Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

31.10.2012

MG 02.08 Hinweise zur Stichprobenziehung bei Telefonumfragen

Für eine repräsentative Befragung der Wahlberechtigten eines Wahlkreises bietet sich eine Telefonbefragung an (Anonymität, geringer Zeitaufwand, Schutz der Schülerinnen und Schüler vor Belästigungen), auch wenn dieser Weg in die Haushalte durch gehäufte Anrufe von Callcentern u.U. überstrapaziert ist. Aber durch gute Pressearbeit z.B. in Zusammenarbeit mit lokalen Zeitungen kann auf die Befragungsaktion der Schule aufmerksam gemacht und um Zustimmung in der Bevölkerung geworben werden. Viele nützliche Hinweise zur Kooperation mit der Presse in Zeiten des Wahlkampfes finden sich auf www.drehscheibe.org/der-wahlenblog.html.

Aus statistischen Gründen sollte die Stichprobe ca. 1000 verwertbare Interviews umfassen. Wenn erfahrungsgemäß weniger als die Hälfte der Interviews erfolgreich ist, werden also 2000 bis 3000 Telefonnummern von Haushalten benötigt. Es ist geschickt, die Stichprobe recht groß zu bemessen, denn nachträglich lässt sich eine Stichprobenziehung nicht mehr erweitern. Außerdem hat man so eine Reserve, falls die Ausfallquote wider Erwarten hoch ausfällt. Wenn 100 Jugendliche die Befragung durchführen, sollte jeder Jugendliche 20 bis 25 Telefonnummern erhalten und dadurch 10 verwertbare Interviews zur Befragung beisteuern. Es ist nicht schlecht, wenn mehr als 1000 erfolgreich durchgeführte Interviews zustande kommen, denn beim Gewichten der Stichprobe nach den Merkmalen Alter und Geschlecht orientiert sich GrafStat an der kleinsten Gruppe. (Das ist bei Wählerbefragungen häufig die Gruppe der jungen Männer, die bei Telefoninterviews schwer erreichbar und daher in Stichproben notorisch unterrepräsentiert sind.) Entsprechend dieser Zahl werden die anderen Gruppen zufällig reduziert, wodurch die Stichprobengröße verkleinert wird.

Von 1992 an waren die Telefonteilnehmer nicht mehr verpflichtet, ihre Telefonnummer im Telefonbuch zu veröffentlichen. Der Anteil der nichteingetragenen Telefonteilnehmer ist seitdem stark angestiegen. Daher versucht man, durch systematische Variation der Endziffern auch die verdeckten Nummern zu erreichen. Auch gibt es (vor allem bei Jugendlichen) einen Trend hin zu Mobiltelefonen. Jedoch ist eine große Mehrheit weiterhin zusätzlich zum Handy über einen Festnetzanschluss erreichbar. Trotz dieser Lücken verfügt man mit diesem Verzeichnis weiterhin über einen akzeptablen Fundus, aus dem man Telefonnummerstichproben von Haushalten ziehen kann. Eine Stichprobenziehung kann auf zweierlei Weise erfolgen, indem man
  • mithilfe eines Telefonbuchs zufällig die Telefon- Nr. auswählt (per Hand)
  • oder u mithilfe einer Telefonverzeichnis-CD eine Zufallsauswahl trifft.
Stichprobenziehung mittels Telefonbuch
Auch wenn diese Methode, mithilfe des gedruckten Telefonbuchs Stichproben zu ziehen, in der Umfragepraxis kaum noch eingesetzt wird, kann sie aus didaktischen Gründen genutzt werden, um exemplarisch deutlich zu machen, wie viel Sorgfalt man walten lassen und wie viel Aufwand man betreiben muss, um bei der Auswahl der Telefonnummern dem Zufall eine Chance zu geben. Es ist in jedem Schritt zu gewährleisten, dass die Auswahl der Einheiten (hier der Telefonnummern) kontrolliert zufällig aus der Grundgesamtheit erfolgt. Hier seien einige Schritte und Gesichtspunkte genannt, wie verfahren werden kann: Man muss zunächst ausfindig machen, wie der Wahlkreis durch Vorwahlnummern abgedeckt ist, denn nicht Wahlkreis hat nur eine Vorwahlnummer. (Um Wähler auszuschließen, die nicht im ausgewählten Wahlkreis stimmberechtigt sind, ist eine entsprechende Einleitungsfrage im Fragebogen zu stellen.) Es sind alle aktuellen Telefonbücher zu besorgen, die den betreffenden Wahlkreis erfassen.

Nun sollte man sich mit den Größenrelationen vertraut machen. Ein Beispiel möge dies verdeutlichen: Das Telefonbuch, das den Wahlkreis einer Stadt erfasst, hat einen Umfang von 1000 Seiten, jede Seite besteht aus drei Spalten à 60 Telefonnummern. Hier liegen also 180000 Telefonnummern vor. Da nur Telefonanschlüsse von privaten Haushalten in Betracht kommen, scheiden Telefonnummern von Behörden, Firmen, Geschäften, Büros, Arzt- und Anwaltspraxen, Vereinen etc. aus. Als Zielgröße sollen 3000 Telefonnummern zufällig gezogen werden.

Im weiteren Verfahren gilt es, den Grundsatz der systematischen Zufallsauswahl zu beachten: In jedem Auswahlschritt sollte gewährleistet sein, dass jede Telefonnummer die gleiche Chance hat gezogen zu werden. Wenn – wie in diesem Beispiel – jede Seite und jede Spalte für die Stichprobenziehung genutzt werden, ist diesbezüglich keine Auswahl notwendig. Innerhalb der Spalten ist nun durch Zufallsentscheid festzulegen, welche Position jeweils berücksichtigt wird. Dieser Vorgang ist zu wiederholen, bis die gewünschte Anzahl an Telefonnummern erreicht ist. Das kann angesichts der großen Zahl sehr eintönig sein. Typische Fehler in der zufallsgesteuerten Stichprobenziehung lassen sich verdeutlichen: Es wäre kein Zufall, wenn man immer nur die erste Nummer in der jeweiligen Spalte auswählte. Es ist nicht zulässig, nur die ersten 200 Seiten im Telefonbuch zu berücksichtigen oder nur die ersten 100 Telefonnummern eines jeden Buchstabens auszuwählen. Wir empfehlen: Das Verfahren der systematischen Zufallsauswahl sollte den Schülerinnen und Schülern exemplarisch verdeutlicht werden. Jeder kann dies mithilfe des Telefonbuchs ausprobieren und über mögliche Verstöße nachdenken. Die Erstellung der großen Stichprobe für die eigene Wählerbefragung im Wahlkreis (mit einem Umfang von 3000 Telefonnummern) sollte man mit Hilfe von digitalen Medien (Telefonverzeichnis-CD) vornehmen oder gar von Profis erstellen lassen.

Stichprobenziehung mittels Telefon-CD
Die für die Telefonumfrage benötigte Auswahl von zufällig gezogenen Telefonnummern aus dem jeweiligen Wahlkreis lässt sich auch mit Hilfe aktueller elektronischer Datenbanken, die auf CD vom Handel zur Verfügung gestellt werden, durchführen. (Zu beachten ist, dass die CD eine Datenausgabe z.B. als ASCII-Datei erlauben muss). Mit Hilfe dieser CD lässt sich die Arbeit wesentlich erleichtern. Ein kleines Computerprogramm, das die Zufallsauswahl der Telefonnummern automatisch vornimmt, sowie darüber hinaus gleichzeitig Telefonnummern von Behörden, Geschäftshäusern, Praxen (Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater etc.) und Fax-Nummern rausfiltert, kann zusätzlich unterstützen.

Hinweis: Informationen hierzu kann Ihnen das Team „Forschen mit GrafStat“ der Uni Münster geben, wir sind erreichbar unter der E-Mail-Adresse info@forschenmitgrafstat.de. Bei beiden Verfahren sind folgende Aspekte unbedingt zu beachten:
  • Es ist zu prüfen, inwieweit die geografische Grenze des Wahlkreises mit den Telefonnummern (Vorwahlbezirken) übereinstimmen. u Die Größe der benötigten Stichprobe ist festzulegen (s.o.), wobei die Anzahl der zufällig ausgewählten Telefonnummern unbedingt ca. doppelt so groß sein sollte wie die dann tatsächlich benötigte Stichprobengröße (wegen des zu erwartenden Schwundes).
  • Das Verfahren bei der Ziehung einer Zufallsstichprobe – auch wenn Sie mit Hilfe der CD durchgeführt wird und dort die Regie bei der Lehrperson liegt – sollte den Schülerinnen und Schülern dennoch verständlich gemacht werden.
  • Bei der Verteilung der Telefonnummern auf die befragenden Schülerinnen und Schüler sollte eine Reserve zurückgehalten werden für den Fall, dass sich hier und da hohe Verweigerungen oder Fehlerquoten herausgestellt haben.
Eigener Text