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8.6.2020

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Wenn ein Obdachloser grundlos aus dem Restaurant geworfen wird, fremdenfeindliche Sprüche fallen, ein schwuler Mann im Fitnessstudio beleidigt oder ein blinder Mensch ungeniert beklaut wird ist klar, dass man handeln muss. Allerdings braucht man keine breiten Schultern, um in diesen Situationen einzugreifen. Es reicht einen kühlen Kopf zu behalten und ein paar Tipps zu befolgen.

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Armut und Obdachlosigkeit

Das Vorurteil: "Du bist ein stinkender, arbeitsloser Penner!"

Diese Bemerkung ist respektlos gegenüber Menschen, die besonders hilfs- und schutzbedürftig sind. Sie unterschlägt auch, dass Obdachlosigkeit nur in den seltensten Fällen aus freiem Antrieb heraus gewählt wird und viele Gründe dafür eine Rolle spielen, dass jemand seine Wohnung verliert und dann auf der Straße lebt – wo es naturgemäß sehr schwierig sein kann für seine tägliche Körperhygiene zu sorgen. Schätzungen zufolge leben in Deutschland 284.000 wohnungslose Menschen – davon aber weniger als 10 Prozent, nämlich etwa 24.000, auf der Straße.

Es kann mehrere Gründe dafür geben, dass jemand wohnungslos geworden ist: Der Verlust des Jobs oder die Trennung von einem Partner, Streit mit den Eltern oder eine schwere Krankheit, die zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt hat - oft sind es mehrere schwere persönliche Krisen zur selben Zeit, die zum Verlust der Wohnung führen.

Das Vorurteil: "Alle Penner saufen/sind Alkoholiker."

Alkoholismus kann zwar einer der Gründe sein, warum jemand seine Wohnung verliert oder warum es für einen wohnungslosen Menschen schwierig sein kann, wieder eine eigene Wohnung zu bekommen. Aber: Nicht alle obdachlosen Menschen haben ein Alkoholproblem. Das Vorurteil ist in so verallgemeinerter Form also schlichtweg falsch.

Das Vorurteil: "Jeder kann irgendwo arbeiten!"

In dieser Aussage steckt vor allem der Vorwurf, dass obdachlosen Menschen der Wille zum Arbeiten fehlen würde. Menschen in Armut oder Wohnungsnot sind zwar oft langzeitarbeitslos, also länger als ein Jahr ohne Arbeit, doch viele von ihnen haben durchaus in ihrem Leben gearbeitet: Etwa 40 Prozent der wohnungslosen Frauen und 50 Prozent der Männer haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Lebensgeschichten von vielen wohnungslosen Menschen zeigen allerdings, dass es sehr schwierig sein kann, wieder in geregelte Arbeitsverhältnisse zu finden, wenn man erstmal auf der Straße lebt, denn ohne eine feste Meldeadresse ist es wesentlich schwerer Zugang zu Arbeitsangeboten und Sozialleistungen zu erhalten.

Rassismus

Das Vorurteil: "Alle Ausländer leben auf Kosten des deutschen Staats!"

Diese Aussage ist natürlich schlichtweg falsch: Viele Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit leben, arbeiten und zahlen Steuern in Deutschland, gründen Unternehmen und schaffen Arbeitsplätze. Menschen, die sich in Deutschland um Asyl bewerben, besitzen ein Anrecht auf Unterkunft, Verpflegung und Gesundheitsversorgung – die damit verbundenen Kosten machen aber nach Angabe des Statistischen Bundesamtes nur drei Tausendstel des Bundeshaushalts, das sind 0,3 Prozent, aus. Und wären wir nicht auch froh, würde uns im Falle der Verfolgung Asyl gewährt werden? Zudem hat der Bundestag in diesem Jahr beschlossen, dass Asylbewerber und Asylbewerberinnen in Zukunft bereits drei Monate nach ihrer Ankunft eine Arbeit annehmen dürfen. Die Behauptung alle Ausländerinnen und Ausländer lebten auf Kosten des Staats ist also definitiv falsch.

Das Vorurteil: "Ausländer kassieren alle Sozialhilfe!"

Wie bereits beim ersten genannten Vorurteil, ist diese Aussage in ihrer Allgemeinheit falsch. Wer keinen deutschen Pass, sondern einen aus einem anderen Mitgliedsland der Europäischen Union besitzt, kann zwar in Deutschland Sozialleistungen erhalten – aber nur, wenn er oder sie vorher in Deutschland gearbeitet hat. Das gilt übrigens genauso für Deutsche, die in anderen europäischen Ländern leben: Wenn sie dort gearbeitet haben und unfreiwillig arbeitslos werden, können sie Sozialleistungen beantragen. Und wer in den ersten drei Monaten seines Aufenthalts keiner Erwerbstätigkeit oder Selbstständigkeit nachgeht, d.h. angestellt ist oder als frei beschäftigt arbeitet, hat gar keinen Anspruch auf Sozialleistungen.

Und auch wenn gelegentlich anderes behauptet wird: In seinem Zwischenbericht vom März 2014 macht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales klar, dass ein systematischer Missbrauch von Sozialleistungen durch Neuzuwanderer nach Deutschland nicht festgestellt werden konnte.

Das Vorurteil: "Ausländer sind alle kriminell!"

Auch dieses Vorurteil lässt sich als falsch entlarven. Laut Kriminalstatistik werden ein Viertel aller in Deutschland begangenen Straftaten von Menschen mit ausländischem Pass begangen (Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2013). Doch es kommt darauf an, wie man Statistiken liest: Es gibt nämlich Straftaten, die nur von Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft begangen werden können, beispielsweise Vergehen gegen das Asylrecht. Die Statistik unterscheidet außerdem nicht zwischen Ausländerinnen und Ausländern, die in Deutschland leben und denjenigen, die sich nur kurzfristig in Deutschland aufhalten und hier eine Straftat begehen. In der Kriminalstatistik werden zudem nicht nur die wirklichen Täter, sondern auch Tatverdächtige aufgeführt. Unter Verdacht geraten, auch wegen immer noch weit verbreiteten Vorurteilen, häufiger Menschen mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft oder Mitglieder der migrantischen Communities – ohne dass diese in der Realität etwas mit der Tat zu tun haben müssen. Wie viele Straftaten von Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft begangen wurden können die Statistiken also nicht eindeutig beantworten.

Homophobie

Das Vorurteil: "Ihr seid alle pervers und krank!"

Dieses Vorurteil zeigt besonders deutlich, wie stark lange Zeit die Wahrnehmung von homosexuellen Menschen in der Gesellschaft von Unwissenheit und Unverständnis geprägt war. Dass Homosexualität eine Krankheit sei, galt lange sogar als eine wissenschaftliche Erkenntnis – erst im Jahr 1992 wurde Homosexualität durch die Weltgesundheitsorganisation von der Liste der psychischen Störungen genommen. Seitdem gilt Homosexualität international nicht mehr als Krankheit.

Das Vorurteil: "Wer hat dir denn die Scheiße eingeredet?"

Homosexualität ist weder eine Krankheit noch eine Frage der Entscheidung. Viele Wissenschaftler sind der Überzeugung, dass es nicht eine einzige Ursache für Homosexualität gibt, sondern dass das Zusammenspiel aus biologischen, sozialen und kulturellen Faktoren eine Rolle spielt. Klar ist allerdings: Homosexualität kann man niemandem einreden und genauso wenig ausreden.

Muslimfeindlichkeit

Das Vorurteil: "Moslems sind alle Terroristen!"

Dass diese Behauptung falsch ist, liegt auf der Hand: Weder sind alle Muslime Terroristen, noch sind alle Terroristen Muslime. Verstärkt wird dieses Vorurteil durch unausgewogene Medienberichte, die ein einseitiges Bild vom Islam und von Muslimen als gewaltbereit und religiös fundamentalistisch zeichnen und über die Vielfalt der muslimischen Lebenswelten nicht ausreichend informieren. Fakt ist außerdem: Alle in Deutschland lebenden Generationen von Muslimen distanzieren sich mehrheitlich deutlich vom islamischen Terrorismus – das zeigt die 2012 veröffentlichte Studie "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland". Das Vorurteil, alle Muslime seien gewaltbereit, lässt sich also nicht halten.

Das Vorurteil: "Moslems misshandeln und unterdrücken ihre Frauen!"

Auch bei dieser Äußerung handelt es sich um eine grobe Verallgemeinerung: Weder sind alle Muslime per se gewalttätig und frauenfeindlich, noch ist das der Islam als Religion. Auch wenn Probleme wie Unterdrückung und häusliche Gewalt nicht ausgeblendet werden sollten – die Behauptung, das Verhalten einzelner Menschen sei symptomatisch für die gesamte Gruppe der Gläubigen, ist schlichtweg falsch.

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