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Spezifika des Datenmaterials

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Spezifika des Datenmaterials

Paul Erker

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Quantitative Daten in den Bereichen Klima, Umwelt und Natur spielen in der umwelthistorischen Forschung eine sekundäre Rolle. Denn vor allem für das 19. und 20. Jahrhundert ist die Datenlage sehr dünn.

Es gibt einige Spezifika hinsichtlich des umwelthistorischen Datenmaterials. Erstens entziehen sich Naturprozesse, Umweltverhältnisse und Klimaveränderungen dem nationalstaatlichen Rahmen; sie sind grenzüberschreitend und oftmals global. Nach wie vor finden umwelthistorische Analysen in nationalstaatlicher Perspektive statt; die Konstruktion von nationalen Identitäten war ohne Zweifel oft eng an Naturvorstellungen und Naturerfahrungen geknüpft.

Der Nationalstaat ist einer der wichtigsten Akteure bei der Transformation von Landschaften. Dennoch ist Umweltgeschichte sozusagen auf natürliche Weise grenzüberschreitend und transnational. Dies gilt es bei der Erhebung und Interpretation nationaler statistischer Daten zu bedenken. Zweitens weist die Rekonstruktion von Daten vergangener Naturzustände und deren Kontextualisierung, Verknüpfung, Interpretation und Interdependenz eine deutliche Diskrepanz hinsichtlich der Zeithorizonte auf. Teilweise reichen die Daten insbesondere zu Klima, das heißt zu Temperatur, Niederschlägen etc., weit ins 18. Jahrhundert zurück, während jedoch gleichzeitig die eigentliche neue Ära der systematischen Umweltstatistik erst in den 1990er Jahren einsetzt. Insofern ergeben sich drittens vielfältige, höchst unterschiedliche Periodisierungen. Auf der einen Seite stehen etwa die großen globalklimatischen Schwankungen zwischen Eiszeiten und Wärmeperioden wie die hochmittelalterliche Warmzeit zwischen 1000 und 1300, gefolgt von der Kleinen Eiszeit zwischen 1400 und 1870, mit ihrem Höhepunkt am Ende des 17. Jahrhunderts. Sie kann als eine Art Testlauf für die folgende Phase der globalen Erwärmung angesehen werden, lehrt sie uns doch, dass bereits geringe Veränderungen des Klimas zu enormen sozialen, politischen und religiösen Erschütterungen führen.

Seit etwa 1890 steigen dann aber die mittleren Jahrestemperaturen an, allerdings seit den 1990er Jahren mit deutlicher Zunahme und damit einer massiven Beschleunigung der globalen Erwärmung. Auf der anderen Seite gibt es kleinteilige, stark politisch entwickelte Zäsuren und Entwicklungsphasen der deutschen Umweltgeschichte, beginnend mit dem Umbruch von natürlicher Umwelt und Landschaft infolge von Industrialisierung und Bevölkerungswachstum in den 1850er Jahren. Das Kaiserreich erscheint hier als Scharnierphase, in der sich einerseits die einzelnen Problemlagen zu chronischen Krisensituationen verdichteten, andererseits bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten Strukturen und Praktiken entstanden, die das Mensch-Umwelt-Verhältnis in Deutschland bis weit in das 20. Jahrhundert hinein prägten. Die Phase von Weimarer Republik und NS-Zeit bekommt hier eine eher geringe Bedeutung, ehe spätestens in den 1960er Jahren eine neue ökologische Phase begann, in der seit den 1970er Jahren die wachsende Kritik an Landschafts-, Ressourcen- und Energieverbrauch in eine umweltpolitische Boomzeit und gleichzeitige Ökologisierung der Gesellschaft mündete.

Viertens schließlich spielten, anders als in den übrigen Bereichen der historischen Statistik, quantitative Daten zu Klima, Umwelt und Natur in der deutschen umwelthistorischen Forschung bislang eher eine untergeordnete Rolle, weil sie bislang schlichtweg nicht systematisch erhoben und zusammengestellt wurden, insbesondere was weiter zurückreichende Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert (und erst recht davor) angeht. Insofern musste für die vorliegende Zusammenstellung vielfach Grundlagenarbeit geleistet werden.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Uwe Lübken: Undiszipliniert: Ein Forschungsbericht zur Umweltgeschichte, in: H-Soz-u-Kult 14.7.2010, Externer Link: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/2010-07-001.pdf, S. 21 (17.1.2014).

  2. Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung, München 2007, S. 1.

  3. Vgl. dazu auch Christian Pfister: Wetternachhersage. 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatastrophen (1496 –1995), Bern 1999 sowie die laufenden Forschungen des seit 2006 bestehenden Past Global Changes-Projektes (PAGES), die über ein weltweites Netzwerk von Klimaforschern die regionalen Klimaveränderungen der vergangenen 2 000 Jahre zu rekonstruieren versuchen. "A Regional View of Global Climate Change", in: Global Change, 81, October 2013, S. 18 – 23.

  4. Vgl. Frank Uekötter: Umweltgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert (= Enzyklopädie deutscher Geschichte 81), München 2007 sowie da-zu die Rezension von Jürgen Büschenfeld in: H-Soz-u-Kult, 1.4.2008, Externer Link: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-2-002 (17.1.2014).

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apl. Prof. Dr., Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians­Universität München - Umwelt, Klima und Natur