Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

14.11.2012

Plakat analysieren

Didaktische Hinweise
Neben Zeitungsanzeigen, Fernseh- und Radiospots, Flugblättern, Internetauftritten und Werbebroschüren setzen die Parteien auch Wahlplakate ein, um die jeweiligen Kandidaten in der Öffentlichkeit zu präsentieren. In der heißen Phase des Wahlkampfes bestimmen diese das Straßenbild vieler Städte und Gemeinden.

Die Wahlkampforganisationen nehmen bei der Gestaltung von Wahlplakaten die Hilfe von Werbeagenturen in Anspruch, um das Wahlverhalten ihrer Zielgruppe zu beeinflussen. Die Wählerin oder der Wähler soll zum Nach- und Umdenken, der Unentschlossene zum Schritt in die "richtige" Richtung angeregt werden. Schon 1921 schreibt der Schweizer Lüthy:

"Das künstlerische politische Plakat soll und kann jeden auf der Straße gedankenlos Vorüberbummelnden oder gedankenschwer Vorüberhastenden mit telepathischem Griff fesseln, sein Gehirn durch ein kurz orientierendes Schlagwort in die gewollte politische Richtung drängen, sein Herz durch die Schönheit und den Anmut des Bildes gewinnen, sein Interesse durch den Witz satirischer Verstellungen erhaschen..." [1] Wahlplakate sind häufig eine Kombination aus Bild und kurzem Text (Slogan), der komplexe Probleme vereinfacht oder verfremdet, um bei den Adressaten Betroffenheit auszulösen und zum gewünschten Handeln aufzurufen. Für die Schülerinnen und Schüler ist es von besonderer Bedeutung, diese oft werbepsychologisch raffiniert aufgemachten Wahlplakate zu analysieren, da sie lernen, ...

"Absichten politischer Parteien zu erkennen und kritisch zu durchschauen. Es empfiehlt sich, (die Plakate) als Grundlage für eine Diskussion zu sammeln und nach unterschiedlichen Gesichtspunkten - etwa der politischen Absicht, ihres Wahrheitsgehaltes, ihrer künstlerischen Gestaltung und Aussagekraft - zu analysieren. Sehr wirksam ist es, die Parteien verschiedener politischer Richtungen einander gegenüberzustellen, sie vor einer Wahl und etwa ein bis zwei Jahre nachdem eine Partei die Regierungsgewalt übernommen hat, nochmal zu überprüfen. Dabei kann festgestellt werden, ob die plakativ gemachten Aussagen und Versprechungen eingehalten wurden. So kann die Glaubwürdigkeit von Parteien und ihren Vertretern kritisch überprüft und beurteilt werden. Dies trägt zur Mündigkeit von jungen Menschen und Erwachsenen bei und ist für die politische Entscheidung von Bedeutung." [2]

Insgesamt sollen die Schülerinnen und Schüler sich darüber klar werden, durch welche Stilmittel sie sich in ihrer Rolle als Wähler am meisten angesprochen fühlen, um zu erkennen, dass die eigene Empfänglichkeit in hohem Maße von emotionalen und suggestiven Werbemitteln beeinflusst wird.

Einsatzmöglichkeiten
Für die Bestimmung des Stellenwertes im Unterricht ist zunächst auf die Möglichkeit einer fächerübergreifenden Ausrichtung hinzuweisen; für eine umfangreiche Analyse sprachlicher und gestalterischer Elemente wäre der Politikunterricht allein schon aus zeitlichen Gründen überfordert. Es empfiehlt sich daher, das Unterrichtsprogramm, sofern gewünscht, mit den Kunst-, Deutsch oder Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrern der Klasse abzustimmen, wobei dann eine Aufgabenteilung vorgenommen werden kann. Sinnvoll wäre auch die Beschäftigung mit dem Thema "Politische Propaganda: Wahlplakate" im Rahmen einer Projektwoche, denn hier können die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungsschritte besser in ein Gesamtergebnis integriert werden.

[1] Aus: F. Collin: Vom politischen Plakat, in: Zeitschrift "Das Plakat", 1921, S. 115. Zitiert nach: Hans Jörg: Wandzeitung und Plakat, in: Wolfgang W. Mickel (Hrsg.): Handbuch zur politischen Bildung, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 358, Bonn 1999, S. 460.

[2] Hans Jörg: Wandzeitung und Plakat, in: Wolfgang W. Mickel (Hrsg.): Handbuch zur politischen Bildung, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 358, Bonn 1999, S. 460.

Literatur
Wolfgang W. Mickel (Hrsg.): Handbuch der politischen Bildung, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Band 358, Bonn 1999.

Günther Gugel: Methoden-Manual II: "Neues Lernen". Tausend neue Praxisvorschläge für Schule und Lehrerbildung. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 1998.

Die Schülermethode steht als PDF-Icon PDF-Dokument zum Download bereit.