Dossierbild Film als Teil schulischer Bildung

28.5.2009

Filmgeschichte mit Ufa-Klassikern im Unterricht? Zur Integration früher Filmgeschichte in zeitgemäße Curricula

Prof. Dr. Martin Leubner (Universität Potsdam)

Anhand des "Innovationskonzepts" stellte Martin Leubner eine Methode vor, die Anhaltspunkte für eine Auswahl geeigneter Filme für einen filmgeschichtlichen Unterricht sowie dessen konkrete Durchführung gibt.

Als erster Tonfilm etwa verdeutliche Fritz Langs "M" beispielhaft sowohl erzählerische als auch technische Neuerungen, die in der Folge die Entwicklung von Spielfilmen bestimmt hätten. Im Mittelpunkt des Interesses, so führte Leubner aus, könnten im Unterricht die folgenden Aspekte stehen: der innovative Einsatz von Ton und Musik, durch die neue Bedeutungsebenen erschlossen werden, die Wirkung von Parallelmontagen, die in diesem Fall zwei unterschiedliche Gruppen – Polizisten und Gangster – visuell gleichstellt, oder Machtverschiebungen auf der Handlungsebene, in der Gangster die Rolle von Richtern einnehmen. Leitend für die Herangehensweise von Martin Leubner ist die Prämisse, Filmgeschichte nicht anhand von Ausschnitten, sondern vollständiger Filme zu präsentieren. Stile und Epochen treten dabei als Strukturmerkmale zugunsten eines exemplarischen Unterrichts mit einem einzigen Film in den Hintergrund. Die Auswahl der Filme schließlich soll auf prägnanten Merkmalen (wie etwa erzählerischen und filmtechnischen Innovationen) basieren, die auffallen und Interesse wecken.

In einem Curriculum für den Deutschunterricht kann nach Leubner für die Jahrgangsstufen 9 und 10 der Schwerpunkt auf Spielfilmen in ihrem historischen Kontext liegen, wobei auf filmische Innovationen hingewiesen wird. In den Jahrgangsstufen 11 und 12 hingegen kann auf diese Innovationen im Kontext der Filmgeschichte genauer eingegangen werden. Während in der Vermittlung von Filmgeschichte bis in die 1930er-Jahre vor allem Neuerungen deutlich gemacht werden können, seien in den Epochen danach insbesondere die sich daraus ergebenden Variationen interessant. Erworben werden soll dabei neben Kontextwissen über Innovationen (durch die Beschäftigung mit Sachtexten oder audiovisuellen Quellen) auch systematisches Wissen, das sich sowohl auf die Inhaltsanalyse als auch auf die Analyse der Filmästhetik bezieht.

Läge eine Chance dieser Methode in dem Erkennen von Entwicklungen, so wurde doch im Plenum Leubners Ausgangspunkt bei Klassikern kritisiert. Um Unterschiede und Veränderungen zu erkennen, müssten zunächst Vergleichsfilme bekannt sein. Diese müssten aber nicht notwendig aus der vorangegangenen filmhistorischen Epoche stammen. Hier könnten stattdessen auch aktuelle Filme als Vergleich dienen, zu denen die Schüler/innen einen stärkeren Bezug haben. Auch gegenwärtige Sehgewohnheiten könnten als Referenz für die Beschäftigung mit der erzählerischen und visuellen Gestaltung von Werken aus der frühen Filmgeschichte dienen. Zudem würde die historische Sichtweise das innovative Potential von Gegenwartsfilmen ausklammern. Aus filmgeschichtlicher Sicht kritisiert wurde die vereinfachende Darstellung, da Innovationen und Entwicklungen nur auf einen einzigen Film zurückgeführt und somit nur eine eingeschränkte Sicht auf die Filmgeschichte erlauben würden. Darüber hinaus müsste verdeutlicht werden, wie technische Innovationen zum inhaltlichen Verständnis beitragen. Anhaltspunkte könnten die Film- und Bildanalysen von David Bordwell liefern, die bei Form und Stil ansetzen.

Zusammenfassung: Stefan Stiletto


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