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Zeitungen: Vom Sprachrohr der Revolution zur Zeitungskrise

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Zeitungen: Vom Sprachrohr der Revolution zur Zeitungskrise

Heike Wolter Bernd Wedemeyer-Kolwe

/ 3 Minuten zu lesen

Zeitungssterben ist nicht erst ein Phänomen der digitalen Zeit. Seit dem 19. Jahrhundert gab es in Deutschland häufiger deutliche Einbrüche bei der Vebreitung der Tagespresse. Die jeweiligen Gründe sind allerdings unterschiedlich.

Tabelle 1: Zeitungen und Zeitschriften (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Die (politische) Presse entwickelte sich entscheidend durch die revolutionären Unruhen um 1848. Ihre Liberalisierung wurde in der Folge des Scheiterns der Revolution rasch zurückgenommen, was zu einem Zeitungssterben führte. Die Zahl der Titel ging von 1 680 im Jahr 1849 auf 401 im Jahr 1855 zurück. Bedingt durch technische Neuerungen setzte sich auf lange Sicht die Tages- und Wochenpresse trotzdem durch: Sie wurde aktuell, preiswert und massenhaft. (siehe Tab 1)

Besonders lässt sich dies am Boom der Tagespresse um 1900 ablesen. So stieg die Anzahl der Titel zwischen 1891 und 1906 um 37 Prozent. Im Kaiserreich zeigte sich zudem besonders die enge Verbindung von Politik und Presse. Zentral war eine meinungsbildende Ausrichtung der Presse, zumal vor und während des Ersten Weltkriegs. Überwiegend erfüllten die Presseerzeugnisse ihre erwünschte Funktion als "Kriegstreiber", waren also propagandistisch in Dienst genommen. Der Rückgang ab 1914 erklärt sich vor allem aus der Papierknappheit der Kriegsjahre. Bis 1917 ging die Zahl der Titel so um 21 Prozent zurück. (siehe Abb 1)

Das Pressewesen der Weimarer Republik profitierte einerseits von der Pressefreiheit und litt andererseits ab 1931 unter der Verbotspraxis mittels Notverordnungen. Die Tagespresse zeigte sich vielfältig, stark politisiert und damit fragmentiert. Die Zersplitterung in den Marktanteilen zeigte sich auch im Vorhandensein unzähliger lokaler Zeitungen.

Abbildung 1: Verkaufsauflage von Tageszeitungen (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Die Entwicklung zwischen 1933 und 1945 stand unter anderen politischen Vorzeichen. Die Pressepolitik hatte drei klare Ziele: Ausschaltung politischer Gegner, Gleichschaltung und Meinungslenkung. Der Zweite Weltkrieg stellte eine erhebliche Zäsur dar. Knappheit in Papier und Druckkapazitäten, Informationsbedürfnisse der Leser und Propagandaabsichten der Erzeuger bildeten ein unvereinbares qualitatives und quantitatives Dreieck, in dem die Zeitungsproduktion bis 1942 /43 stark einbrach.

Nach dem Ende des Krieges unterstand das Pressewesen zunächst den Alliierten, die unterschiedliche Wege beschritten. Allen gemeinsam war die anfängliche Papierknappheit. Erste alliierte Zeitungen erschienen trotzdem bereits im späten Kriegsverlauf, zunächst als Heeresgruppenzeitungen. Sie sollten bei der Re-Education helfen.

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) erschienen noch im Mai 1945 die "Tägliche Rundschau" und die "Berliner Zeitung" als Organe des Kommandos der Roten Armee, im Juni dann mit der "Deutschen Volkszeitung" das erste Lizenzblatt. Weitere folgten, auch hier nach Lizenzvergabe. Diese Erzeugnisse wurden stark zensiert, denn Meinungsfreiheit war kaum erwünscht. Nach und nach entstanden Parteien, wodurch Parteizeitungen zugelassen wurden. Selbst nach Gründung der DDR 1949 nahm die Sowjetunion anfänglich starken Einfluss auf das Pressewesen, eine "Presse neuen Typs" sollte geschaffen werden. 1952 wurde das "Neue Deutschland" als zentrales Organ der Tagespresse gegründet. Danach waren zentrale Lenkung, defizitäre ökonomische Bilanz und hohe Zeitungsdichte bei überschaubarer Titelzahl wesentliche Merkmale. Das heißt: Während die Auflagen stiegen, stagnierte die Zahl der Titel. Zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften unterlagen einem die Auflage beeinflussenden Sperrvermerk, hier wurden neue Abonnements nur bei Abbestellungen vergeben. In den westlichen Besatzungszonen galt für die Neu- und Wiedergründungen eine Lizenzpraxis, die demokratische Grundsätze schützen sollte. In den 1950er Jahren schien man zu den Traditionen der Weimarer Republik zurückzukehren. Unter Länderweisung entstanden vornehmlich Lokalzeitungen, die sich aber meist als Interner Link: Kopf- und Nebenausgaben weniger Interner Link: Hauptausgaben erwiesen. Diese machten bereits 1947 nur 21 Prozent der Gesamtausgabenzahl aus. Eine Zäsur stellte die Gründung der Bild-Zeitung 1952 dar, die rasch zur größten deutschen Zeitung aufstieg. Ihr zunehmender Charakter als "Meinungsmacherin der Nation" war prägend. Die 1960er und 1970er Jahre waren stark durch eine ökonomische und publizistische Konzentration der Presse gekennzeichnet. Während ab 1966 die Zahl der Hauptausgaben sank, stagnierte die Ausgabenzahl insgesamt. In den 1970er Jahren kam eine allgemeine Stagnation bzw. krisenhafte Wirtschaftsentwicklung mit sinkender Nachfrage hinzu. Zudem war bereits Ende der 1950er Jahre die Medienkonkurrenz durch das Fernsehen spürbar geworden, schon ab 1958 war nur noch ein leichter Anstieg bei der Zahl der Hauptausgaben zu verzeichnen gewesen.

Nach der Wiedervereinigung wurde die DDR-Presse zumeist von bundesdeutschen Verlagen übernommen, Meinungs- und Pressefreiheit rasch durchgesetzt. Seit der Jahrtausendwende lassen sich folgende Trends erkennen: Je nach Presseerzeugnis sind stärkere oder weniger starke Rückgänge feststellbar. So sank die Verkaufsauflage von 2001 bis 2013 um 27 Prozent. Immer mehr Leser informieren sich im Internet. Teilweise geschieht dies zu Lasten des Pressewesens über kostenfreie Informationsportale, teilweise offerieren die Verlage erfolgreich Online-Angebote.

Dr., Abteilung für Didaktik der Geschichte, Universität ­Regensburg - Kultur und Tourismus

Dr. Dr., Wissenschaftlicher Leiter und ­Geschäftsführer des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte (NISH) in Hannover, apl. Prof. an der Georg-August-Universität Göttingen - Sport