Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

31.10.2012

MG 02.02 Rollenspiel zur Vorbereitung von Straßeninterviews

Rollenkarte 1: Ungeduldiger Student
Michael Pöpping, 23 Jahre, wahlberechtigt im Wahlkreis, in dem die Umfrage stattfinden soll, studiert an der Uni im 7. Semester Jura, Schulabschluss: Abitur, Konfession: evangelisch. Er treibt aktiv Sport – Joggen, Inline-Skaten und Fußball. Hat sich mit seiner Freundin verabredet und möchte das Gespräch und damit auch die Befragung möglichst schnell beenden.

Er ist grundsätzlich bereit, ein Interview zu geben, allerdings möchte er das Gespräch schnell hinter sich bringen, da er ja auf seine Freundin wartet. Mit der Anonymität der Befragung hat er keine großen Schwierigkeiten. Daher fragt er nur ganz kurz nach, woher der Interviewer kommt und was es mit dem Projekt genauer auf sich hat. Wenn die Antwort zügig und überzeugend ausfällt, gibt er sich damit zufrieden. Wenn der Interviewer ein Langweiler ist und umständlich die Fragen vorliest, ist er ungeduldig geneigt, das Interview abzubrechen. Er selbst gibt die Antworten spontan. Sein Hauptanliegen ist es, das Interview zügig zu Ende zu führen.

Rollenkarte 2: Auszubildende
Leoni Schwarz (17) ist gerade in ihrem ersten Ausbildungsjahr zur Reisekauffrau in einem Vorort der Stadt. Sie hat einen Realschulabschluss und ist froh, mit ihren nicht so guten Noten einen Ausbildungsplatz bekommen zu haben. Die vielen Absagen, die sie erhalten hatte, haben sie schon frustriert. Eigentlich wollte sie eine Banklehre machen, aber das hat wegen der Noten nicht geklappt. Fremdsprachen kann Leoni nicht so gut, aber da sie selbst gerne reist, findet sie ihre Ausbildung gar nicht so schlecht. Politik interessiert Leoni nicht sehr. Zeitung liest sie auch nicht. Engagiert ist die Auszubildende aber im Jugendchor der Kirchengemeinde, da sie gerne singt.

Leoni ist etwas schüchtern und weiß nicht so recht, was sie auf die vielen Fragen antworten soll, da sie sich, ehrlich gesagt, nicht so viele Gedanken über die Wahlen gemacht hat. Aber grundsätzlich ist sie schon bereit, Auskunft zu geben. Nur dauert es ziemlich lange, bis sie ihre Meinung äußert. Der Interviewer muss schon große Geduld haben und die längeren Pausen abwarten können. Wird er zu ungeduldig, bricht Leoni das Gespräch ab.

Rollenkarte 3: in einer Partei engagierte Schülerin
Patricia Hofer (18) geht in die 12. Klasse und kauft gerade mit einer Freundin auf dem Wochenmarkt ein. Seitdem Patricia 16 ist, ist sie bei den Jusos Mitglied und hat echt Spaß daran, sich politisch zu engagieren. Patricia findet das Interview toll, fängt bei der Beantwortung der Fragen aber schnell mit ausladenden Äußerungen an. Sie will mit dem Interviewer gleich politisch diskutieren und versucht, dessen Meinung zu den Fragen auch herauszubekommen. Ihre Freundin langweilt das Interview. Patricia jedoch interessiert sich sehr für das Wahlprojekt und löchert den Interviewer mit Fragen. Beantwortet der Interviewer ihre Fragen nicht, dann bohrt sie nach, gibt sich aber mit guten Begründungen zufrieden, weshalb der Interviewer nicht auf die Fragen antwortet oder seine Meinung sagt.

Rollenkarte 4: arbeitsloser Jugendlicher, Spätaussiedler
Rostyk ist 20, hat einen Hauptschulabschluss und sucht seit zwei Jahren einen Ausbildungsplatz. Er ist Russlanddeutscher und hält sich durch Gelegenheitsjobs mehr oder weniger über Wasser. Seine Situation findet er ziemlich bescheuert und wäre da nicht seine russische Clique, mit der er zusammen seinen Frust ablassen könnte, dann würde er wer weiß wohin gehen. Richtig wohl fühlt er sich in Deutschland nicht und von Demokratie hält er auch nicht so viel. Ihm macht die Arbeitslosigkeit und seine fehlende Zukunftsperspektive mehr zu schaffen. Ins kriminelle Milieu will er aber nicht einsteigen, sondern hofft, dass sich endlich etwas an seiner Situation verbessert. Von der Wahlumfrage hat er noch nichts gehört. Rostyk ist ungeduldig und nervös. Angst hat er, dass die Anonymität nicht gewahrt wird. Er hat den Verdacht, dass er als Spätaussiedler vielleicht Nachtteile durch das Interview bekommen könnte. Schnell überzeugen lässt er sich nicht, dass die Anonymität strikt gewahrt wird. Der Interviewer muss erst das Vertrauen von Rostyk gewinnen, ehe dieser bereit ist, auf die Fragen zu antworten.