Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

21.9.2012 | Von:
Wolfgang Sander
Julia Haarmann
Angela Gralla
Sabine Kühmichel

Didaktische Konzeption

Das Kapitel "Jugend und Politik" hat den Anspruch, Schülerinnen und Schülern das besondere Verhältnis der Jugendlichen bzw. Jungwähler zur (Partei-)Politik deutlich zu machen. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, ein differenziertes Bild zu den Ursachen der augenscheinlichen Distanz zwischen traditionellen Politikformaten und den Interessen und Bedürfnissen von jungen Menschen zu gewinnen. In der Konzeption stehen dabei eine schülerorientierte und inhaltlich fundierte Erarbeitung ausgewählter Grundlagen sowie eine handlungsorientierte Projektarbeit nebeneinander. Werden in dem ersten Baustein zunächst die Motivation für das Thema hergestellt und die inhaltlichen Aspekte ins Zentrum gerückt, stehen im zweiten Baustein "Aktion" und "Reflexion" im Fokus.

Die Bausteine im Überblick

Wahlbeteiligung nach AltersgruppenWahlbeteiligung nach Altersgruppen
In dem ersten Baustein 1 "Politik? Jein, danke! – dem Politikinteresse von Jugendlichen auf der Spur" sollen die Schülerinnen und Schüler für die Bedeutsamkeit des Themas "Jugend und Politik" sensibilisiert und für die Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Problemlagen motiviert werden. Beginnend mit einer Erarbeitung der grundsätzlichen Frage "Woran kann man feststellen, ob jemand politisch interessiert/engagiert ist?" können die Schülerinnen und Schüler in einem nächsten Schritt empirische Erkenntnisse zum Politikinteresse von Jugendlichen sammeln und daraufhin analysieren, warum nur wenige Jugendliche sich für die traditionelle (Partei-)Politik interessieren und als Jungwähler oft der einfachsten Möglichkeit zur politischen Einflussnahme – der Wahl – fernbleiben. Aspekte, die hier erarbeitet werden sollen, sind neben der fehlenden Wahlmotivation und der fehlenden Wahlberechtigung auch eine differenzierte Betrachtungsweise des Politikinteresses von Jugendlichen. Doch die Ursachen für diese Problematik können auch auf der Ebene der Parteien verortet werden. Zum einen ist die mangelhafte Ansprache der Jugendlichen durch die Parteien zu nennen, zum anderen die demografisch betrachtet geringe Wahl- und Wirkungsmacht von Jungwählern. Die Jugendlichen sollen diese Probleme kennen, jedoch nicht in einer anklagenden Haltung verharren. Sie sollen Gründe erarbeiten, warum es gerade auch für Jungwähler sinnvoll und wichtig ist, zur Wahl zu gehen. Diese Grundlagen sollen in Baustein 2 "Zeit, dass sich was dreht! – Aktiv werden für mehr (Jung-)Wählerbeteiligung" aufgegriffen werden. Hier können die Schülerinnen und Schüler sich über Optionen der Wahlerleichterung und Wählermotivierung informieren sowie selbst Ideen und Aktionen zur Wahlmotivierung vor Ort auswählen, weiterentwickeln und umsetzen. Bei der Auswahl von Aktionen und Projekten im Materialpool zum Baustein wurden folgende Aspekte berücksichtigt:
  • Passfähigkeit zur Zielgruppe
  • Orientierung an jugendlichen Trends
  • Niedrigschwelligkeit des Angebotes
  • Begrenzter zeitlicher Rahmen
  • Möglichkeit zur Selbstorganisation
  • Interaktivität
Politische EinflußnahmePolitische Einflußnahme
Die hier vorgestellten Optionen haben allesamt einen handlungsorientierten Charakter und verfolgen das Ziel, erlernte Inhalte der verschiedenen Kapitel zu den Themen "Wahlen", "Bundestagswahl 2013" und selbstverständlich zum Thema "Jugend und Politik" mit gezielten Aktionen zu verbinden. Dieses Konzept soll helfen, Kognition, Emotion und Aktion miteinander zu verbinden. Das projektartige Vorgehen und der zeitlich überschaubare Umfang kommen dem spezifischen, meist diskontinuierlichen Politikinteresse und -engagement von Jugendlichen entgegen. Neben den wahlmotivierenden Aktionsideen ist die Durchführung einer Jugendbefragung eine weitere Möglichkeit, das Thema für die Schülerinnen und Schüler und für die Öffentlichkeit stark zu machen. Mit einer Befragung können die Interessen und Einstellungen der Jugendlichen aktuell ermittelt werden. Die Ergebnisse können als Grundlage für ein Gespräch mit Politikern dienen. Die Materialien und Planungshinweise zur Jugendbefragung finden sich im Bereich "Forschen mit GrafStat – Befragungen im Unterricht".

Baustein-Struktur

Es handelt sich bei den hier vorgestellten Inhalten nicht um eine in sich abgeschlossene Unterrichtsreihe, die von der ersten bis zur letzten Einheit durchgeführt werden muss, sondern um ein nach dem Bausteinprinzip aufgebautes inhaltliches Angebot, das entsprechend den situativen Erfordernissen variabel einsetzbar ist. Die jeweiligen Bausteine stellen dabei keine einzelnen, abgeschlossenen Unterrichtsstunden dar, sondern Sequenzen, deren Bearbeitung in der Regel mehrere Unterrichtsstunden in Anspruch nimmt. Die Lehrperson kann die Schwerpunkte ganz nach den Anforderungen des eigenen Unterrichts anpassen, indem sie einige Sequenzen oder Materialien auswählt und intensiver behandelt, andere hingegen kürzt, variiert oder ggf. auf ihre Bearbeitung verzichtet. Viele Themen und Materialien öffnen zudem Türen zu den anderen Kapiteln des vorliegenden Bandes, die verschiedene Aspekte des Großthemas "Wahlen" aus unterschiedlichen Perspektiven im Unterricht zu erarbeiten helfen. Die einzelnen Bausteine enthalten ein in Phasen gegliedertes Artikulationsschema des Unterrichtsverlaufes sowie einen Planungshinweis zu Inhalt, möglichen Intentionen, Methoden und Medien und darüber hinaus alle zur Behandlung des Bausteins notwendigen Materialien. An einigen Stellen der Planungshinweise und tabellarischen Übersichten finden sich Querverweise zu den weiterführenden Themen und Materialien dieses Bandes.