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15.1.2008 | Von:

Baustein 4: "Wohngemeinschaft Deutschland" - zusammen leben

Kulturelle Unterschiede - Gemeinsame Werte und Rechte

Wie sieht es in der "Wohngemeinschaft" Deutschland aus?
Wie werden die einzelnen Aspekte dort berücksichtigt?
Gibt es z.B. Werte, die alle Menschen, losgelöst von unserem kulturellen Hintergrund, für wichtig erachten? Welche Werte, Rechte und Regeln (Gesetze) zeichnen unsere deutsche Gesellschaft eigentlich aus?

Anhand eines kleinen Einleitungstexts sowie kurzer Infotexte (M 04.05) erarbeiten die Schülerinnen und Schüler sich Basiswissen zu:
  • Grundrechten
  • Menschenrechten
  • Demokratische Grundordnung
Je nach zeitlichem Umfang und Schwerpunktsetzung kann dies auch ausführlicher über eine Internetrecherche oder ein webquest zum Thema erfolgen. (Info 04.07 und Info 04.08)

"Getrenntes Grundgesetz"? Zeichnung: Christiane Pfohlmann"Getrenntes Grundgesetz"? Zeichnung: Christiane Pfohlmann

Anschließend wird die Frage aufgeworfen, wo beispielsweise Grenzen von Toleranz anderer Kulturen liegen:
Warum geht es die Deutschen überhaupt etwas an, wenn sich die Migranten und Migrantinnen in Deutschland ihre eigene Welt mit ihren eigenen Werten und Gesetzen einrichten?
Welche Rechte und Gesetze müssen auch von Migranten und Migrantinnen eingehalten werden?
Und wo treffen evtl. verschiedene Rechte aufeinander?
Themen, die die Schülerinnen und Schüler nennen oder die sie in diesem Zusammenhang interessieren könnten:
  • Zwangsheirat
  • Häusliche Gewalt
  • Männer- und Frauenrollen, insbesondere im Haushalt
  • Selbstjustiz: Rache, Familienschande, Ehrenmorde
  • Wehrdienst bei der Bundeswehr
  • Kopftuchverbot für Lehrerinnen
  • ...
Was ist erlaubt, was verstößt gegen das GG oder andere Rechte/Gesetze?
Inwieweit muss z. B. das Grundrecht auf freie Religionsausübung respektiert werden? Was ist erlaubt und wird ohne Weiteres geduldet, wo stößt dieses Recht an seine Grenzen?
Religionsfreiheit auf Kosten von Frauen und Mädchen, wenn es zum Beispiel um Zwangsheiraten etc. geht? (Zur Durchsetzung der Grundrechte auf Gleichberechtigung und Selbstbestimmung siehe z.B. Anwältin Seyran Ates)

Beispiele für Konflikte, die beim Zusammenleben auftreten können, hängen meist mit Religion zusammen, kulturelle Feste und Traditionen spielen eher weniger eine Rolle.

Mögliche Beispiele für Konfliktfelder sind:
  • Kopftuch: Kopftuchverbot für Lehrerinnen (nicht in allen aber in einigen Bundesländern) - Recht auf freie Religionsausübung - Sinnbild für die Unterdrückung der Frau? - Verstoß gegen das Vermummungsverbot?
  • Schule:
    - Schulkantinen-/Mensaessen: Schweinefleisch - Essen koscher (hebräisch für "rein", "tauglich") oder halal (arabisch حلال≥, "rein,erlaubt") oder sattvic (hindu "rein") - Rücksichtnahme auf Ramadan und Fastenbrechen? -
    - Umgang mit muslimischen Schülerinnen: Zwang zur Teilnahme am Sport-/ Schwimmunterricht? - Pflicht, auf Klassenfahrt mitzufahren?
    - Islamkundeunterricht in der Schule?
  • Bau von Moscheen: Hinterhofmoscheen, Recht auf freie Religionsausübung, ...
Streitfrage: gemeinsamer oder getrennter Sportunterricht für muslimische Mädchen? (Foto: ap)Streitfrage: gemeinsamer oder getrennter Sportunterricht für muslimische Mädchen? (Foto: ap)
Anhand eines Beispiels, hier das des Kopftuchverbots für Lehrerinnen, soll vertiefend aufgezeigt werden, wo Rechte und Gesetze in Konflikt miteinander geraten können und wie schwierig es für Migranten und Migrantinnen u. U. sein kann, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Im Beispiel (M 04.06, Info 04.09 und Info 04.10) geht es um die Referendarin Nadia Mourad Osman, die aufgrund ihres Kopftuches kaum eine Chance hat, nach dem Referendariat eine Stelle in ihrem Bundesland zu bekommen. Die Schülerinnen und Schüler beschreiben, inwieweit Frau Mourad Osman eine "normale" Lehrerin ist und inwieweit sie sich von anderen Lehrerinnen unterscheidet. Thematisiert werden hier auch Werte, die von Lehrerinnen und Lehrern vermitteln werden sollen, und inwiefern ein Kopftuch dies unterstützen oder erschweren kann.

Zur Diskussion des Kopftuchverbots sollen die Schülerinnen und Schüler Argumente dafür und dagegen sammeln, um fundiert ihre eigene Meinung zu darzulegen. Eine Vielfalt an Hintergrundinformationen zur Kopftuchdebatte findet man im Internet unter:

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