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Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

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Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

Rainer Metz

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Die VGR ist das zentrale volkswirtschaftliche Statistiksystem, das Daten für eine Vielzahl von Fragestellungen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Medien liefert.

Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) bezeichnen ein System (Rechenwerk) der amtlichen Statistik, das die Aufgabe hat, für einen bestimmten abgelaufenen Zeitraum, typischerweise ein Jahr oder ein Quartal, eine umfassende, systematisch quantitative Beschreibung gesamtwirtschaftlicher Größen einer Volkswirtschaft zu geben. Der Begriff "Gesamtrechnungen" bringt zum Ausdruck, dass es sich um ein System von Teilrechnungen handelt. Man unterscheidet die Inlandsproduktsberechnung, die Input-Output-Rechnung, die Vermögensrechnung, die Erwerbstätigenrechnung, die Arbeitsvolumenrechnung und die Finanzierungsrechnung.

Die VGR ist das zentrale volkswirtschaftliche Statistiksystem, das Daten für eine Vielzahl von Fragestellungen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Medien liefert. Das heutige System der VGR ist das Ergebnis einer langen Entwicklung. Ausgangspunkt waren im 19. Jahrhundert Schätzungen des Nationaleinkommens oder Nationalvermögens (auch: Volkseinkommen, Volksvermögen, Volkswohlstand) und die Einordnung dieser Gesamtgrößen in Systeme des wirtschaftlichen Kreislaufs. Vor allem auf der Grundlage der ökonomischen Theorie des Engländers John Maynard Keynes (1883 –1946) wurde die VGR nach dem Zweiten Weltkrieg international als umfassendes Statistiksystem etabliert und ausgebaut. Seither wurde die VGR ständig weiterentwickelt und immer mehr standardisiert. Gegenwärtig (2013) wird in Deutschland das "Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen" (ESVG) von 1995 verwendet, das auf dem "System of National Accounts" (SNA) der Vereinten Nationen von 1993 basiert. In Deutschland ist das Statistische Bundesamt in Wiesbaden damit beauftragt, Daten der VGR zu erheben und zu veröffentlichen. Daneben gibt es noch den 1954 gegründeten Arbeitskreis "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder", der zentrale wirtschaftliche Indikatoren für die Bundesländer berechnet und veröffentlicht.

Die folgenden Ausführungen beschränken sich auf die Inlandsproduktsberechnung (IPB), deren wichtigste Größe heute das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist. Das BIP ist ein Maß für die in einem bestimmten Zeitraum erbrachte gesamte wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft. Es kann prinzipiell auf drei Arten berechnet werden. Die Entstehungsrechnung gibt an, in welchen Wirtschaftsbereichen/Sektoren die Wertschöpfung entstanden ist. Die Verwendungsrechnung zeigt, wie die produzierten Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Sie können konsumiert, investiert oder exportiert werden. Die Verteilungsrechnung knüpft an die Entlohnung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital an. Bei der Berechnung des BIP werden alle Leistungen erfasst, die im Inland (von In- und Ausländern) erbracht werden (sogenanntes Inlandsprinzip). In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stand nicht das BIP im Zentrum der Betrachtung, sondern das Bruttosozialprodukt (BSP), das seit dem Jahr 2000 als Bruttonationaleinkommen (BNE) bezeichnet wird. Es misst den Wert der wirtschaftlichen Leistungen aller Personen, die im Staat leben, unabhängig davon, ob die Leistungen im In- oder Ausland erbracht werden (sogenanntes Inländerprinzip). Vor 1950 galt das Interesse dagegen dem Volkseinkommen und seiner Verteilung auf die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Das Volkseinkommen setzt sich aus dem Arbeitnehmerentgelt der Inländer und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen zusammen. Eine weitere wichtige Größe der Inlandsproduktsberechnung ist die Bruttowertschöpfung. Sie entspricht dem Gesamtwert der in einer Periode im Produktionsprozess erzeugten Waren und Dienstleistungen (Produktionswert), abzüglich des Wertes der Vorleistungen.

Die Rekonstruktion solch langer Reihen, die in der Gegenwart beginnen und dann möglichst weit in die Geschichte zurückreichen, ist ein wichtiges Ziel dieses Beitrages. Ausgangspunkt für die Zusammenstellung und Rekonstruktion der Daten sind die Klassifikationssysteme und Werte der amtlichen Statistik. Daraus wurden bestimmte Kenngrößen der VGR ausgewählt, die ab 1950 mit den Daten der amtlichen Statistik sowie für die Zeit vor 1950 mit den aktuellsten Forschungsdaten, in der Regel zurück bis 1850, rekonstruiert wurden. Die Auswahl der Kenngrößen orientierte sich an den inhaltlichen Zielen, die mit diesem Artikel verbunden sind. Also an Beschreibung, Interpretation und Erklärung von Wachstum, Konjunktur, Krise und Strukturwandel der deutschen Wirtschaft als Grundformen langfristiger wirtschaftlicher Entwicklung anhand des BIP, der Wertschöpfung und der Verwendung der gesamtwirtschaftlichen Produktion. Neben diesen inhaltlichen Kriterien war natürlich auch der zu erwartende Aufwand der Rekonstruktion zu bedenken. Aufwendige Neuberechnungen, etwa unter Hinzuziehung von Archivmaterialien, schieden auch aus Zeitgründen von vornherein aus. Generell wird man sagen müssen, dass die einzelnen Werte gerade über längere Zeitspannen nicht voll vergleichbar sind, dass sie sich aber sehr wohl dafür eignen, langfristige Entwicklungstendenzen und damit einhergehende Strukturveränderungen quantitativ abzubilden und damit deren historische und theoretische Interpretation zu ermöglichen.

Prof. Dr., Leiter des Arbeitsbereichs Datenservice Historische Studien bei GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften in Köln und Titularprofessor an der Universität St. Gallen - Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen / Preise