Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion | Lea Schrenk am 17.03.2017

Facebook in der Bildung

Mit aktuell 1,79 Milliarden Nutzern weltweit ist Facebook das größte soziale Netzwerk der Welt, Tendenz steigend. Für den Bildungsbereich ist die Plattform nicht nur aufgrund ihrer Reichweite interessant, sie bietet auch neue Möglichkeiten, Lernsettings zu organisieren. Der Einsatz der Plattform ist allerdings umstritten. Wie kann Facebook in Bildungskontexten genutzt werden?

Facebook in der BildungFacebook: das größte soziale Netzwerk der Welt (geralt / Pixabay / bearbeitet / Lizenz CC0)

Trotz der Konkurrenz durch Dienste wie Snapchat oder Instagram nutzen viele 13- bis 24-Jährige in Deutschland Facebook, um sich mit Freundinnen und Freunden auszutauschen oder Informationen zu erhalten. Insgesamt wird die Plattform in Deutschland von rund 26 Millionen Menschen genutzt. Die meinungsbildende Wirkung von Facebook ist dabei nicht zu unterschätzen: Immerhin 62 Prozent aller Erwachsenen in den USA beziehen tagesaktuelle Nachrichten regelmäßig von Facebook bzw. ihrer personalisierten Startseite auf der Plattform. Dabei handelt es sich um einen Newsfeed, der sich aus den Inhalten generiert, die Freundinnen und Freunde, Gruppen oder Seiten, denen man folgt, posten (veröffentlichen). Auch Werbung, die oft nur schwer von normalen Beiträgen zu unterscheiden ist, wird auf der Startseite angezeigt. Dabei entscheidet ein Algorithmus, welche Inhalte die Nutzerinnen und Nutzer zu sehen bekommen. Beiträge mit vielen Interaktionen ("Gefällt mir"-Angaben, Teilen) haben größere Chancen gesehen zu werden, ungeachtet ihres Wahrheitsgehaltes oder ihrer Relevanz. Im Zusammenhang mit der US-Wahl und dem Brexit wurde Facebook daher die Beeinflussung der öffentlichen Meinung vorgeworfen. Der Konzern steht auch wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten immer wieder in der Kritik, denn Nutzerinnen und Nutzer der Plattform bezahlen den "kostenlosen" Dienst mit ihren Daten. Neben dem Urheberrecht sollten sie bei der Veröffentlichung fremder, aber auch eigener Inhalte auf der Plattform immer beachten, dass sich Facebook über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ein einfaches Nutzungsrecht an diesen sichert, damit andere Nutzerinnen und Nutzer die Inhalte über die Teilen-Funktion der Plattform teilen können. Facebook kann damit allerdings auch zum Beispiel von ihnen hochgeladene Bilder für Werbezwecke nutzen, ohne nochmals ihr Einverständnis dafür einholen zu müssen.

Lehrende und Lernende sollten sich beim Posten von Inhalten im Schulkontext grundsätzlich darüber im Klaren sein, dass sie Facebook damit implizit erlauben, die Materialien weiterzuverwerten. Dabei haben die Beteiligten keine Kontrolle darüber, wann und wo dies geschieht, da Facebook weder einzelne Einverständnisse einholt, noch über diese Nutzung informiert. Das bedeutet, dass beispielsweise Fotos, auf denen (minderjährige) Lernende zu sehen sind, unkontrolliert in Umlauf geraten können, oder dass etwa Unterrichtsentwürfe Lehrender verbreitet werden, die sie für diesen Zweck nicht vorgesehen hatten. Dieser Aspekt sollte bei allen Überlegungen zum Einsatz der Plattform in Bildungskontexten also berücksichtigt und der Umgang damit im Vorfeld mit allen Beteiligten diskutiert werden.

Wie funktioniert Facebook?

Facebook ist aber nicht nur ein Thema der Medienbildung, wenn es um den Umgang mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken geht. Die Plattform lässt sich auch in schulische und außerschulische Bildungsangebote integrieren. Um Facebook nutzen zu können, ist ein eigenes Profil nötig. Dort können die Nutzerinnen und Nutzer Informationen posten und Bilder oder Links teilen. Bei der Veröffentlichung fremder Inhalte ist immer das Urheberrecht zu beachten, denn mit dem Upload auf Facebook akzeptiert man auch die AGBs der Plattform, die Facebook weitgehende Rechte an den Inhalten zugestehen. Wer mit anderen in Kontakt treten möchte, kann sie per interner Suche oder anhand ihrer E-Mail-Adresse finden und ihnen eine Freundschaftsanfrage stellen. Freundinnen und Freunde können beispielsweise die eigenen Inhalte kommentieren und durch den "Gefällt-mir-Button" bewerten. Außerdem werden ihre Beiträge auf der eigenen Startseite angezeigt.

Screenshot der PrivatsphäreeinstellungenScreenshot 1: Die Privatsphäreeinstellungen bei Facebook (Facebook)

Verschiedene Privatsphäreeinstellungen ermöglichen es, den Kreis der Leserinnen und Leser der eigenen Beiträge einzuschränken – allerdings sichert sich der Konzern selbst Zugriff auf alle Inhalte; selbst nach der Aufkündigung des Nutzerkontos. Die eigenen Freunde lassen sich in Gruppen wie Schülerinnen, Kollegen oder Familie einteilen, die in unterschiedlichem Maße Zugriff auf die einzelnen Beiträge haben. Unabhängig davon können Bilder oder Posts der Freundinnen und Freunde im eigenen Newsfeed erscheinen und unfreiwillige Einblicke in das Freizeitverhalten der Schülerinnen und Schüler geben. Diese Problematik lässt sich vermeiden, wenn in den Newsfeed-Einstellungen alle Schülerinnen und Schüler einzeln "deabonniert" werden. Mit dieser Einstellung ist man zwar weiterhin befreundet, die Inhalte der betreffenden Personen werden aber nicht mehr auf der Startseite angezeigt. Trotzdem erschwert die Freundschaft von Lehrenden und Lernenden auf Facebook im Kontext Schule die Trennung zwischen dienstlich und privat und wirft die Frage auf, wo der Erziehungsauftrag im Netz endet und die Privatsphäre verletzt wird. Andererseits bietet Facebook Lehrenden gerade durch die vermeintlich private Atmosphäre eine Möglichkeit, neben dem formalen Setting der Schule niedrigschwellig ansprechbar zu sein.

Bereits aktive Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer können entweder über ihren privaten Account mit ihrer Lerngruppe kommunzieren oder legen sich einen zusätzlichen dienstlichen Account an, um Privatleben und Arbeit getrennt zu halten. Dasselbe gilt natürlich auch für die Lernenden. Allerdings wird ein Zweit-Account von Facebook in den Nutzungsbedingungen untersagt. Alternativ können Lehrkräfte zusätzlich zu ihrem eigenen Account auch eine "Facebook-Seite" erstellen, der die Schülerinnen und Schüler folgen (sie abonnieren). Anders als bei der Vernetzung über "Freundschaft" erscheinen so keine Informationen der Lernenden im eigenen Newsfeed. Facebook-Seiten sind öffentlich, sodass eine Einschränkung des Publikums anders als bei dem privaten Profil nicht möglich ist. Allerdings können für einzelne Beiträge anhand von Kriterien wie Alter, Wohnort oder Interessen Zielgruppen definiert werden, an die gezielt Inhalte ausgespielt werden. Solche Einstellungen lohnen sich insbesondere für Seiten, die sehr viele Inhalte veröffentlichen und verschiedene Zielgruppen ansprechen. Über Beiträge können auch mit Facebook-Seiten interessante Inhalte empfohlen und geteilt werden. Mr. Langer Online empfiehlt beispielsweise als freiwillige Ergänzung zu seinem Englischunterricht englischsprachige Artikel aus dem Internet zur inhaltlichen Vertiefung.

Screenshot 2: News-Feed EinstellungenScreenshot 2: Die Newsfeed-Einstellungen bei Facebook (Facebook)

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es im Bildungsbereich?

Mit der Einrichtung einer Gruppe lassen sich Prozesse auch über Klassen- und Gruppengrenzen hinaus orts- und zeitunabhängig koordinieren. In der Kleingruppenarbeit, in AGs oder Seminargruppen können so Entscheidungen, Absprachen, Abstimmungen etc. vereinfacht werden. Anders als eine persönliche Seite bietet eine Gruppe einen Raum, um Beiträge, Bilder, Links und Dokumente gezielt mit einem bestimmten Publikum zu teilen und sich auszutauschen; sofern man die notwendigen Rechte an den Inhalten besitzt. Durch ein Abstimmungstool sind Absprachen zu Themenwünschen oder Terminen möglich. Außerdem können innerhalb einer Gruppe einfache Dokumente erstellt und kollaborativ bearbeitet werden. So lassen sich Arbeitsschritte gruppenintern präsentieren und diskutieren.

Verschiedene Einstellungen ermöglichen es, die Sichtbarkeit einer Gruppe für die Öffentlichkeit zu begrenzen. Geschlossene Gruppen können zwar von Seite allen Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern gefunden werden, die Inhalte sind aber nur für Mitglieder einsehbar. Geheime Gruppen sind nur für die Mitglieder sichtbar, die vorab in die Gruppe eingeladen wurden. Der Administrator kann zwar Einladungen nur an mit ihm befreundete Nutzerinnen und Nutzer oder per E-Mail verschicken, die einzelnen Mitglieder müssen aber nicht miteinander befreundet sein, um sich auszutauschen. Öffentliche Gruppen können zur Vernetzung und zum Austausch über bestimmte Themen genutzt werden, auch unter Lehrenden. Die Gruppe Medienpädagogik diskutiert und informiert beispielsweise über Neuigkeiten im Bereich digitale Bildung.

Screenshot mit einem Beispiel für eine Facebook-GruppeScreenshot 3: Beispiel für eine Facebook-Gruppe (Facebook)

Neben organisatorischen Möglichkeiten kann Facebook für bestimmte Lernszenarien und -ziele eingesetzt werden. Statt der klassischen Straßen- oder Schulumfrage können Lehrende mit dem Abstimmungs-Tool beispielsweise in ihrer Lerngruppe Meinungsumfragen erstellen lassen. Im produktionsorientierten Unterricht können Lernende zur multimedialen Vermittlung von Lerninhalten Profile für fiktive politische, historische oder literarische Charaktere anlegen. Einen solchen Ansatz verfolgte das Projekt Werther postet seine Leiden, in dem Schülerinnen und Schüler Goethes bekanntes Werk quasi in Echtzeit in regelmäßige Statusmeldungen auf Facebook übertrugen. Auch historische und politische Entwicklungen lassen sich dementsprechend nachzeichnen. Wenn Lernende über Facebook in die Rolle historischer Figuren schlüpfen, ist allerdings zu bedenken, dass diese sich nicht mit den eigenen Einstellungen und Meinungen der Schülerinnen und Schüler decken. Dies muss von den Lehrenden entsprechend vorbereitet und klar gekennzeichnet werden.


Aufsuchende Jugendarbeit online

Für die aufsuchende Jugendarbeit bietet Facebook die Chance, ein breites Spektrum von Jugendlichen zu erreichen und bestimmte Gruppen gezielt anzusprechen. In dem Pilotprojekt "Was postest du?" mischten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verein Ufuq auf Facebook und gutefrage.de in Diskussionen ein. Anstatt eigene Inhalte zu veröffentlichen, kommentierten sie die Beiträge anderer Nutzerinnen und Nutzer, um jungen Musliminnen und Muslimen in religiösen Debatten vielfältige Perspektiven aufzuzeigen. Gleichzeitig birgt diese Form der aufsuchenden Jugendarbeit Probleme: Darf Jugendarbeit in private Diskussionen eingreifen oder überschreitet sie damit ihren Auftrag? Sollen Bildnerinnen und Bildner kenntlich machen, dass sie im Auftrag einer Institution handeln oder treten sie als Privatperson auf, um bestimmte Zielgruppen nicht abzuschrecken? Darüber hinaus kann Facebook für die Öffentlichkeitsarbeit von Schulen und Bildungseinrichtungen genutzt werden, um über Neuigkeiten zu informieren und Werbung für bevorstehende Veranstaltungen zu machen.

Screenshot mit der Seite der WerkstattScreenshot 4: Die Werkstatt-Seite auf Facebook (Facebook / abgebildetes Foto: Chr Metzner/ Flickr/ bearbeitet / Lizenz CC-BY-2.0-DE)

Wo liegen die Grenzen?

An Grundschulen kommt der Einsatz nicht in Frage, da Facebook selbst in seinen Nutzungsbedingungen ein Mindestalter von 13 Jahren vorschreibt. Die Entscheidung für oder gegen Facebook hängt außerdem von den rechtlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Bundeslandes ab. In Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz ist die dienstliche Nutzung von Facebook aufgrund von datenschutzrechtlichen Überlegungen verboten. Deutschlandweit gilt, dass personenbezogene Daten wie Noten nicht über Facebook kommuniziert werden sollten.

Befürworterinnen und Befürworter des Einsatzes von Facebook und anderen sozialen Medien in der Bildung argumentieren gerne, dass sie die Jugendlichen dort abholen wollen, wo sie sich ohnehin aufhalten. Aber nicht alle Jugendlichen benutzen Facebook, ob aus Gründen des Datenschutzes, wegen eines Verbots ihrer Eltern oder schlicht aus mangelndem Interesse. Wichtige Informationen wie Termine müssen daher auch offline zur Verfügung stehen. Der Pädagoge Philippe Wampfler empfiehlt in diesem Sinne, pädagogische Überlegungen anstelle des Nutzerverhaltens der Lernenden in den Vordergrund zu stellen. Grundsätzlich stellt sich die Frage, inwiefern man überhaupt eine Plattform mit derartiger Marktmacht und fragwürdigen Datenschutzrichtlinien unterstützen sollte, ob man lieber alternative Dienste nutzt oder auf soziale Medien im Unterricht gänzlich verzichtet. Darüber sollten Lehrende mit den Schülerinnen und Schülern, den Eltern und der Schulleitung diskutieren. Der schulische Einsatz von Facebook kann so auch als Teil der Medienerziehung genutzt werden, um der Lerngruppe einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien nahezulegen und vorzuleben. 


Graphik der Pros und Contras von Facebook in der BildungsarbeitDie Pros und Contras der Nutzung von Facebook im Bildungsbereich (bpb / Lizenz CC BY-SA 4.0)




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Das Geschäftsmodell von Facebook oder: Wofür verwendet Facebook die Daten?

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Schule und Web 2.0 – Wie Social Media die schulische Kommunikation durcheinander wirbelt

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Dein Freund und Spitzel: Ein Besuch bei Facebook-Ankläger Max Schrems

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