Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

27.9.2012

MB 03.03 Wahlverhalten: Die Faktoren Alter und Geschlecht

Die wahlsoziologische Forschung hat eine Reihe von Verfahren und Ansätzen entwickelt, die Rückschlüsse auf das Wählerverhalten zulassen. Danach formiert sich individuelles Wählerverhalten im Mit- und/oder Gegeneinander langfristig-strukturell und kurzfristig-situativ wirkender Komponenten. Zu den ersten zählen etwa Alter, Geschlecht, Beruf, Konfession, Parteiidentifikation, Wertorientierungen etc. Letztere Bestimmungsgründe der Wahlentscheidungen umfassen innen- und außenpolitische Geschehnisse, wirtschaftliche Erwartungen, politische Sachfragen, Kandidatenalternativen, Merkmale des Parteienwettbewerbs. [...]

Die Stimmabgabe nach Altersgruppen aufgeteilt ergibt, dass bei der CDU/CSU eine Überrepräsentation der Wähler in den Altersgruppen ab 45 Jahren vorhanden ist, während bei der FDP der Stimmenanteil über die Altersgruppen hinweg ein relativ konstantes Bild zeigt. Die SPD dagegen konnte seit den 70er Jahren einen überdurchschnittlichen Anteil von Erst- und Jungwählern für sich verbuchen und wurde die Partei der Erst- und Jungwähler. Diesen Status hat die SPD Anfang der 80er Jahre an die Grünen abgegeben, deren Wählerschaft aber mittlerweile gleichfalls altert. Umstritten ist dabei, ob es sich bei diesen Alterseffekten um ein konstantes generationenspezifisches Phänomen handelt, oder ob individuelle Wahlentscheidungen sich zyklisch an bestimmten Lebensabschnitten orientieren. Während in den 50er und 60er Jahren galt, dass Frauen eher konservative, Männer eher linke Parteien wählen, halten sich seit Ende der 70er Jahre die Stimmenanteile von Frauen und Männern bei allen Parteien im wesentlichen die Waage. Frauenspezifisches Wahlverhalten fällt heute kaum ins Gewicht, 1987 betrugen die Differenzen (männlich/weiblich) für die CDU/CSU (42,5 %/ 45,1 %), die SPD (38,5 %/37,8 %), die FDP (9,2 %/8,3 %) und die Grünen (8,3 % /7,7 %).

Aus: Rainer-Olaf Schultze und F. W. Semrau: Wählerverhalten, in: Uwe Andersen und Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 3., völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1997, S. 589f.

Arbeitsaufträge:
  1. Beschreibe die Entwicklung der Wählerschaft nach Altersgruppen der genannten Parteien über die Jahre hinweg.
  2. Erläutere, wie sich das Wahlverhalten von Frauen seit den 1950er Jahren verändert hat.
  3. Formuliere Vermutungen, wie das Wählerverhalten z.B. von Jung- und Erstwählern heute aussieht.


Bundestagswahl 2013

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