Dossierbild Film als Teil schulischer Bildung

29.5.2009

Filmästhetische Kompetenzen in unterschiedlichen Fächern

Prof. Dr. Carola Surkamp (Georg-August-Universität Göttingen)

Carola Surkamp ging in ihrem Vortrag darauf ein, was filmästhetische Kompetenz ausmache, wozu sie notwendig sei und wie ihre Vermittlung in die einzelnen Unterrichtsfächer integriert werden könne.

Anders als die Literatur, so Surkamp, sei der Film eine plurimediale Darstellungsform, bei der die Analyse das Zusammenspiel des "visual channel" mit dem "auditory channel" deuten lernen müsse. Filmästhetische Kompetenz sei die "Fähigkeit, sich mit Filmen als ästhetischen Artefakten rezeptiv, reflexiv und produktiv auseinander setzen zu können, das heißt sie lesen und hörend aufnehmen, sie verstehen, nutzen und gestalten zu können". Filmästhetische Kompetenz, so Surkamp weiter, sei notwendig, um filmspezifische Reaktionsmuster zu erkennen, das Medialitätsbewusstsein zu entwickeln und die selbstständige Analyse eines audiovisuellen Texts zu fördern. Langfristig könne dies zu einem kritischen Sehen beitragen, das wiederum elementar für die Teilhabe an einem kulturellen Diskurs über das Kino sei. Dabei sei es wichtig, Filmanalyse und Filmerleben zusammen zu denken und miteinander verwoben durchzuführen, um so auch eine Steigerung der Genussfähigkeit beim Prozess des Sehens zu erwirken. Surkamp konstatierte, dass im Gegensatz zu Literatur oder Theater der öffentliche Diskurs über die Rezeption von Filmen oftmals in der Annahme geführt werde, die Rezipienten/innen seien zumeist passiv. Die Referentin widersprach dieser These, denn ganz im Gegenteil sei die Erzeugung von Sinn erst durch die aktive Partizipation in der Auseinandersetzung mit dem Film möglich. Als ein weiteres Ziel in der Beschäftigung mit Filmästhetik definierte Surkamp den Erwerb narrativer Kompetenz. So entwickele sich ein Verständnis dafür, dass jegliche Kommunikation in der modernen Welt über Narrative funktioniere und diese fundamentaler Teil des Identitätsbildungsprozesses seien.

Daraufhin ging Surkamp auf die Bedeutung von Literaturverfilmungen im Deutsch- und Fremdsprachenunterricht ein. In diesem Rahmen sei es wichtig, nicht nur die Unterschiede zwischen Filmadaption und literarischer Vorlage zu erarbeiten und letztendlich ein Qualitätsurteil zu fällen. Vielmehr müsse im Vergleich der Medien ein Verständnis über die unterschiedlichen Möglichkeiten von Film und Literatur entstehen. Anschaulich zeigte die Referentin am Beispiel von "About a Boy" (Romanvorlage: Nick Hornby; Regie: Chris und Paul Weitz), wie das Medium Film durch nur ihm zugängliche ästhetische Mittel besonders humorvoll wirken könne. Für den Fremdsprachenunterricht, so Surkamp weiter, werde Film viel zu oft nur als Anschauungsmaterial im Rahmen der Landeskunde verwendet. Wichtig sei hingegen eine Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist eines Films durch die Analyse seiner gestalterischen Mittel. Dabei müsse auch die Interaktion zwischen Sender und Empfänger in Betracht gezogen werden. Erst das Begreifen des Zusammenspiels von Ästhetik, Produktion und Rezeption und ihrer gegenseitigen Beeinflussung könne das Potenzial eines Filmes für den Landeskundeunterricht ausschöpfen. Für den Geschichtsunterricht schlug Carola Surkamp eine Annäherung an die filmästhetischen Aspekte vor, indem der Fokus nicht auf den Inhalt (beispielsweise eines geschichtlichen Dokumentarfilmes) gelegt werde, sondern auf die Frage, wie Geschichte vermittelt werde. Dadurch könnten Schüler/innen begreifen, wie Filme nicht nur Geschichte darstellen, sondern vielmehr selbst produzieren und so einen geschichtlichen Diskurs prägen.

Hinsichtlich methodischer Überlegungen plädierte die Referentin für eine Vermittlung filmästhetischer Prinzipien bereits in der Primarstufe. Wichtig sei hier die Überlegung, welche Kenntnisse – zum Beispiel über Genrekonventionen – die Schüler/innen bereits durch eigene mediale Erfahrungen besäßen. Zudem müsse den Lehrenden und Lernenden die Scheu vor dem Umgang mit Filmästhetik genommen werden, indem beispielsweise auf Ähnlichkeiten mit bekannten Fachgebieten hingewiesen werde. Die Art der Aufgaben innerhalb dieses Bereiches beschrieb Surkamp als sehr vielseitig. Sie reiche von der Arbeit mit und Analyse von Standbildern über den Vergleich von Original und Remake bis zur Produktion eigener kurzer Filme.

Surkamp schloss ihren Vortrag mit der Bermerkung, Filmästhetik könne in der Vermittlung kaum von den Bereichen Filmproduktion und Filmgeschichte getrennt werden. Langatmige und ermüdende Filmanalysen sollten jedoch vermieden werden. Filmästhetische Kompetenz beschränke sich dabei nicht nur auf den Erwerb von analytischem Handwerkszeug, sondern umfasse auch einen produktiv-kommunikativen Prozess.

Zusammenfassung: Alejandro Bachmann


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