Kabel

10.8.2011 | Von:
Jöran Muuß-Merholz

Konferenzen und Tagungen

Teilnehmende als Teilgebende

Tagungen und Konferenzen haben einen relativ großen Teilnehmerkreis. Meist sind sie gepägt von frontalen und diskursiven Formaten. Web 2.0-Werkzeuge ermöglichen mehr Partizipation der Teilnehmenden. Und sie beziehen über das Netz die Öffentlichkeit mit ein.

Schauen wir zuerst auf die Tagung, denn diese ist das umfassendste der drei Protoformate, das auch die anschließend betrachteten Formate Vortrag / Podiumsdiskussion und (eingeschränkt) Seminar / Workshop als Komponenten enthalten kann. Stellen wir uns eine typische Konferenz vor: 100 oder vielleicht auch 400 Teilnehmende kommen für zwei Tage zusammen.Das Programm umfasst sowohl frontale Formate im Plenum als auch parallel stattfindende Workshops, bei denen die Teilnehmenden in kleineren Gruppen auch untereinander in den Austausch kommen. (Dann gibt es noch die Kaffeepausen, die bisweilen genau so wichtig sind wie der Rest.)

Die Konferenz unterscheidet sich von den weiteren Formaten noch in einem weiteren Punkt: das Interesse "über den Ort hinaus". Bei einer Konferenz gibt es häufig Menschen, die nicht zur Veranstaltung kommen (können), sich aber sehr für die Inhalte interessieren. Typischerweise äußert sich das in Nachfragen nach aufgezeichneten Vorträgen, Handouts, Folien oder sonstigen Dokumentationen. Inzwischen werden Veranstaltungsteile häufig auch als Videostream live veröffentlicht, so dass auch eine "virtuelle" Teilnahme möglich ist, ohne vor Ort zu sein.

Teilnehmende an einer Konferenz sind auch "über die Zeit hinaus" an der Veranstaltung interessiert: Sie müssen sich zum Beispiel im Voraus für parallel stattfindende Programmteile entscheiden oder haben im Anschluss an die Konferenz Interesse an Ergebnissen und weiterem Austausch. Vielleicht sind die Teilnehmenden sogar interessiert und bereit, schon im Vorfeld der Konferenz gemeinsame Vorbereitung zu betreiben. Bei sehr partizipativen Formate wie z.B. Barcamps ist eine gemeinsame Vorbereitung online sogar die Regel.

Aus diesen Gründen haben Konferenzen in der Regel eine stärkere Online-Präsenz als Vorträge oder Workshops.

Einladen, Senden, Dokumentieren, Koordinieren: Schwerpunkte für den Einsatz für Web 2.0-Werkzeuge bei Tagungen.Einladen, Senden, Dokumentieren, Koordinieren: Schwerpunkte für den Einsatz für Web 2.0-Werkzeuge bei Tagungen.
Einladung und Marketing
Schauen wir nun auf die typischen Aktivitäten, mit der Sie als politische Bildner eine Konferenz begleiten. Wir starten am Anfang: mit EINLADUNG UND MARKETING. Sie wollen die Aufmerksamkeit von möglichst vielen (oder bestimmten) Menschen erreichen. Typischerweise können Sie soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter nutzen, um die Nachricht von Ihrem Vorhaben zu verbreiten. Web 2.0 heißt hier, dass Sie relativ einfach mit Menschen in Verbindung bleiben können, bei denen schon ein Grundinteresse an Ihrer Arbeit vorhanden ist. Und möglicherweise noch wichtiger: Sie erleichtern diesen Menschen, wieder andere Menschen von Ihrer Veranstaltung wissen zu lassen. Vor diesem Hintergrund sollten Sie es immer und überall so einfach wie möglich machen, dass Interessenten Ihre Inhalte mit Dritten teilen können.

Senden und Konversation
Auf sozialen Netzwerken präsent zu sein heißt immer auch, dass Sie eine birektionale Kommunikation führen. Sie SENDEN nicht nur in die Welt, sondern bekommen auch Rückmeldungen von außen. Wenn Sie Inhalte auf Facebook oder Twitter veröffentlichen, werden andere Menschen ihre eigenen Fragen und Ideen an gleicher Stelle einbringen. (Und sie werden auch nicht schweigen, wenn sie unzufrieden oder anderer Meinung sind.) Nicht nur das – man wird auch erwarten, dass Sie auf diese Rückmeldungen eingehen. Das ist es, was das Wesen des Web 2.0 ausmacht: eine KONVERSATION zu führen (oder besser: Dutzende, Hunderte, Tausende von Konversationen zu führen).

Das Verlangen nach Konversation über das Netz wird auch dann nicht aufhören, wenn die Konferenz beginnt. Über einen Video-Livestream lassen sich Vorträge und Podiumsdiskussionen einer Konferenz live in die ganze (Online-)Welt senden. Auch in der politischen Bildung sehen wir seit 2010 immer häufiger solche Livestreams, die Menschen ermöglichen dabei zu sein, ohne geographisch vor Ort sein zu müssen. Der Aufwand, der für einen guten Livestream betrieben werden muss, ist nennenswert. Aber er ist recht niedrig, wenn man berücksichtigt, welchen Aufwand Sie für die Konferenz schon als "Grundlage" betreiben müssen. Um eine Hausnummer zu nennen: Ein Livestream kann ihr Publikum verdoppeln, während der Aufwand ganz deutlich unter einer Verdoppelung liegt.

Die denkbaren Aktivitäten in Sachen Senden und Konversation sind damit noch nicht beendet. Von außen zuschauende Menschen möchten nicht nur sehen und hören, was auf der Bühne der Tagung geschieht, sondern wollen sich darüber auch untereinander austauschen (wofür sich ein Chat anbietet) und Rückmeldungen in den Veranstaltungsraum zurückgeben. Hier kann eine Twitterwall interessant sein. Sie ermöglicht einen Rückkanal, in dem nicht nur Fragen gestellt werden können, sondern auch eine Visualisierung der Gedanken des Publikums möglich wird. Selbstverständlich können auch die Teilnehmenden vor Ort Ihre Gedanken via Twitter miteinander teilen, so dass man auf der Twitterwall häufig gar nicht mehr unterscheiden kann, ob ein Beitrag aus dem Veranstaltungssaal oder von einem Zuschauer aus Neuseeland geschickt wird. Wenn eine Twitterwall gut funktioniert, dann kann man auf ihr "den Raum denken sehen".

Dokumentation und Veröffentlichung
Die klassische Form der DOKUMENTATION UND VERÖFFENTLICHUNG von Tagungsergebnissen ist der gedruckte Tagungsband / ein Reader, der sich häufig nicht nur an die Teilnehmenden, sondern an einen Interessentenkreis darüber hinaus richtet. Auch Fotos, Ton- oder Videoaufzeichnungen sind beliebte Medien zur nachträglichen Veröffentlichung. Das Web 2.0 bietet dafür zahlreiche Plattformen, die zwar meist auf spezifische Dokumentarten spezialisiert sind, sich aber in der Regel auf anderen Websites einbetten (und damit zusammenführen) lassen. Es gibt Slideshare für Präsentationen, entweder für Powerpoint, PDF und Co. alleine oder in Kombinationen mit einer dazugehörigen Tonaufzeichnung. Audio- Aufzeichnungen von Vorträgen, Gesprächsrunden oder Interviews lassen sich auch als Podcast verbreiten. Für Photos sind Flickr oder Picasa beliebt, wo sich bei Bedarf auch geschlossene Gruppen anlegen lassen. Und schließlich lassen sich Videos aufzeichnen und über Plattformen wie YouTube oder Vimeo veröffentlichen. (Wenn es schon einen Livestream gibt, dann stehen die Videos in der Regel auch im Anschluss in einem Archiv zum nachträglichen Abruf bereit. Bisweilen erreichen diese Videos mit der Zeit dann noch einmal ein Vielfaches an Abrufen gegenüber den Live-Zuschauern.)

Im Zeitalter des Web 2.0 ist es wichtig, die Aktivitäten zur Dokumentation nicht auf die Seite des Veranstalters und der Mitwirkenden begrenzt zu denken. Nicht nur der Gastgeber, sondern auch manche Teilnehmende möchten produzierte Inhalte mit anderen teilen, seien es Mitschriften, Photos, Audio- oder Videoaufzeichnungen. Es gibt auch schon Berichte von Teilnehmenden, die einen eigenen Livestream produzieren und in die Welt senden. Für eine rudimentäre Form braucht es nicht mehr als ein Smartphone oder ein Netbook plus Internetzugang.(2) Die Gastgeber können hier Teilnehmende und Interessenten unterstützen, indem sie "Sammelbecken" für solche dezentral veröffentliche Inhalte bereitsstellen, z.B. Gruppen, erweiterbare Listen via Wiki oder Etherpad oder einfach nur ein verkündetes Hashtag für die eindeutige Verschlagwortung.

Koordination, Organisation und Zusammenarbeit
In der politischen Bildung sehen wir Teilnehmende immer auch als "Teilgebende", die eigene Interessen, Erfahrungen und Kompetenzen einbringen können. Vor diesem Hintergrund kann eine Konferenz auch Möglichkeiten zur ZUSAMMENARBEIT beinhalten. Das betrifft sowohl die inhaltliche Ebene als auch Fragen der KOORDINATION UND ORGANISATION.

Ein Beispiel: Teilnehmende können Internetquellen zum Thema zusammenführen, wenn sie Social-Bookmark-Dienste wie Delicious, Mister Wong oder Diigo nutzen. Mittels eines gemeinsamen Schlagworts oder einer thematischen Gruppe kann dezentral eine Sammlung von Links erstellt und diskutiert werden.

Damit Teilnehmende sich stärker untereinander vernetzen können, kann eine Community- Plattform wie Mixxt sehr hilfreich sein. Teilnehmende können hier in einem geschützten Raum Profile anlegen und durchstöbern, sich in einem Forum austauschen, Dateien bereitstellen, Neuigkeiten vom Veranstalter lesen, zwischen parallel stattfindenden Programmpunkten auswählen oder sogar vorstellen, welchen Programmpunkt sie selber anbieten möchten.3 Für das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten vor, während oder nach einer Tagung bietet sich ein Wiki an. Neuerdings sehen wir bei Tagungen immer häufiger kollaborative Texte, Protokolle oder Listen, die entweder über Google Docs oder über einen Etherpad-Dienst erstellt werden.

In der Aufstellung der verschiedenen Dienste fehlt bisher ein mächtiges Werkzeug: Blogs. In einem Blog können vom Veranstalter generelle Informationen wie Einladung, Programm oder Porträts der Mitwirkenden veröffentlicht werden. Der Blog ist auch der Ort, an dem alle anderen Online-Aktivitäten durch Verlinkungen und Einbettungen zusammengeführt werden. Vor diesem Hintergrund sollen Blogs an dieser Stelle keiner bestimmten Aufgabe zugeordnet werden, sondern ins Zentrum aller Online-Aktivitäten gestellt werden.


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