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10.8.2021

Gruppenprozess

Mit dem Gruppenphasenmodell lässt sich die Entwicklung einer Gruppe erklären.

Normen und Rollen in einer Gruppe werden im Laufe des Gruppenprozesses von der Gruppe unbewusst entwickelt bzw. ausgefüllt oder verteilt und können in von außen, z. B. von einer Seminarleitung, angeregten Reflexionsgesprächen bewusst gemacht werden. Gerade wenn in einer inklusiven Gruppe ein besonderes Augenmerk auf die Zusammenarbeit gelegt wird, können solche Gespräche sinnvoll sein.

Mit dem Begriff "Gruppenprozess" ist die "zeitliche Abfolge von Tätigkeiten und Verhaltensweisen einer Gruppe" gemeint, "mit denen sie ihre Zusammenarbeit gestaltet, ihre Aufgaben bearbeitet und mit denen sie die dafür notwendigen Rollen, Spielregeln, Werte etc. entwickelt, entscheidet und verändert" (Langmaack / Braune-Krickau 2010: 173). (…)

Zur Erklärung typischer Entwicklungen von Gruppen gibt es verschiedene Modelle. Eines der bekanntesten ist die sogenannte Tuckman-Uhr (1965). Dieses Modell beschreibt die vier Gruppenphasen Forming (Einstiegs- und Findungsphase, Kontakt), Storming (Auseinandersetzungs- und Streitphase, Konflikt), Norming (Regelungs- und Übereinkommensphase, Kontrakt) und Performing (Arbeits- und Leistungsphase, Kooperation) (vgl. Tuckman 1965).

Gruppenphasenmodell nach Tuckman (1965)Gruppenphasenmodell nach Tuckman (1965) (© eigene Darstellung in Orientierung an Tuckman 1965 und Stahl 2017, S. 75.)

Tuckmans Modell wurde vielfach weiterentwickelt. Tuckman und Jensen ergänzten es beispielsweise um die fünfte Phase des Adjourning, die das Ende der Zusammenarbeit oder die Auflösung der Gruppe meint und ebenfalls bewusst gestaltet werden kann (vgl. Tuckman / Jensen 1977). Stahl hat dem Modell als fünfte Phase das Reforming hinzugefügt, was den evolutionären Charakter eines Gruppenprozesses verdeutlicht: Die genannten Phasen können immer wieder durchlaufen werden, mehrere Zyklen schließen aneinander an, und die Gruppe entwickelt sich so "spiralförmig" weiter (vgl. Stahl 2017: 76 ff.). Stahl weist überdies darauf hin, dass sich in Gruppen, die über längere Zeit zusammenarbeiten, solche Phasen sowohl über den gesamten Zeitraum der Zusammenarbeit als auch in jedem einzelnen Treffen zeigen können. Gruppenprozessmodelle können vor allem dazu dienen, pädagogischen Leitungen und Begleitungen von Gruppen sowie der Gruppe selbst eine Reflexionsfolie zu bieten, um die Entwicklung der Zusammenarbeit oder die Aushandlung von Gruppenzielen auf einer Metaebene reflektieren zu können. (…)

Literatur

Langmaack, Barbara / Braune-Krickau, Michael (2010): Wie die Gruppe laufen lernt: Anregungen zum Planen und Leiten von Gruppen. Ein praktisches Lehrbuch. Weinheim u. a.

Stahl, Eberhard (2017): Dynamik in Gruppen. Handbuch der Gruppenleitung. Weinheim.

Tuckman, Bruce W. (1965): Developmental Sequence in Small Groups. In: Psychological Bulletin, Jg. 63, H. 6. S. 384 bis 399.

Tuckman, Bruce W. / Jensen, Mary Ann C. (1977): Stages of Small-Group Development Revisited. In: Group & Organization Studies, Jg. 2, H. 4. S. 419 bis 427.


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