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Datengrundlage

Heike Wolter Bernd Wedemeyer-Kolwe

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Lange Datenreihen zu Themen wie Kultur und Tourismus sind schwer zu rekonstruieren. Im amtlichen Statistiken tauchen sie oftmals gar nicht auf. Ein weiteres Problem: Die Begriffsbedeutungen haben sich im Laufe der Zeit stets verändert.

Allein die Bezeichnungen "Kultur" und "Tourismus" sind, zumal in historischer Dimension, gewagt. Was beide seien und was rückblickend Gegenstände einer Kultur- und Tourismusgeschichtsschreibung wären, wird höchst unterschiedlich gesehen. Insbesondere das Verständnis von "Kulturgeschichte" unterliegt einem starken Wandel. Während klassisch – und auch in diesem Artikel – darunter bestimmte Themenfelder verstanden wurden, ist die neue Kulturgeschichte eine Betrachtung jeglicher Gegenstandsbereiche unter einer neuen Perspektive.

Die Zusammenstellung langer statistischer Reihen für ausgewählte Daten zur Kultur- und Tourismusgeschichte gestaltet sich schwierig. Zu kaum einem Teilbereich existieren durchgehende Daten. Hinzu kommt, dass wechselnde politische und gesellschaftliche Bedingungen sowie Interessen zu unterschiedlichen Konnotationen einzelner kultureller Bereiche und Begriffe führten. Deshalb wurde unter einheitlich benannten Datensätzen nicht zwangsläufig Gleiches verstanden.

Eine sinnvolle Beschreibung kulturrelevanter langer Datenreihen ist mit wenigen Ausnahmen erst ab der Gründung des Kaiserreiches 1871 überhaupt und trotzdem häufig nur lückenhaft möglich. Kulturelle Aspekte tauchen – bis heute – oft in der amtlichen Statistik gar nicht auf, sondern werden von einer Vielzahl von Organisationen, Institutionen, Verbänden und Vereinen zusammengestellt. Gleichwohl wurden mit der im 19. Jahrhundert flächendeckend einsetzenden amtlichen Statistik zunehmend Daten erhoben, die deutlich machen, welche Auswirkungen die politischen und gesellschaftlichen Umstände im schwer fassbaren Bereich von Freizeit und privatem Interesse hatten.

Eine zusammenhängende statistische Übersicht über sporthistorische Organisations- und Mitgliedszahlen von der Entstehungszeit der ersten Turnvereine ab ca. 1840 an bis zur heutigen weitgespannten Turn- und Sportlandschaft in Deutschland gab es bisher nicht, weder in der Forschungsliteratur noch in den Quellen. Die hier dargestellten Zeitreihen stützen sich daher auf keinen zusammenhängenden Quellenfundus, sondern sind aus unterschiedlichen historischen Quellen- und Literaturbeständen zusammengesetzt, die von amtlichen Statistiken bis zu statistischen Angaben aus der Eigenliteratur der Turn- und Sportorganisationen reichen; gerade letztere bilden in der Regel nur je eine bestimmte Sportorganisation innerhalb einer kürzeren Zeitspanne ab. Die Angaben sind deshalb lückenhaft und – hinsichtlich der Eigenliteratur – weder überprüfbar noch immer unbedingt verlässlich. Eine weiterführende Forschung, die systematisch die historischen Quellen und die Literatur recherchiert und die Zeit- und Datenlücken füllt, ist daher ein dringendes Desiderat.

Zum Weiterlesen empfohlen

Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent. Europa 1900 – 1914, München 2009.

Manfred Brauneck: Europas Theater. 2500 Jahre Geschichte – eine Einführung, Reinbek, 2012.

Konrad Dussel: Deutsche Tagespresse im 19. und 20. Jahrhundert, Münster 2004.

Ulrike Häußer / Marcus Merkel (Hrsg.): Vergnügen in der DDR, Berlin 2009.

Jost Hermand: Kultur in finsteren Zeiten. Nazifaschismus, innere Emigration, Exil, Köln 2010. Eberhard Kolb / Dirk Schumann: Die Weimarer Republik, München 2013, besonders S. 95ff sowie S. 212ff.

Michael Krüger: Einführung in die Geschichte der Leibeserziehung und des Sports, 3 Teile, 2. neu bearbeitete Aufl., Schorndorf 2005.

Michael Krüger / Hans Langenfeld (Hrsg.): Handbuch Sportgeschichte, Schorndorf 2010.

Torsten Lorenz: Das Kino in seiner geschichtlichen Entwicklung, in: Joachim-Felix Leonhardt (Hrsg.): Medienwissenschaft (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft Bd. 15.2), Berlin / New York 2001, S. 1084 – 1091.

Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009.

Georg Ruppelt: Buch- und Bibliotheksgeschichte(n), Hildesheim 2007.

Axel Schildt / Detlef Siegfried: Deutsche Kulturgeschichte. Die Bundesrepublik – 1945 bis zur Gegenwart, München 2009.

Hasso Spode: Wie die Deutschen Reiseweltmeister wurden. Einführung in die Tourismusgeschichte, Berlin 2014.

Horst Ueberhorst (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Berlin West, Teile 3.1 und 3.2, 1980 / 1982.

Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels, München 2011.

Heike Wolter: "Ich harre aus im Land und geh, ihm fremd". Die Geschichte des Tourismus in der DDR, Frankfurt a. M. 2009.

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Kahlschlagplenum

Tagung des Zentralkomitees der SED in der DDR im Dezember 1965 mit dem Ziel einer umfassenden Restriktion der Kulturpolitik, darunter Druck- und Aufführungsverbote

Dr., Abteilung für Didaktik der Geschichte, Universität ­Regensburg - Kultur und Tourismus

Dr. Dr., Wissenschaftlicher Leiter und ­Geschäftsführer des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte (NISH) in Hannover, apl. Prof. an der Georg-August-Universität Göttingen - Sport