Dossierbild Film als Teil schulischer Bildung

28.5.2009

Begrüßung

Dr. Bernd Hübinger (Bundeszentrale für politische Bildung)

Begrüßung von Dr. Bernd Hübinger (Bundeszentrale für politische Bildung) auf dem Kongress Film als Teil schulischer Bildung.

Meine sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen hier im Haus der Wissenschaft, wo wir heute und morgen mit der Tagung "Film als Teil schulischer Bildung" zu Gast sein dürfen.

Es freut mich, dass die Bundeszentrale für politische Bildung den Kongress "Vom Kino lernen" hier in Bremen unterstützt und die Veranstaltung um einen didaktischen Teil erweitern konnte.

Einige von Ihnen haben bereits in den vergangenen vier Tagen interessante Diskussionen über das Thema Filmvermittlung geführt. In den kommenden zwei Tagen wird es speziell noch einmal um die Filmbildung als Teil schulischer Bildung gehen.

Schon seit Jahren ist die Filmbildung ein zentrales Anliegen der Bundeszentrale für politische Bildung. Wir verstehen Film in unserer Arbeit als ein Kulturgut, das es zu fördern gilt, wobei Film auch und gerade als Medium der Verständigung begriffen und – durch die filmkulturelle Bildung – begreifbar gemacht werden muss.

Dies umso mehr, als Film in der kulturellen Bildung hohe Integrationspotentiale bietet. Film kann und sollte genutzt werden, um Verständnislosigkeit und Intoleranz zu überwinden. Und gerade Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Schichten und mit Migrationshintergrund sind, so jedenfalls unsere Erfahrungen, gut über die Filmbildung zu erreichen.

Bereits in der Filmkompetenzerklärung 2003 haben wir gemeinsam mit der Filmförderungsanstalt herausgestellt, dass für Kinder und Jugendliche ein bewusster Umgang mit dem Medium Film in der heutigen Zeit unverzichtbar ist. Film gehört heute zum Alltag und bietet sich schon deshalb als Medium für die politische Bildung an, um junge Menschen zu erreichen. Bildungseinrichtungen, schulische wie außerschulische, sollten dies im Blick haben, wenn Sie über die richtige Ansprache der jungen Zielgruppe diskutieren. Es geht sogar noch darüber hinaus: Professor Kepser stellte 2006 in seiner empirischen Erhebung "Spielfilmbildung an deutschen Schulen: Fehlanzeige?" fest, dass sich Schüler/innen nicht nur die Besprechung von Filmen, sondern auch Filmgeschichte als Teil des Unterrichts wünschen. Meines Erachtens ist das ein klarer Auftrag an uns alle, insbesondere an diejenigen, die für die Erstellung von Curricula zuständig sind. Bis heute jedenfalls gibt es keine nennenswerte Filmbildung an deutschen Schulen. Und ich finde – und bin damit sicherlich mit der Mehrheit von Ihnen, meine Damen und Herren, einig: Das muss sich ändern!

Dabei stellt sich für uns die Frage: Was können wir, die Bundeszentrale für politische Bildung, dazu beitragen, dass sich Filmbildung in der schulischen, aber auch in der außerschulischen Bildung etabliert und einen festen Platz im Lehrplan erhält? Als eine Einrichtung des Bundes, die sich aus den genuinen Zuständigkeiten der Länder herauszuhalten hat, können wir auch in bildungspolitischen Fragen keinen direkten Einfluss auf Landesregierungen oder Abgeordnete der Landtage ausüben. Was wir können, ist zum einen allgemein für filmschulische Bildung werben, zum anderen konkrete Angebote machen, wie zum Beispiel mit unseren Kinoseminaren und Filmheften, die Sie, meine Damen und Herren, dann in der Praxis vor Ort einsetzen können.

So haben wir 2006 unser Online-Angebot zur Filmbildung www.kinofenster.de, das wir gemeinsam mit Vision Kino betreiben, nicht nur neu gestaltet, sondern auch um einige Informationen reicher gemacht. Sie finden dort ständig aktuelles Material für Ihre Filmarbeit in der Schule, aber auch für die außerschulische Filmbildung.

Der Filmkanon wurde ebenfalls im Jahr 2003 von der bpb angestoßen und hat zu einer lebhaften Diskussion geführt, die für unser Anliegen, die Filmbildung und seine Bedeutung in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken, mit Sicherheit nützlich war und immer noch ist. Die Filme des Kanons sind ja unter anderem auch Untersuchungsgegenstand der heute beginnenden didaktischen Tagung, was uns wiederum zeigt, dass der Kanon lebendig ist und dass mit ihm gearbeitet wird.

Wir haben, ich erwähnte es schon, über 80 Filmhefte und DVDs mit methodisch-didaktischem Begleitmaterial produziert, die Ihnen und Ihren Kollegen/innen, die Arbeit hoffentlich etwas leichter machen. Eine Auswahl finden Sie am Bücherstand der bpb. Im Jahr 2009 planen wir die Herausgabe von bis zu sechs Filmheften zu ausgewählten Filmen unseres Filmkanons.

2005 hat die Bundeszentrale für politische Bildung – das wissen Sie wahrscheinlich alle – als direkte Folge der Filmkompetenzerklärung die Vision Kino gGmbH mitgegründet und damit die Bedeutung der Vernetzung der Akteure aus dem Filmbereich unterstrichen. Gerade vor vier Wochen (Anfang Dezember 2008) haben wir gemeinsam mit Vision Kino den zweiten bundesweiten Filmkongress in Berlin ausgerichtet. Eine Forderung, die dort erhoben wurde, will ich Ihnen nicht vorenthalten: Die Kompetenzvermittlung muss anwendungsbezogen gestaltet werden und sich an konkreten Aufgaben orientieren, um sie für Lehrer und Lehrerinnen handhabbar zu machen.

Mit der Veranstaltung des Bremer Kongresses "Vom Kino lernen" kommen wir einer weiteren in der Filmkompetenzerklärung geforderten Maßnahme nach: der Förderung des Austauschs zwischen wissenschaftlichen Disziplinen und schulischer Bildungsarbeit in Bezug auf das Medium Film. Diese Veranstaltung ist, so hoffen wir, ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Auch wenn wir auf Fortschritte in der Filmbildung in den letzten Jahren zurückblicken können, so wissen wir doch, dass wir noch sehr viel mehr tun müssen. Dazu gehört unter anderem, alle gesellschaftlichen Akteure von der Bedeutung der Filmbildung zu überzeugen. Gewonnen werden müssen nicht nur Akteure aus Politik, Wissenschaft und Bildung, auch die Wirtschaft muss eingebunden werden. Es handelt sich um einen gesamtgesellschaftlichen Prozess, der notwendig ist, um den Stellenwert der Filmbildung innerhalb der kulturellen Bildung zu erhöhen.

Dafür sind auch gerade solche Veranstaltungen wie der Bremer Kongress "Vom Kino lernen" wichtig. Sie erreichen die Öffentlichkeit, unterstützen den interdisziplinären Diskurs und liefern dadurch neue Erkenntnisse, die der Filmbildung helfen, ihr Schattendasein zu überwinden.

Für die Bundeszentrale für politische Bildung kann ich sagen: Wir werden uns auch weiter für die Filmbildung einsetzen und alles uns Mögliche tun, um sie nach vorne zu bringen. Allerdings müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass gerade in der kulturellen Bildung – also nicht nur in der Filmbildung – nicht nur Überzeugungskraft, sondern auch Beharrlichkeit, also der bekannte "lange Atem" notwendig sind, um Ziele zu erreichen. Daher meine Bitte: Bleiben auch Sie beharrlich und tun Sie das Ihre, um Filmbildung zu einer curricular abgesicherten Selbstverständlichkeit in unserem Schulwesen zu machen.

Zum Schluss möchte ich noch auf eines hinweisen: die technische Entwicklung und die Veränderung in den Nutzungsgewohnheiten der Jugendlichen. Wir dürfen die neuen Medien wie multimediafähige Mobiltelefone, filmbezogene Web-Angebote und Computerspiele bei allen unseren Überlegungen, Konzepten und Projekten nicht außer Acht lassen. Auch wenn sich einige von uns nichts Besseres als eine große Kinoleinwand vorstellen können: Tatsache ist, dass bewegte Bilder schon längst nicht mehr nur im Kino zu finden sind. Aber genau darin liegt eine neue Chance für unser gemeinsames Anliegen: Die Zugänge werden vielfältiger, lassen Sie uns diese daher auch nutzen.

Ich wünsche Ihnen, meine Damen und Herren, eine spannende und vor allem gewinnbringende Diskussion und hoffe, dass Sie Ergebnisse für die Praxis mit nach Hause nehmen können.

- Es gilt das gesprochene Wort. -


Das Internet hat unsere Kommunikationskultur nachhaltig verändert – vor allem für Jugendliche, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind. Kinofenster.de untersucht, wie das Smartphone den Alltag der Digital Natives prägt, welche Bedeutung die Neuen Medien für die Bildung und wie sie Eingang in filmische Erzählwelten gefunden haben. Passend zum Thema gibt es Unterrichtsmaterial von der Grundschule bis zur Oberstufe.

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Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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