Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

31.10.2012

MG 02.10 Arbeitsblatt: Anonymität und Repräsentativität

Wenn wir in der Schule eine Befragung durchführen, möchten wir nicht herausfinden, was ein Schüler denkt, sondern Aussagen über eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern treffen. Der/die Einzelne ist dabei eher bereit, die Fragen zu beantworten, wenn man zusichert, dass man nicht zurückverfolgt, was er oder sie gesagt hat, sondern die Daten zusammen betrachtet.

Ich schließe also mit den Befragten einen "Vertrag" und sichere ihnen die Anonymität der eigenen Daten zu, das heißt, ich erzähle anschließend nicht: "Lisa hat xy geantwortet und Murat war eher für z", sondern ich verhalte mich diskret und gebe diese Informationen nicht weiter. Selbst wenn ich durch die Frage nach Alter oder Geschlecht der Personen herausfinden kann, um wen es sich handelt, verfolge ich dies nicht. Ich habe einen "Vertrag" mit den Befragten geschlossen und halte diesen auch ein. Die Befragten können mir also vertrauen.

Um zu gewährleisten, dass ich Aussagen über eine Gruppe treffen kann, muss ich entsprechend viele Mitglieder dieser Gruppe befragen. Wenn ich also wissen möchte, was sich Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse am liebsten am Schulkiosk kaufen, sollte ich keine Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse befragen, da sich der Geschmack in diesem Alter möglicherweise geändert hat. Es reicht auch nicht, wenn ich nur zwei oder drei Schüler/innen befrage, da diese möglicherweise eine andere Meinung vertreten als der Rest der Gruppe. Je mehr Schülerinnen und Schüler aus der gewünschten Zielgruppe ich befrage, umso wahrscheinlicher ist es, dass ich meine Aussage über die Gruppe verallgemeinern kann. In einer Schule ist es auch möglich, alle Schülerinnen und Schüler oder zum Beispiel nur alle Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen zu befragen, wenn man über sie eine Aussage treffen will.

Um eine repräsentative Befragung durchzuführen, sollte man überlegen, ob man tatsächlich die gewünschte Zielgruppe erreicht hat und ob jeder in der Zielgruppe eine Chance hatte, befragt zu werden. Wenn ich zufällig ausgewählte Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse befrage und in dieser Zufallsstichprobe befinden sich nur Mädchen oder nur Fahrschüler/-innen oder nur Schüler/-innen, die mit dem Rad zur Schule kommen, kann dies das Ergebnis verfälschen. Man sagt dann: "Diese Befragung ist nicht repräsentativ für die gewünschte Zielgruppe". Wenn in meiner befragten Gruppe also Cola das beliebteste Pausengetränk ist, der Kiosk aber an die Schülerinnen und Schüler mehr Milch verkauft, muss ich mir Gedanken machen, ob meine Befragung repräsentativ ist.

Jede Person aus der Gruppe, über die ich eine Aussage treffen will, sollte die gleiche Chance haben, befragt zu werden. Wenn ich eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern nicht befrage, weil ich diese nicht besonders mag, wird ihr Kaufverhalten nicht miterfasst und das gesamte Befragungsergebnis ist vielleicht verfälscht. Es ist also darauf zu achten, dass verschiedene in der Zielgruppe vorhandene Gruppen auch entsprechend ihrer Verteilung in der Gruppe berücksichtigt werden: Jungen und Mädchen, Schüler/-innen mit ausländischer Herkunft und deutsche Schüler/-innen, jüngere und ältere Schüler/innen.

Eigener Text