Dossierbild Film als Teil schulischer Bildung

28.5.2009

Erarbeitung konkreter Methoden zum filmischen Experimentieren mit Schülerinnen und Schülern

Marc Schmelter/Nik Schinzler (Landesinstitut für Schule, Bremen)

Marc Schmelter und Nik Schinzler gaben Einblick in ihre Arbeit bei makemedia studios, einem Schüler/innenstudio für Audio-, Video- und Fotoproduktionen im Landesinstitut für Schule in Bremen (www.makepodcast.de) und führten zum anderen praktische Übungen mit den Workshop-Teilnehmern durch. Ziel der Werkstatt war es, durch die Arbeit an Filmsequenzen handlungsorientierte Verfahren kennen zu lernen, mit denen sich Filmästhetik und Filmgeschichte erschließen lassen.

Nik Schinzler stellte die Arbeit in einem Audio-Workshop vor. Um Schüler/innen für die Wirkungskraft von Musik im Film zu sensibilisieren, biete es sich an, verschiedene Musikstücke vorzuspielen und die Schüler/innen frei Bilder und Geschehnisse dazu assoziieren zu lassen. Diese könnten durch konkrete Fragestellungen vertieft werden, so zum Beispiel nach möglichen Titeln, Hauptdarstellern/innen oder dem möglichen Handlungsverlauf. Exemplarisch führte Nik Schinzler die Übung mit den Workshop-Teilnehmenden durch. Dabei zeigte sich, dass die Stimmung der Musikstücke von allen ähnlich wahrgenommen wurde, aber die konkreten Bilder je nach Alter, Herkunft, Bildung oder momentanem emotionalen Zustand der Zuhörenden individuell sehr verschieden waren.

Im praktischen Teil der Werkstatt war es Aufgabe der Audiogruppe, mit einem Musikbearbeitungs-Programm eine bereits fertig geschnittene Filmsequenz neu zu vertonen. Dazu konnte zwischen verschiedenen Musiken, Geräuschen und Sprachaufnahmen gewählt und somit die Wirkung von Tönen auf das Bildmaterial ausprobiert werden. Der einfache Vorgang – ein Junge geht in ein Haus und bewegt sich durch verschiedene Räume – konnte damit witzig, dramatisch oder schwungvoll gestaltet werden.

Marc Schmelter präsentierte zwei Vorgehensweisen für Video-Workshops bei den makemedia studios. Bestehe die Aufgabe darin, eine Mordszene filmisch umzusetzen, so werde das Skriptheft mit der Aufschlüsselung der Einstellungen sowie die Wahl der Drehorte bereits im Voraus von den Medienpädagogen/innen vorbereitet. Dieses Ausgangsmaterial werde den Schülern/innen präsentiert, Vorschläge ihrerseits jedoch integriert. Im Anschluss folge die praktische Umsetzung, wobei die Schüler/innen als Darsteller/innen agierten und einen praktischen Einblick in Kameraführung, Montage und Ton bekämen. Eine zweite Möglichkeit sei die Arbeit mit Fremdfilmmaterial. In Anlehnung an die Montageexperimente von Lew Kuleschow könnten die Schüler/innen Aufnahmen, die an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten gemacht wurden, zu neuen virtuellen Räumen zusammenfügen ("kreative Geografie").

Im praktischen Teil wählten die Teilnehmenden Einstellungen aus einer großen Zahl an vorgegebenen, fertig geschnittenen Szenen aus und fügten diese mit einem Videoschnittprogramm zu einer neuen Filmsequenz aneinander. Im Sinne von Kuleschows Experimenten wurden hierbei Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten in Paris und New York mit Szenen von einem Jungen, der durch ein Bremer Haus läuft, verbunden und auf diese Weise neue virtuelle Räume geschaffen. Marc Schmelter zufolge seien solche Übungen besonders für die Sekundarstufe 1 geeignet. Allerdings würden sie auch viel Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen.

In der Diskussionsrunde wurden weitere Übungsversionen vorgeschlagen, die in der Praxis mit wenig Vorbereitungszeit umsetzbar sind:
  • Kreative Geografie im Schulgebäude
    In einem Storyboard werden Spaziergänge im Schulgebäude nachvollzogen, Wege und Perspektiven festgelegt und gefilmt. Im Anschluss kann aus diesem Material ein neues Schulgebäude virtuell von den Schülern montiert werden.
  • Schöne/Schreckliche Schule
    Es werden gemeinsam drei Drehorte innerhalb des Schulgeländes festgelegt. Diese sollen unter verschiedenen Perspektiven – "unsere schöne Schule" beziehungsweise "unsere schreckliche Schule" – gefilmt und anschließend geschnitten werden. Diese Übung eigne sich ebenfalls gut, um die Manipulationsfähigkeit von Medien zu thematisieren.
Einig war man sich, dass der Umgang mit technischen Hilfsmitteln, zum Beispiel mit digitalen Audio- und Videoschnittprogrammen, Teil der Lehrer/innenausbildung sein sollte, um so frühzeitig Hemmungen abzubauen. Bei fehlender Technik und bei fehlendem Fachwissen könne die Unterstützung von Medienzentren in Anspruch genommen werden. Damit Mediennutzung nicht nur den Status von Spielerei im Unterricht habe, müsse diese ab der Grundstufe aufbauend in den schulischen Lehrplan integriert werden.

Zusammenfassung: Kirstin Weber


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Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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