Reichstag, Sitz des Deutschen Bundestages

14.11.2012

Strukturierte Kontroverse

Didaktische Hinweise
Bei der strukturierten Kontroverse werden zu einer umstrittenen Fragestellung Argumente für beide Seiten gesammelt und abgewogen. Durch einen organisierten Perspektivwechsel erhält die Auseinandersetzung mit dem kontroversen Thema eine Struktur. Die Schülerinnen und Schüler rekapitulieren alle Argumente und gelangen durch eine intensive Beschäftigung mit dem Lernstoff zu einem ausgewogenen Urteil bzw. zu einem eigenen, fundierten Standpunkt.

Vorbereitung
  1. Eine Streitfrage, die kontrovers diskutiert werden kann, wird vorgestellt.
  2. Die Klasse wird in Vierergruppen aufgeteilt, die wiederum in zwei Paare eingeteilt werden. Das erste Paar hat die Aufgabe, möglichst viele Argumente für die These (pro) und das zweite Paar für die Antithese (contra) zu finden; dies geschieht zunächst in Einzelarbeit. Wichtig dabei ist, dass die eigene Meinung keine Beachtung erfährt.
  3. Nun präsentieren die beiden Schüler, welche jeweils für die gleiche Position Argumente gesammelt haben, wechselseitig ihre Ergebnisse und erstellen eine sinnvolle und überzeugende Argumentationslinie.
Verlauf
  1. Vorstellung der Argumentation: Jetzt stellt jedes Paar seine Argumente dem jeweils anderen vor. Das zuhörende Paar darf das redende Paar hierbei nicht unterbrechen und soll sich lediglich Notizen machen. Erst nach Abschluss der Vorstellung dürfen eventuelle Fragen zum Verständnis gestellt werden. Die Paare überdenken nun die gehörten Argumente und stellen sich mögliche Probleme und Widersprüche gegenseitig vor.
  2. Perspektivwechsel: Die Paare müssen die Gegenposition einnehmen und tauschen hierfür ihre Plätze, um dies auch visuell zu verdeutlichen. Dabei entwickelt jeder für sich eine Argumentation der nun anderen Seite und versucht dabei, die vorher angesprochenen Widersprüche und Probleme aufzulösen. Im Anschluss daran entwickeln die Partner eine gemeinsame Argumentation und stellen einander ihre Argumentationen vor.
  3. Begründung des eigenen Standpunktes: Jetzt erhält die Methode ihren Diskussionscharakter, denn jedes Gruppenmitglied der Vierergruppe kann nun frei über das Problem diskutieren und stellt dabei seinen ganz persönlichen Standpunkt vor. Dabei sind natürlich die altbekannten Regeln für eine Diskussion unbedingt zu wahren (ausreden lassen etc.).
  4. Zum Abschluss werden verschiedene Gruppenergebnisse vorgestellt und gesichert.
Hinweise zur Durchführung
  • Abstraktion: Die Schüler sollten zunächst Abstand von ihrer persönlichen Position nehmen und verstehen, dass erst Argumente für beide Seiten gesammelt werden müssen. Das zentrale Lernziel hierbei ist, sich in eine andere Position, die man selbst nicht vertritt hineinversetzen zu können und in der Lage zu sein, ein kritisches Thema objektiv beleuchten zu können.
  • Vorbereitung: Bei inhaltlichen Streitfragen muss Vorwissen, d. h. eine Wissensgrundlage für die Argumentation, vorhanden sein. Die Argumente können auch vorher aus verschiedenen Unterrichtsmaterialien (beispielsweise in einer vorbereitenden Hausaufgabe für die Schüler zuhause) extrahiert worden sein. Bei Diskussionen, die auf Überzeugungen und Grundsätzen aufbauen, ist dies nicht notwendig.
  • Argumentationsform: Abhängig von der Altersstufe und den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler sollte man eventuell vorher einplanen, den allgemeinen Aufbau einer Argumentation mit den Schülerinnen und Schülern zu besprechen (These – Begründungen – Fazit; dabei Argumente ordnen, z. B. nach ihrer Signifikanz).
  • Unterrichtsmaterial: Zur Unterstützung der Schülerinnen und Schüler kann man Arbeitsblätter mit den entsprechenden Inhalten vorbereiten (siehe Schülerarbeitsblatt Strukturierte Kontroverse).
  • Weiterführende Aufgaben: Es bietet sich an, eine Erörterung zu dem Thema schreiben zu lassen oder einen Text (mit entsprechenden Aufgaben) auszuhändigen, der die Fragestellung noch weiter vertieft.
Einsatzmöglichkeiten
Diese Methode eignet sich für kontroverse Diskussionsfragen, die auf
  • inhaltlicher (z.B. "Politische Parteien: Unverzichtbar oder ein Hindernis für die Demokratie?") oder
  • persönlicher Ebene (Überzeugungen/Meinungen) geführt werden können. Vor allem in gesellschaftswissenschaftlichen Fächern findet sie großen Anklang.
Links:
Unterrichtscoaching (Hrsg.): Strukturierte Kontroverse http://ucoaches.wikidot.com/strukturierte-kontroverse (20.08.2012).

Technische Universität Chemnitz (Hrsg.): Strukturierte Kontroverse http://www.tu-chemnitz.de/phil/imf/professuren/elearning/studentenprojekte/Gruppenlernen/lernmodul_kooperatives_lernen/main_details_strukturierte_kontroverse.htm (22.08.2012).

Die Schülermethode steht als PDF-Icon PDF-Dokument zum Download bereit.