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Zeitreihen DDR

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Zeitreihen DDR

Marcel Boldorf

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Historiker haben für die DDR den Begriff der "Fürsorgediktatur" geprägt. Und in geschichtskulturellen Beiträgen wird oftmals die Vollbeschäftigung in der DDR betont. Historische Statistiken zeigen aber etwa, dass mehr als die Hälfte der DDR-Rentnerhaushalte unter der Armutsgrenze lebte.

Begreift man die Interner Link: korporatistische Tradition als die Besonderheit der deutschen Sozialstaatsgeschichte, verblieb auch in der DDR ein Rest an Pfadabhängigkeit. Die unter Bismarck eingeführte Sozialversicherung wurde als Kernstück des Sozialsystems weitergeführt, erfuhr aber tief greifende Änderungen: Die paritätische Leitungsstruktur wurde abgeschafft, sodass die Arbeitgeber bzw. die Betriebsleitungen nicht mehr an der Leitung der Sozialversicherung beteiligt waren, sondern der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) ihre Verwaltung allein übernahm. Seit 1947 war sie als einheitliche Pflichtversicherung konzipiert und erfasste durchweg rund 90 Prozent der DDR-Bevölkerung. Nur Mitglieder der landwirtschaftlichen und handwerklichen Produktionsgenossenschaften sowie freiberuflich Tätige gehörten der gesonderten Staatlichen Versicherung der DDR an. Die Einheitsversicherung unterteilte sich in einen Kranken- und einen Rentenversicherungszweig. Die Leistungsstruktur wurde zuungunsten des Elements der Versorgung verändert und größere Teile des Sozialrechts auf das Fürsorgeprinzip umgestellt, sodass die Bedürftigkeitsprüfung verstärkt in die Bewilligungspraxis Einzug hielt.

Tabelle 7: Sozialversicherung der Arbeiter und Angestellten der DDR (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

In der Rentenversicherung fand kein großzügiger Ausbau des Leistungssystems statt, und mehr als die Hälfte der Rentnerhaushalte lebte an oder unterhalb der Armutsgrenze. Im Kontrast dazu standen die Äußerungen der Staatsführung, sprach doch Erich Honecker von der "Wertschätzung", die den "Veteranen der Arbeit" im sozialistischen Staat zukomme. Die Wiedervereinigung war vor allem für die Rentner ein Erfolg: Mit der Währununion stiegen die Renten sofort um ein Viertel, bei niedrigen Renten fast um die Hälfte. Die Entwicklung hielt an, sodass 1997 die Durchschnittsrente Ost fast das Dreifache des Niveaus der Wendezeit erreichte.

Abbildung 4: Sozialversicherung der Arbeiter und Angestellten der DDR (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Die relativ hohe Arbeitslosigkeit in der DDR 1950 beruhte kaum mehr auf den regionalen Strukturproblemen der Nachkriegszeit, sondern auf der Erweiterung der Arbeitspflicht. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg seit Herbst 1948 vor allem durch die Pflichterfassung von Frauen, die vorher wegen Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen vom Arbeitseinsatz freigestellt waren. Diese Gruppe war selbst mit behördlichem Druck nicht schnell in Arbeit vermittelbar. Dennoch erreichte man in der DDR bereits im Juli 1951 Vollbeschäftigung im oben genannten Sinne. Danach marginalisierte sich das Problem der Arbeitslosigkeit, weil die zentrale Planwirtschaft das verfügbare Arbeitskräftepotenzial wie ein Schwamm aufsog. Die Arbeitslosenversicherung wurde 1978 endgültig abgeschafft. (siehe Tab 7, Abb 4)

Fussnoten

Fußnoten

  1. Beatrix Bouvier: Die DDR – ein Sozialstaat? Sozialpolitik in der Ära Honecker, Bonn 2002, S. 210; Gerhard A. Ritter: Thesen zur Sozialpolitik der DDR; in: Dierk Hoffmann/Michael Schwartz (Hrsg.): Sozialstaatlichkeit in der DDR. Sozialpolitische Entwicklungen im Spannungsfeld von Diktatur und Gesellschaft 1945/49–1989, München 2005, S. 11– 29.

  2. Boldorf (Anm. 17), S. 46 – 57; Johannes Frerich/Martin Frey: Handbuch der Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland, Bd. 2: Sozialpolitik in der Deutschen Demokratischen Republik, München 1993, S. 172–175.

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Prof. Dr., LCE (Langues et cultures européennes), Universität Lyon 2 Lumière - Sozialpolitik