NS-Ideologie geprägte deutsche Nachkriegsgesellschaft würde diese Kinder diskriminieren, worauf diese rebellisch reagieren könnten. Allerdings waren die Verantwortlichen selbst noch im rassistischen Denken verhaftet.

Anthropologische und soziologische Gutachten der Nachkriegszeit zeigten ebenso wie die Debatte des Deutschen Bundestages vom 13. Februar 1952, dass man die als "Negermischlinge" diskriminierten Kinder trotz ihrer deutschen Staatsbürgerschaft und ihrer kulturellen Sozialisation in Deutschland als ein "menschliches und rassisches Problem besonderer Art" betrachtete, weil sie das Klima nicht vertrügen oder auf Grund ihres "heißblütigen" Temperaments Schwierigkeiten bekämen. Man erwog deshalb, sie in das Heimatland ihrer Väter abzugeben. Viele Deutsche konnten sich für diese Kinder nur dienende oder exotische Berufe vorstellen wie Wäscherin, Zimmermädchen, Artist, Musiker oder Liftboy.

Auch wenn diese Form rassistischen Denkens heute seltener geworden ist, sehen sich Afrodeutsche oft der Frage ausgesetzt, "ob und wann sie denn 'zurückgingen'". Dies führt bei ihnen zu Fragen nach der eigenen Zugehörigkeit und Identität, dem Gefühl, "anders zu sein". May Ayim, eine afrodeutsche Dichterin, hat dies so ausgedrückt: "in deutschland großgeworden, habe ich gelernt, dass mein name neger(in) heißt und die menschen zwar gleich, aber verschieden sind, und ich in gewissen punkten etwas überempfindlich bin, in deutschland großgeworden, habe ich gelernt, zu bedauern schwarz zu sein, mischling zu sein, deutsch zu sein, nicht afrikanisch zu sein, deutsche eltern zu haben, afrikanische Eltern zu haben, exotin zu sein, frau zu sein" (Die Zeit vom 7. September 2000).

Nach Umfrageergebnissen waren 2004 noch fünf Prozent der befragten Deutschen voll und ganz der Auffassung, die Weißen seien "zu Recht führend in der Welt", weitere acht Prozent neigten auch "eher" zu dieser Meinung. In den jüngeren Generationen haben negative Einstellungen abgenommen, und in Gebieten mit höherem Ausländeranteil sind sie geringer als in Gebieten mit weniger Ausländern. Offenbar wirken sich das Zusammenleben mit anderen ethnischen Gruppen und eine weltoffenere Erziehung positiv aus. So wäre etwa die Aufstellung von Schwarzen Fußballern wie Gerald Asamoah oder Patrick Owomoyela für die deutsche Nationalmannschaft noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen, während dies heute akzeptiert wird.