Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Anja Crößmann, Lisa Günther

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeit hat einen bedeutenden Einfluss auf die Lebensqualität der Erwerbstätigen. Überlange Arbeitszeiten, Abend-, Nacht- oder Wochenendarbeit können sowohl die Gesundheit als auch das Privatleben negativ beeinträchtigen.

Als Erwerbstätige mit überlangen Arbeitszeiten gelten alle Personen, die in der Regel mehr als 48 Stunden in der Woche arbeiten. Rund jede neunte Vollzeit erwerbstätige Person ab 15 Jahren (11 %) gab 2016 an, gewöhnlich mehr als 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Solche langen Arbeitszeiten betreffen vor allem Männer: 14 % der Männer, aber nur 7 % der Frauen gaben an, überlange Arbeitszeiten zu haben. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil. Während nur 2 % der Vollzeiterwerbstätigen im Alter von 15 bis 24 Jahren mehr als 48 Stunden wöchentlich arbeiteten, lag dieser Anteil bei Vollzeittätigen zwischen 55 und 64 Jahren bei 14 %. Einer der Gründe für die deutlichen Altersunterschiede ist der hohe Anteil überlanger Arbeitszeiten bei Führungskräften, die eher in den höheren Altersgruppen zu finden sind. Rund 35 % der Vollzeiterwerbstätigen in Leitungs- und Führungspositionen arbeiteten 2016 gewöhnlich mehr als 48 Stunden – bei Hilfsarbeitskräften lag dieser Anteil mit 3 % deutlich niedriger.

Als Abendarbeit gilt die Zeit zwischen 18:00 Uhr und 23:00 Uhr, Nachtarbeit findet zwischen 23:00 Uhr und 6:00 Uhr morgens statt. Der Anteil der Erwerbstätigen, die abends arbeiten, ist zwischen 1996 (18 %) und 2016 (25 %) um 7 Prozentpunkte gestiegen. Dazu hat vermutlich auch die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten beigetragen. Fast die Hälfte der Selbstständigen mit Beschäftigten (44 %) hat 2016 ständig oder regelmäßig zwischen 18:00 Uhr und 23:00 Uhr gearbeitet. Bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern war es hingegen nur knapp jede vierte Person (24 %). Der Anteil derjenigen, die ständig beziehungsweise regelmäßig nachts arbeiten, hat dagegen nur leicht von 7 % auf 9 % zugenommen. Männer arbeiteten dabei fast doppelt so häufig nachts (11 %) wie Frauen (6 %).

Auch Wochenendarbeit hat zugenommen. Der Anteil der Erwerbstätigen, die samstags arbeiten, stieg von 23 % (1996) auf 25 % (2016). Mehr als die Hälfte der Selbstständigen mit Beschäftigten (51 %) arbeitete 2016 am Samstag. Bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern waren es 23 %. Sonntags arbeiten wesentlich weniger Menschen. Der Anteil der Personen, die sonntags arbeiten, stieg von 11 % (1996) auf 14 % (2016). Es zeigten sich ähnliche Strukturen: Fast jede vierte selbstständige Person mit Beschäftigten war auch sonntags im Einsatz (24 %), bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nur gut jede achte (13 %). Personen, die sonntags arbeiten, tun dies auch häufig am Samstag. Rund 13 % der Erwerbstätigen arbeiten ständig oder regelmäßig an beiden Tagen des Wochenendes.
Erwerbstätige, die samstags und sonntags arbeiten nach Wirtschaftssektoren 2016 — in ProzentErwerbstätige, die samstags und sonntags arbeiten nach Wirtschaftssektoren 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

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Rund 5 % aller Erwerbstätigen haben mindestens zwei Jobs

Im Jahr 2016 hatten nach Ergebnissen der Arbeitskräfteerhebung 5,3 % aller Erwerbstätigen in Deutschland neben ihrer Haupttätigkeit mindestens eine weitere Tätigkeit. Dies waren rund 2,0 Millionen Personen; ihre Zahl hat sich seit 2011 um knapp 0,8 Prozentpunkte erhöht.

Am häufigsten waren Mehrfachbeschäftigungen bei Erwerbstätigen in mittleren Altersgruppen: So betrug der Anteil der Personen mit einer weiteren Tätigkeit bei den 35- bis 44-Jährigen 6,3 % und bei den 45- bis 54-Jährigen 5,9 %. Junge Menschen unter 25 Jahren (3,7 %) und Personen über 65 Jahre (2,4 %) hatten seltener zwei oder mehr Tätigkeiten. Nach Geschlecht gab es dagegen geringere Unterschiede: 6,0 % der erwerbstätigen Frauen und 4,8 % der erwerbstätigen Männer gingen einer weiteren Beschäftigung nach. Hintergrund für den höheren Anteil bei den Frauen ist, dass Mehrfachbeschäftigungen häufiger bei Teilzeiterwerbstätigen vorkommen, bei denen wiederum der Frauenanteil deutlich höher ist.

Im Nebenjob arbeiteten Erwerbstätige im Durchschnitt 8,2 Stunden pro Woche. Dabei war die Arbeitszeit im Zweitjob bei Selbstständigen mit Beschäftigten (13,3 Stunden) deutlich länger als bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (7,6 Stunden) oder Solo-Selbstständigen (8,5 Stunden).


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