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Die strafrechtliche Sanktionierung der Kriminalität

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Die strafrechtliche Sanktionierung der Kriminalität

Dietrich Oberwittler

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Der Umgang mit Straftätern hat sich in der langen Frist stark verändert. In den 1880er Jahren mussten ca. 80 Prozent der Verurteilten eine Freiheitsstrafe aussitzen, heutzutage sind es hingegen knapp 10 Prozent. Neben Gefängnisstrafen sind zusätzliche Sanktionierungsmöglichkeiten wie bspw. Geldstrafen getreten.

Tabelle 4: Sanktionen und Gefangene (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Der historische Wandel zeigt sich am deutlichsten in der Art und Weise, wie das Strafrechtssystem mit Delinquenten umgeht. Die kriminalpolitische Entwicklung reicht von der Errichtung einer bürgerlichen Strafjustiz mit rechtsstaatlichen Prinzipien und dem Primat des Gefängnisses im 19. Jahrhundert über die Verirrungen kriminalbiologischer Ansätze und der Radikalität nationalsozialistischer Strafexzesse bis zur Abrüstung des Strafenkatalogs, der Ausweitung ambulanter Sanktionen und damit aber auch der sozialen Kontrolle im Zeichen liberaler Strafrechtsreformen in der Nachkriegszeit. (siehe Tab 4)

Abbildung 5: Verurteilte nach Sanktionsformen - in Prozent (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Dieser Wandel lässt sich in der gerichtlichen Statistik der Strafsanktionen bei verurteilten Straftätern seit 1882 ablesen. Wurden in den 1880er Jahren noch knapp 80 Prozent der Verurteilten mit einer Freiheitsstrafe sanktioniert, die auch tatsächlich verbüßt werden musste, so ist dieser Anteil bis heute in mehreren Schritten auf unter 10 Prozent gefallen. An die Stelle des Gefängnisses sind Geldstrafen, Bewährungsstrafen und andere ambulante Sanktionen getreten. Hinzuzurechnen wäre die steigende Zahl der mit diversen Auflagen verbundenen Verfahrenseinstellungen. Dass die Rate der Strafgefangenen in Deutschland diesem Trend entsprechend nicht deutlich zurückgegangen ist, liegt an der quantitativen Zunahme der Straftäter und an der überproportionalen Zunahme schwerer Straftaten durch diese Verurteilten, die entsprechend längere Freiheitsstrafen absitzen müssen. (siehe Abb 5)

Abbildung 6: Todesurteile und Exekutionen - Anzahl (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Die Todesstrafe erscheint heute als ein Relikt aus grausamer Vergangenheit. Doch die letzte Hinrichtung in Deutschland fand noch 1981 in der DDR statt. Aber bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten einige deutsche Staaten die Todesstrafe abgeschafft, und in den 1860er und 1870er Jahren wurden nur sehr wenige Todesurteile vollstreckt, nachdem die Zahl der Exekutionen nach 1848 vorübergehend stark angestiegen war. Unmittelbar nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten schnellte die Zahl der Hinrichtungen stark in die Höhe, und während des Zweiten Weltkrieges kam es zu einem beispiellosen staatlichen Gewaltexzess, dem nach realistischen Schätzungen mehr als 16 000 Zivilpersonen – die Hinrichtungen der Militärjustiz nicht mitgerechnet – zum Opfer fielen. (siehe Abb 6)

Priv.-Doz. Dr., Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht – Abteilung Kriminologie, Freiburg i. Br. - Kriminalität