Dossierbild Film als Teil schulischer Bildung

28.5.2009

Werkstattgespräch "Filmkanon"

Prof. Dr. Ulf Abraham (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)/ Prof. Dr. Matthis Kepser (Universität Bremen)

Beinahe sechs Jahre nach seiner Vorstellung im Juli 2003 sorgt der Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb noch immer für viel Diskussionsstoff. Das Werkstattgespräch im Anschluss an den Vortrag von Ulf Abraham kreiste um die Chancen des Filmkanons im Unterricht sowie die Schwierigkeiten, die sich aus einer solchen Kanonisierungsdebatte ergeben.

Im Plenumsgespräch wurde deutlich, welche Funktion die Diskussion um die vorgeschlagenen 35 Filme des bpb-Filmkanons bislang für die Filmbildung hatte. Die Initiative, so die Diskutanten, habe die Anerkennung von Film als Unterrichtsthema gefördert. Zugleich könne die enge Auswahl eine gute Orientierung für Lehrer/innen bieten, die nach empfehlenswerten Filmen suchen und noch wenig oder überhaupt nicht mit Filmen im Unterricht gearbeitet haben. Dennoch solle nicht ausschließlich die filmhistorische Relevanz der ausgewählten Filme die Grundlage für die filmpädagogische Arbeit in der Schule darstellen, sondern nach Anknüpfungspunkten an die Lebenswelt der Schüler/innen gesucht werden. Die Faszination von und die affektive Beziehung zu bestimmten Filmen könne vielmehr als "Anker" für eine Beschäftigung mit diesen dienen. Auf diesem emotionalen Zugang könne schließlich eine kognitive Analyse aufbauen, die sich wiederum an dem Erleben der Schüler/innen orientiert und sich nicht nur einer theoretischen Sichtweise unterordnet. Insofern sich die Schule auch den Filminteressen der Schüler/innen öffnet, gerate sie jedoch an ein weiteres Problem: Denn zugleich dürfe die Schule nicht zu einer "kulturellen Enteignung" der Kinder und Jugendlichen beitragen, indem sie deren Freizeitvergnügen pädagogisiere.

Weiterhin wurde im Plenum bemerkt, dass nicht der Zwang entstehen sollte, jeden im Unterricht gesehenen Film (eventuell sogar nach demselben Muster) zu interpretieren und zu analysieren. Durch ihre vielschichtigen Ästhetiken und Erzählweisen ließen sich Filme vielfältig in unterschiedlichen Fächern einsetzen. Dabei tauchte vor allem die Frage auf, welche Kompetenzen als Ziele der Filmbildung in welcher Jahrgangsstufe gefördert werden sollten. Ein Film oder mehrere Filme könnten in Hinblick auf diese Kompetenzen für den Unterricht empfohlen oder ausgewählt werden. Besonders wichtig sei es in diesem Zusammenhang, die bestehenden Kompetenzerwartungen der Fächer, zum Beispiel aus dem Deutschunterricht, nicht identisch auf das Medium Film zu übertragen.

Auch müsse Filmgeschichte nicht notwendig von Epoche zu Epoche unterrichtet werden. Stattdessen könnten auch Motive oder Querverbindungen zwischen aktuellen und "alten" oder "älteren" Filmen Unterrichtsgegenstand sein und so das filmische Fachwissen der Schüler/innen aufgreifen. Aus integrativer Sicht sei eine solche Entscheidung gegen eine historisch-chronologische Vermittlung vorteilhaft. Durch Kontextualisierungen könne im Anschluss, in einer Form von filmgeschichtlichem Unterricht, ein Verständnis für die Epoche der Entstehung geschaffen werden. Dabei dürften Filme jedoch nicht nur als "Transportmittel" für bestimmte historische, politische oder gesellschaftliche Inhalte eingesetzt werden.

Offen blieb in der Plenumsdiskussion vor allem, wie geeignete Filme – für eine bestimmte Schulklasse, aber auch für eine bestimmte Jahrgangsstufe oder Schulform – ausgewählt werden und inwieweit nicht nur anerkannte Klassiker oder Arthouse-Filme, sondern auch Mainstream- und Genrefilme – in Einklang mit den gesetzlichen Altersfreigaben der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) – Berücksichtigung finden können. Da zumeist keine gemeinsamen Maßstäbe zur Beurteilung von Filmen vorhanden seien, müssten diese oft selbst in der Klasse in Diskussionen erarbeitet oder geklärt werden. Solche Beurteilungskriterien für den Einsatz von Filmen im Unterricht seien oft bedeutsamer als ein starrer Filmkanon. Die Entwicklung von Standards für die Filmbildung könne diesen Bedürfnissen entgegenkommen.

Zusammenfassung: Stefan Stiletto


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Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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