Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

30.10.2012

MG 02.01 Arten der Befragung

Die Befragung kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden. Jede Variante hat Vor- und Nachteile und erfordert spezielle Vorbereitungen. Stichprobengröße und Art der Stichprobe sind von besonderer Bedeutung, wenn es um Repräsentativität geht.
  • Schriftliche Fragebogenaktion (mit Rücklauf)
  • Fragebogenaktion mit Interview/ Straßenbefragung
  • Telefoninterview
  • Bildschirminterview
  • Internetbefragung
GrafStat kann das Fragebogenformular für den Druck aufbereiten und erspart Ihnen damit das mühsame Formatieren in einem Textverarbeitungsprogramm. Bei der Aufbereitung können Sie ergänzende Texte erfassen und das äußere Erscheinungsbild des Formulars beeinflussen. Vielfältige Hilfsmittel und Einstellungsmöglichkeiten erleichtern die Arbeit. Bei Bedarf kann der Fragebogen auch als Textdatei exportiert und dann mit einem Textverarbeitungsprogramm zusätzlich gestaltet werden. (In der Menüleiste auf dem Eingangsbildschirm "Datei" anklicken und dann "Speichern als RTF" anwählen. Ein Assistent führt durch die weiteren Schritte.)

Mit GrafStat kann das Fragebogenformular auch für das Internet aufbereitet werden, Sie benötigen dazu keine Kenntnisse in HTML - der Programmiersprache für das Internet – sondern können per Mausklick ein Internet-Formular erzeugen. Auch bei der Aufbereitung für das Internet können Sie ergänzende Texte erfassen und das äußere Erscheinungsbild des Formulars beeinflussen.

Die verschiedenen Texte werden für beide Medien (Druck auf Papier oder Internet) übernommen, die Gestaltung gilt immer nur für das ausgewählte Medium.

Schriftliche Fragebogenaktion
Diese Befragungsart ist gut geeignet für Befragungen mit großen Stichproben und Vollerhebungen, da viele Personen in vergleichsweise kurzer Zeit und kostengünstig befragt werden können (z.B. eine Jugendbefragung zum Thema "Politikinteresse").

Vorteile: Die Vorteile der schriftlichen Befragung liegen vor allem in der der längeren Überlegungsfrist für die Befragten sowie in der Minimierung des Interviewer-Einflusses zu sehen.

Nachteile: Da die Befragten den zugeschickten Fragebogen selbstständig und ohne weitere Hilfestellung ausfüllen, bedeutet dies für die Vorbereitung – insbesondere für die Gestaltung des Fragebogens – einen größeren Aufwand. Der Fragebogen muss alle erforderlichen Hinweise und Informationen enthalten, damit die Befragten die Fragen selbstständig beantworten können, z.B. Hinweise zur Beantwortung der Fragen sowie eine kurze Einführung über die Ziele und den Zweck der Befragung. Ein weiterer Nachteil der schriftlichen Befragung sind die oftmals sehr geringe Rücklaufquote sowie die Kosten, die für Kopien und Porto anfallen.

Vorgehen: Der Fragebogen wird mit Hilfe des PC einmal ausgedruckt und dann vervielfältigt. Die Fragebögen kann man anschließend auslegen, verteilen oder verschicken. Nach dem Ausfüllen werden sie eingesammelt oder zurückgeschickt.

Zu berücksichtigende Probleme:
  • Rücklauf ist nicht gesichert
  • Stichprobenplan ist schwierig einzuhalten
  • Verständnisfragen können nicht gestellt werden
Fragebogenaktion mit Interview/ Straßenbefragung
Diese Form der Befragung ist gut geeignet für die Erfassung von Stimmungsbildern der Bevölkerung bzw. von Jugendlichen zu ausgewählten Themen.

Vorteile: Die Vorteile der Straßenbefragung liegen zweifellos in der "Öffnung von Schule", indem die Lerngruppe in direkten Kontakt mit den Befragten, z.B. den Wählerinnen und Wählern der regionalen Umgebung, tritt, was eine pädagogisch wichtige Bereicherung unmittelbarer sozialer Lernerfahrungen zur Folge hat.

Nachteile: Eine Straßenbefragung erfordert einen relativ großen Aufwand bei der Vorbereitung der Stichprobenauswahl, wobei auch die Exaktheit der Quotenauswahl häufig nicht zu realisieren ist.

Vorgehen: Der Fragebogen wird einmal mit Hilfe des PC ausgedruckt und dann vervielfältigt. Die Befragung wird anschließend als Interview durchgeführt, d.h. die Interviewer befragen die Probanden und kreuzen die Antworten auf der Vorlage an (pro Interview ein Fragebogen). Diese Durchführungsvariante ist personalintensiv. Diese Eigenschaft kann aber auch von Vorteil sein, denn auf diese Weise können viele Jugendliche als Interviewer tätig werden und bei der Aktion interessante persönliche Erfahrungen sammeln. Nur mit sehr vielen Interviewern und bei guter Planung der Erhebung können größere Befragungen realisiert werden. Als Mittelwert kann man 10 bis 20 Interviews pro Interviewer einplanen.

Tipp: Die Interviewer können mit Hilfe eines Rollenspiels gezielt auf ihre Aufgabe und etwaige Probleme vorbereitet werden. Dazu finden Sie auch Arbeitsmaterialien für die Jugendlichen (MG 02.02).

Zu berücksichtigende Probleme:
  • Beeinflussung durch die Interviewer
  • Ermüdungserscheinungen bei den Interviewern
  • Frustration durch Verweigerer
Telefoninterview
Das Telefoninterview eignet sich besonders für repräsentative Befragungen, z. B. Befragung der Wählerschaft für eine Wahlprognose.

Vorteile: Eine Telefonbefragung verspricht einerseits aufgrund der mit relativ wenig Aufwand zu erreichenden größeren Zufälligkeit bei der Stichprobenauswahl eine höhere Genauigkeit, die insbesondere bei der Erstellung einer Wahlprognose von Bedeutung ist.

Nachteile: Die Telefonbefragung lässt andererseits keinen so direkten Kontakt der Jugendlichen zu den Befragten zu wie bei einer Straßenbefragung und wird daher von diesen häufig eher abgelehnt.. Es entstehen u. U. Zusatzkosten durch die Telefongebühren. Zudem muss beachtet werden, dass evtl. nicht jeder bzw. jede Befragte über das Telefonverzeichnis zu erreichen ist – insbesondere Personen, die nur einen Mobilfunkvertrag und keinen Festnetzanschluss haben –, so dass nur dann eine hohe Repräsentativität der Stichprobe gewährleistet bleibt, wenn eine hohe Telefondichte gegeben ist.

Vorgehen: Der Fragebogen wird einmal ausgedruckt und dann vervielfältigt. Die Befragung wird anschließend als Interview durchgeführt, d. h. die Interviewer befragen die Probanden und kreuzen die Antworten auf der Vorlage an (pro Interview ein Fragebogen). Diese Durchführungsvariante ist personalintensiv, was, wie schon erwähnt, auch von Vorteil sein. Zudem können nur mit sehr vielen Interviewern und bei guter Planung der Erhebung größere Befragungen realisiert werden. Als Mittelwert kann man 10 bis 20 Interviews pro Interviewer einplanen. Es empfiehlt sich, dass die Interviewer beim Telefonieren Protokoll über die Anrufversuche führen (vgl. MG 02.09).

Tipp: Die Interviewer können auch hier mit Hilfe eines Rollenspiels gezielt auf ihre Aufgabe und etwaige Probleme vorbereitet werden. Dazu finden Sie Rollenkarten in MG 02.03.

Zu berücksichtigende Probleme:
  • Beeinflussung durch die Interviewer
  • Ermüdungserscheinungen bei den Interviewern
  • Frustration durch Verweigerer
  • Organisieren von Telefoniermöglichkeiten
  • ggf. Problem anfallender (Telefon-)Kosten und deren Abrechnung
Jeder Interviewer sollte in einem Rollenspiel (s.o.) die Interviewtechnik einüben. Außerdem ist eine sehr sorgfältige Formulierung des Anredeteils im Fragebogen notwendig. Erfahrungsgemäß entscheiden die ersten Sätze, ob der/die Angerufene sich interviewen lässt oder nicht.

Bildschirminterview
Das Bildschirminterview ist gut geeignet für Stimmungsbilder und Meinungsumfragen.

Es ist auch eine besondere Art der schriftlichen Befragung, benötigt aber keinen Ausdruck in Papierform. Stattdessen müssen Computer für die Eingabe der Daten zur Verfügung stehen. Wenn beispielsweise Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Veranstaltung (Podiumsdiskussion, Ausstellung, Tag der offenen Tür u. a.) ihren Eindruck wiedergeben sollen, ist das Bildschirminterview sehr praktisch. Das nachträgliche Eingeben der Daten ist nicht mehr notwendig, da diese direkt elektronisch erfasst und gespeichert werden.

Auf einem Tag der offenen Tür kann auf diese Weise z. B. das Urteil der Besucher erfragt oder am Ende einer Fortbildungsveranstaltung ein Meinungsbild erstellt werden. Die Eingabecomputer sollten während der Durchführungsaktion immer von Personen beobachtet werden, um bei eventuellen Fragen der Handhabung zur Seite zu stehen oder andere Fehlerquellen zu entschärfen.

Zu berücksichtigende Probleme sind:
  • Bereitstellung geeigneter Computer
  • Schutz der technischen Anlagen
  • Beaufsichtigung der Computer
  • Vorkehrungen zur Vereitelung von absichtlichen Falsch- oder Mehrfacheingaben
Internetbefragung
Eine Internetbefragung ist besonders geeignet für die Befragung von kleineren oder konkreten Gruppen direkt angesprochen werden können und über eine ausreichende Internetkompetenz verfügen (z.B. Jugendbefragung in der Schule, Schulabgänger-Befragung). Sie eignet sich für Befragungen, bei denen Antworten von räumlich weit entfernten Gruppen eingeholt werden sollen.

Vorteile: Mit GrafStat kann man ohne viel Aufwand auch eine Internetbefragung durchführen. Dazu benötigt man lediglich einen Platz im Internet, an dem man den Fragebogen veröffentlichen kann (wie beispielsweise die Homepage der Schule). Die Internetbefragung bietet den Vorteil, dass der Fragebogen weltweit rund um die Uhr zur Beantwortung bereitsteht. Da die Daten von den Befragten selbst eingetragen und auf einem Datensammelpunkt automatisch erfasst werden, spart man sich dabei sogar den Arbeitsschritt der Dateneingabe. Weitere Vorteile der Internetbefragung sind die rasche Durchführbarkeit und geringere Durchführungskosten sowie vielfältige Darstellungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Nachteile: Für die Erstellung einer repräsentativen Wahlprognose ist das Internet nach wie vor nicht geeignet da die Zahl der Menschen ohne Zugang oder entsprechende Medienkompetenz zu hoch ist (insbesondere ältere Menschen) und die Möglichkeiten von Missbrauch (z.B. durch mehrmalige Abstimmung) zu groß sind. Mit Mehraufwand in Form von Vergabe von Transaktionsnummern für das Ausfüllen der Fragebögen oder einem Kennwortschutz auf der Internetseite kann dem Missbrauch zwar vorgebeugt werden, dann besteht aber noch das Problem, eine repräsentative Stichprobe der Wahlberechtigten zu erhalten.

Vorgehen: Mit Hilfe von GrafStat wird ein Internetformular des Fragebogens erzeugt, aufbereitet und anschließend ins Netz gestellt. Die Daten werden von den Befragten selbst eingeben und können vom Datensammelpunkt für die Auswertung einfach heruntergeladen werden. (Für detaillierte Hinweise s. MG 02.06.)

Zu berücksichtigende Probleme:
  • Für die Beantwortung muss ein Internetzugang zur Verfügung stehen.
  • Es muss eine Möglichkeit für das Hochladen des HTML-Formulars zur Veröffentlichung im Internet vorhanden sein (z.B. Homepage).
  • Eine zufällige Stichprobe ist schwierig zu realisieren.
  • Fragebögen können mehrfach von einer Person ausgefüllt werden (kann in bestimmten Fällen über Transaktionsnummern ausgeschlossen werden).
Eigener Text