Dossierbild Film als Teil schulischer Bildung

28.5.2009

Handlungsorientierung im Bereich Film in der Hochschuldidaktik

Prof. Dr. Waltraud Schreiber (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Waltraud Schreiber präsentierte Formen handlungsorientierter Filmarbeit, die in der Lehrer/innenausbildung im Fachbereich Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt eingesetzt werden. Ausgangspunkt für die Filmarbeit in der Geschichtsdidaktik und im Geschichtsunterricht sei die Überlegung, dass Filme heute als wichtiges Trägermedium bei der Dokumentation und Übermittlung geschichtlicher Ereignisse gelten. Sie prägten nachhaltig unser Geschichtsbild, obwohl sie keineswegs objektive Träger von Fakten seien, so Schreiber. Filme machten Geschichte, indem sie Geschichte erzählen. Wichtig sei es daher, zukünftigen Lehrern/innen Kompetenzen im Umgang mit Film zu vermitteln, die sie befähigen, historische Filme (insbesondere dokumentarisches Material) im Hinblick auf ihr Gemacht-Sein kritisch zu überprüfen und daran ebenso die Gemachtheit von Geschichte zu erkennen. Denn Geschichte bestehe nicht nur aus Fakten, sondern sei auch Narration.

Im Fachbereich Geschichte der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt habe man die Erfahrung gemacht, dass Filmarbeit die Aneignung historischer Sachkompetenz (historische Fragekompetenz, historische Methodenkompetenz und historische Orientierungskompetenz) bei den Studierenden nachhaltig fördere und insbesondere die aktive Filmarbeit diesen Prozess in besonderer Weise beschleunige. Die Aneignung von Kenntnissen über die Grammatik des Films sei die Bedingung dafür, über Filme reden und sich selbst in der Sprache des Films ausdrücken zu können. Ziel sei es ebenso, den Studierenden ein filmisches Handwerkzeug mitzugeben, dass sie später auch in ihren Geschichtsunterricht in der Schule integrieren können.

Waltraud Schreiber führte aus, die Filmanalyse aus historischer Perspektive solle die Dekonstruktionskompetenz der Studierenden befördern. Dazu wurde ein Leitfaden entwickelt, der es den Studierenden ermögliche, sich systematisch mit Geschichtsfilmen auseinander zu setzen. Dieser beginnt mit einer formalen Bestandsaufnahme, in der nach Zeit und Inhalt/Schwerpunkt aufgeschlüsselt wird, welche Bilder, Musik, Geräusche, Off-Kommentare, filmische Besonderheiten und Zeitzeugen/inneninterviews verwendet wurden. In einem zweiten Schritt beschäftigt man sich mit der Struktur des Films, entweder über eine inhaltsbezogene Analyse oder eine Analyse in Bezug auf Fokussierungen. Dabei soll unter anderem untersucht werden, wie Zeitzeugen/innen in den Film eingebunden wurden, welche Funktion die Interviews erfüllen und welche Interpretationsmuster der Film vorgibt. Der dritte Schritt besteht in der Trifftigkeitsprüfung, indem ausgewählte Aussagen zum Beispiel durch Vergleich mit anderen Quellen hinterfragt würden.

Ein weiterer Schritt sei die Arbeit mit eigenen Zeitzeugen/innenaufnahmen, die die Dekonstruktions- und Orientierungskompetenz der Studierenden fördere, so Schreiber. Auch hierfür sei ein Leitfaden entwickelt worden. Zunächst wird ein kategorialer Vergleich zwischen Zeitzeugen/innenaussagen gemacht, (beispielsweise ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Aussagen über den Evakuierungsmarsch ins Außenlager Mühldorf). Aus den daraus sich ergebenden Fragen werden ergänzende Interviews geplant und aufgezeichnet und anschließend montiert. Ziel ist es, Zeitzeugen/innen und Experten/innen real oder filmisch ins Gespräch zu bringen.

Daraufhin ging Waltraud Schreiber auf den "Crashkurs Film" des Fachbereiches Geschichte ein. Diese Einführung in die aktive Filmarbeit findet an zwei Wochenenden über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen statt. In einer ersten Phase geht es um das Erkennen filmischer Darstellungsmittel. Ausschnitte aus Dokumentarfilmen werden auf Intention, filmische Mittel und Wirkung auf die Rezipienten/innen überprüft. In einer zweiten Phase werden filmische Mittel und ihre konkrete Wirkung auf Sinnbildungen untersucht und in Bezug auf Authentizitäts- und Interpretationsfragen problematisiert. In der dritten Phase stellen die Studierenden in Kleingruppen einen eigenen dreiminütigen Film her. Nach einer technischen Einführung wird die Zwischenphase zwischen den beiden Wochenenden zur Ideenfindung, Recherchearbeit und für die Ausarbeitung eines Drehplans genutzt. Am zweiten Wochenende erfolgt die Umsetzung mit Dreh, Schnitt und Vertonung.

Darüber hinaus haben die Studierenden die Möglichkeit, eigene Filme für die Lehre an der Universität, in Stiftungen, Vereinen und in der Schule zu Geschichtsthemen zu drehen. Beispiele findet man unter www.museumsvergleich-holocaust.eu.

Zusammenfassung: Kirstin Weber


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