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Technischer Fortschritt in der Landwirtschaft

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Technischer Fortschritt in der Landwirtschaft

Michael Kopsidis

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Durch technologischen Fortschritt ist es nicht im gleichen Maße wie im Industriesektor zum Aussterben kleiner Unternehmen gekommen. Gründe dafür werden im folgenden thematisiert.

Der technische Fortschritt weist dabei insbesondere in historischer Perspektive ausgeprägte sektorale Besonderheiten auf. Eine häufig vollzogene simple Übertragung von Entwicklungsmustern der industriellen Produktion auf die Landwirtschaft führt daher in die Irre. Sogenannte Economies of Scale bzw. Größenvorteile der Erzeugung, die für die Entstehung industrieller Großbetriebe seit dem 19. Jahrhundert maßgeblich waren, lagen in der Landwirtschaft bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg nur in sehr abgeschwächtem Maße vor. Vielmehr überwiegen bis in die unmittelbare Gegenwart die gravierenden Nachteile großbetrieblicher Einheiten. Diese resultieren aus den im Unterschied zur Industrie sehr hohen Management- und Kontrollkosten und der in dieser Form nur in der Landwirtschaft gegebenen Überlegenheit eigenmotivierter Familienarbeitskräfte gegenüber Lohnarbeitern. Hinzu kommt die höhere Flexibilität kleinerer Betriebseinheiten. Der landwirtschaftliche Familienbetrieb stellt somit kein vormodernes Relikt dar, sondern auch unter kapitalistischen Wettbewerbsbedingungen eine optimale Anpassung an die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen.

Was die Landwirtschaft ebenfalls grundsätzlich von der Industrie unterscheidet ist die bedeutende Rolle des sogenannten biologisch-technischen Fortschritts, der für alle agrarischen Ertragssteigerungen verantwortlich ist. Dieser umfasst alle Formen der verbesserten Effizienz biologischer Prozesse. Biologisch-technischer Fortschritt umfasst neue Kulturpflanzen und Fruchtfolgen, neue Saaten und Rassen, aber auch die Einführung industrieller Inputs wie Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel. Das Besondere am biologisch-technischen Fortschritt ist, dass seine Inputs beliebig teilbar sind und er somit nicht an bestimmte Mindestbetriebsgrößen gebunden ist. Allgemein gilt, dass vom biologisch-technischen Fortschritt kein Druck auf bestehende landwirtschaftliche Betriebsstrukturen ausgeht. Brache reduzierende, mit vermehrter Stallhaltung einhergehende, arbeitsintensive Formen des biologisch-technischen Fortschritts ohne industrielle Inputs ließen sich dabei gerade in (kleinen) Vollerwerbsfamilienbetrieben effektiv realisieren.

Nach bisheriger Erfahrung haben erst fortgeschrittene Formen eines forcierten mechanisch-technischen Fortschritts das Potenzial, die Wettbewerbsfähigkeit von Kleinbetrieben drastisch zu verschlechtern und kleinteilige Agrarstrukturen unter Druck zu setzen. Nur eine konsequente Maschinisierung geht einher mit einer Änderung der landwirtschaftlichen Basistechnologie, indem tierische und menschliche Muskelkraft als wichtigste Energielieferanten durch elektrische und kraftstoffgetriebene Motoren abgelöst werden. Hierzu ist es in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg gekommen. Wachsende betriebliche Durchschnittsgrößen ließen sich dabei aber noch im Rahmen der Familienwirtschaft realisieren.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Es spricht einiges dafür, dass gegenwärtig landwirtschaftliche Großbetriebe substanziell an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen, doch ist die diesbezügliche Diskussion in der Fachwelt noch offen.

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Prof. Dr., Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), Halle - Landwirtschaft