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Projekt Mobbing - bei uns nicht ?!

1.10.2008 | Von:
Wolfgang Sander

Sachanalyse: Mobbing

Typische Mobbingstrukturen in der Lerngruppe

Mobbing in der Klasse kann nur verdeckt funktionieren, würde es offensichtlich, würden Lehrer und andere Schüler intervenieren. Mobbing kann zwar nur im Halbdunkel sozialer Beziehungen entstehen, aber Strukturen sind erkennbar. Wiederholtes Thematisieren und offenes Reden über mögliche Befunde in der Klasse sind geeignete Maßnahmen, das Entstehen typischer Mobbingstrukuren in der Lerngruppe zu verhindern.

"Grundsätzlich kann Mobbing in Lerngruppen ungestraft nur funktionieren, wenn die Situation und damit die Täter anonym bleiben. Dies ist schon dadurch gewährleistet, dass das Opfer von sich aus meist keine Hilfe sucht. Auf der anderen Seite achten die Täter natürlich darauf, ihre Übergriffe in vom Lehrer unbeobachteten Momenten zu starten." (Jannan 2008, S. 29)

Vier Arten von Akteuren lassen sich bei den Schülern unterscheiden (s.a. Schaubild unten):
  1. Das Opfer (meistens eine Einzelperson),
  2. die Mobber (ca. 3 Personen), die die Mobbingattacken durchführen oder initiieren,
  3. die Mitläufer, das sind in der Regel relativ wenige Personen, die sich hin und wieder an den Mobbingattacken beteiligen und die Mobber unterstützen,
  4. die Zuschauer: Der Großteil einer Lerngruppe ist an den Mobbingattacken direkt häufig nicht beteiligt, jedoch ist die Reaktion dieser Restgruppe nicht unerheblich, denn sie kann zur Verstärkung und zur sozialen Absicherung der Mobbingattacken in folgender Weise beitragen:
    • Die Schüler schauen fasziniert den Mobbingattacken zu, die sich ihnen täglich bieten.
    • Die Schüler nehmen die Mobbingsituation falsch wahr, meinen, es sei alles nur Spaß.
    • Sie haben selbst Angst gemobbt zu werden, verhalten sich also zurückhaltend und ängstlich.
    • In manchen Fällen lehnen sie Mobbingattacken ab, suchen nach Verbündeten und versuchen, die Situation aufzulösen.
Schema: Akteure im Mobbingprozess; Grafik: Sebastian StolteSchema: Akteure im Mobbingprozess. (© Sebastian Stolte)



Die zentrale Rolle des Lehrers

Man kann sagen, dass die Sensibilität des Lehrers für die Entdeckung von Mobbingsituationen unverzichtbar ist und eine entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass er als zentrale Person im Schulalltag der Schüler dann auch aktiv intervenieren und die Verfestigung von Mobbingsituationen frühzeitig verhindern kann.

"Die Tatsache, dass Mobber und Mitläufer im Verhältnis zur restlichen Lerngruppe deutlich in der Minderzahl sind, ist für eine konstruktive Anti-Mobbing-Arbeit entscheidend: Schafft der Lehrer es, diese "gleichgültige Masse" zumindest zum Teil zu motivieren, gegen Gewalt in der Lerngruppe vorzugehen, ist der Erfolg der Intervention mit großer Sicherheit zu erwarten" (Jannan 2008, S. 31).

Erfolgt keine Intervention des Lehrers, weil er die Situation nicht richtig einschätzen kann oder weil er die Ernsthaftigkeit nicht erkennt, fühlen die Mobber sich in ihrem Verhalten bestärkt. Der Rest der Klasse sieht, dass Mobber freien Spielraum für ihre unangenehmen Machenschaften und dass die Opfer kaum Hilfe zu erwarten haben. In diesem Fall stellt also die Zurückhaltung des Lehrers einen guten Nährboden für Mobbing dar.

Außerdem besteht hier die Gefahr, dass Lehrer und kritisch denkende Schüler den Leidensdruck potentieller Mobbingopfer unterschätzen. Verharmlosung der Situation oder gar tendenzielle Schuldzuweisung an die Opfer sind die Folge (nach dem Motto "Vielleicht hast du ja selber dazu beigetragen. Warum wehrst du dich nicht?" oder "Jetzt sei mal nicht so empfindlich"). Die Opfer spüren, dass sie mit ihren Problemen allein gelassen werden. In der schulischen Situation finden sie keine Unterstützung.

"Den Lehrern kommt eine Schlüsselposition in der Anti-Mobbing-Arbeit zu: Genauso wenig wie das Opfer sich aus eigener Kraft befreien kann, kann der Rest der Lerngruppe von sich aus gegen die Mobbingsituation vorgehen. Manche Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von einer Interventionspflicht der Lehrkräfte, wenn sie Gewalt oder Mobbing beobachten" (Jannan 2008, S. 32).

Weitere Hinweise zur Rolle des Lehrers beim Mobbing finden Sie in Info 02.02.

Die Mobbing-Täter

Folgende Merkmale sind typisch für Mobber. Sie müssen nicht alle gleichzeitig auftreten, treten aber häufig zusammen in Erscheinung.

Mobber zeigen häufig:
  • impulsives Verhalten,
  • setzen ihre Ziele mit aggressiven Mitteln durch,
  • zeigen wenig Empathie,
  • sind sich ihrer körperlichen Stärke bewusst,
  • provozieren das Opfer mit eigenem Verhalten,
  • haben geringes Selbstwertgefühl,
  • verfügen über ein geringes Repertoire an Konfliktlösungsstrategien und
  • haben bisweilen Interesse an instrumentellem Gewinn durch Mobben (Geld, Sachgegenstände).
Die Mobbing-Opfer

Opfer von Mobbing kann jeder in einer Gemeinschaft werden. Diejenigen, die sich nicht wehren können oder keine Verbündeten haben, werden schneller und häufger Opfer von Mobbingattacken. Hier können einige Merkmale genannt werden, um z. B. dem Lehrer erste grobe Orientierungspunkte an die Hand zu geben, worauf er achten sollte und bei welchen Schülern Mobbingversuche vorliegen könnten.

Mobbingopfer...
  • ...haben oft ein schwaches Selbstwertgefühl,
  • ...sie sind in der Klasse oft sehr still,
  • ...sie sind von ihrer Persönlichkeit her eher ängstlich, unsicher, tendenziell sensibler und vorsichtig,
  • ...sind körperlich eher schwächer als der Durchschnitt der Klasse,
  • ...sie reagieren auf Angriffe eher mit Weinen und Rückzug, sie wehren sich nicht.
(Vgl. Jannan 2008, S. 36.)

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